Das "Unwort des Jahres 2018" heißt "Anti-Abschiebe-Industrie" und steht auf einer Leinwand.
Das "Unwort des Jahres 2018" heißt "Anti-Abschiebe-Industrie". Bildrechte: dpa

Sprachkritik "Anti-Abschiebe-Industrie" ist das Unwort des Jahres 2018

Das "Unwort des Jahres 2018" heißt "Anti-Abschiebe-Industrie" und steht auf einer Leinwand.
Das "Unwort des Jahres 2018" heißt "Anti-Abschiebe-Industrie". Bildrechte: dpa

Der Begriff "Anti-Abschiebe-Industrie" ist zum Unwort des Jahres 2018 gewählt worden. Das hat die Sprecherin der Unwort-Jury, Nina Janich, am Dienstag in Darmstadt bekanntgegeben. Es handelt sich um einen Begriff, den der CSU-Politiker Alexander Dobrindt geprägt hat. Der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag hatte Klagen gegen die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber als Sabotage des Rechtsstaats bezeichnet und von einer "Anti-Abschiebe-Industrie" gesprochen.

Janich erklärte, der Ausdruck unterstelle denjenigen, die abgelehnte Asylbewerber rechtlich unterstützten, sie wollten auch kriminelle Flüchtlinge schützen und damit Geld verdienen. Eine solche Äußerung von einem wichtigen Politiker einer Regierungspartei zeige, "wie sich der politische Diskurs sprachlich und in der Sache nach rechts verschoben hat und sich damit auch die Sagbarkeitsregeln in unserer Demokratie auf bedenkliche Weise verändern."

Die Jury kritisierte außerdem die Begriffe "Menschenrechtsfundamentalismus" und "Ankerzentrum". Der Vorschlag "Anti-Abschiebe-Industrie" wurde zehn Mal als Unwort-Kandidat eingesandt. Insgesamt gingen bei der Jury knapp 900 Vorschläge ein, darunter etwa 500 unterschiedliche Ausdrücke. Mit Abstand am häufigsten genannt wurde der Begriff "Asyltourismus".

Über die Auszeichnung

Das Unwort des Jahres wird seit 1991 gekürt. Initiiert hat die Aktion der Frankfurter Germanistikprofessor Horst Dieter Schlosser, der von 1991 bis 2010 auch Juryvorsitzender war. Seit 2011 ist die Darmstädter Sprachwissenschaftlerin Nina Janich Jury-Sprecherin.

Die Auszeichnung dient der Sprachkritik und soll das Bewusstsein für die Verwendung von Begriffen schärfen. Nominiert werden können Bezeichnungen, die beispielsweise gegen das Prinzip der Menschenwürde oder die Prinzipien der Demokratie verstoßen, weil sie einzelne Gruppen diskriminieren oder euphemistisch, verschleiernd oder irreführend sind.

Die Auswahl erfolgt in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung. Jeder kann bis zum 31. Dezember des jeweiligen Jahres Unwort-Vorschläge machen. Eine unabhängige Jury wählt dann das "Gewinnerwort" aus diesen Einsendungen aus. In diesem Jahr bestand sie aus vier SprachwissenschaftlerInnen und einem Journalisten. Ergänzt wurde die Jury durch den Autor und Kabarettisten Jess Jochimsen. Die Aktion selbst ist institutionell unabhängig.

Die Unwörter der vergangenen Jahre
2017 Alternative Fakten  
2016 Volksverräter  
2015 Gutmensch  
2014 Lügenpresse  
2013 Sozialtourismus  
2012 Opfer-Abo  
2011 Döner-Morde  
2010 Alternativlos  

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 15. Januar 2019 | 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Januar 2019, 16:38 Uhr

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