Ein Schauspielerin bei einer Szenenprobe des Stücks Unsere Gewalt und eure Gewalt für das Kunstfest in Weimar
Vor zwei Jahren feierte das Stück "Eure Gewalt, unsere Gewalt"beim Kunstfest in Weimar seine deutsche Erstaufführung. Bildrechte: dpa

"Eure Gewalt, unsere Gewalt" in Brno Rechte stürmen Theaterbühne in Tschechien

Ein Schauspielerin bei einer Szenenprobe des Stücks Unsere Gewalt und eure Gewalt für das Kunstfest in Weimar
Vor zwei Jahren feierte das Stück "Eure Gewalt, unsere Gewalt"beim Kunstfest in Weimar seine deutsche Erstaufführung. Bildrechte: dpa

Rechte haben im tschechischen Brno eine Inszenierung des kroatischen Regisseurs Oliver Frljic gestürmt. Nach einem Bericht der Zeitung "Pravo" besetzten sie zu Beginn des Stücks "Eure Gewalt, unsere Gewalt" am Samstagabend die Bühne. Die Protestierenden gehörten demnach der Bewegung "Anständige Leute" an, die vom tschechischen Innenministerium als extremistisch eingeschätzt wird. Erst nach dem Einschreiten der Polizei konnte die Aufführung fortgesetzt werden.

Abendland vergewaltigt Morgenland?

Frljic ließ sich von Peter Weiss' Roman "Die Ästhetik des Widerstands" zu seinem Stück anregen, das sich mit Faschismus und Islamophobie befasst. Die Bilder sind teils drastisch. So treten in dem Stück, das vor zwei Jahren seine deutsche Erstaufführung beim Kunstfest Weimar feierte, Stepptänzer in orangefarbenen Overalls auf, wie sie im US-Gefangenenlager Guantánamo üblich waren und wie sie der IS seinen Geiseln bei Hinrichtungen verpasste. Ein Tänzer wird erschossen, der Schütze bittet um eine Schweigeminute für die Terroropfer in Frankreich, Belgien und Deutschland. Dann regt er ein Gedenken auch für die "vier Millionen Tote" in Afghanistan, Irak, Syrien an, die seit Beginn der 90er-Jahre auf die Konten der USA und Europas gingen. In einer der Szenen vergewaltigt ein Jesus-Darsteller eine Frau, der er zuvor ein Kopftuch wegzieht. So vergeht sich das Abendland am Morgenland.

"Beleidigung für Christen und Muslime"

Gegen die Brünner Aufführung des Stücks hatten wegen der Vergewaltigungsszene auch christliche Aktivisten protestiert. Sie scheiterten indes mit einem Antrag auf eine einstweilige Verfügung. Die katholischen Bischöfe Tschechiens sprachen in einem Brief von einem "Ausverkauf christlicher Ideale" und einer Beleidigung sowohl für Christen als auch Muslime. Frljics Inszenierung, die er zusammen mit dem Slowenischen Jugendtheater aus Ljubljana erarbeitet hatte, war in Brno im Rahmen des Theaterfestivals "Divadelni svet" (Welt des Theaters) zu sehen. Frljics Inszenierung wurde auch schon nach den ersten Aufführungen in Weimar oder Wien kontrovers diskutiert. Ein Kritiker in Weimar schrieb, er vereinfache bewusst, nicht um Einverständnis zu bekommen, sondern um Widerspruch zu provozieren. Rezensenten, die das Stück bei den Wiener Festwochen gesehen hatten, sprachen vom "Tiefpunkt der Saison", es sei "platt provokativ", wie "Schulkabarett".

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kulturnachrichten | 28. Mai 2018 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Mai 2018, 12:13 Uhr

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