Mann in Matrosenanzug hält zwei Deutschlandfähnchen
Szene aus "Das Blaue Wunder". Bildrechte: Sebastian Hoppe

Theaterpremiere AfD-Groteske "Das Blaue Wunder": Regisseur Lösch will Debatte anstoßen

Volker Lösch ist mit seinen Inszenierungen nah dran an Dresden: Immer wieder nimmt er unzufriedene Bürger unter das Theatermikroskop, etwa in "Die Weber" (2004), "Woyzeck" (2007) oder "Graf Öderland" (2015). Am Wochenende wird nun "Das Blaue Wunder" am Staatsschauspiel Dresden uraufgeführt: eine Groteske über und mit Texten der Neuen Rechten. Im Interview erklärt Lösch, wie es zum Stück kam.

Mann in Matrosenanzug hält zwei Deutschlandfähnchen
Szene aus "Das Blaue Wunder". Bildrechte: Sebastian Hoppe

MDR KULTUR: Herr Lösch, Was hat Sie dazu gebracht, sich in "Das Blaue Wunder" mit der AfD zu beschäftigen?

Volker Lösch: Man beschäftigt sich in Dresden ja immer mit diesen Themen. Für "Graf Öderland" haben wir viel mit Pegida-Leuten geredet, denn das ist ja immer die Forderung der Rechten, dass man mit ihnen reden soll. Meine Erfahrung war aber, dass dieses Reden nicht viel bringt. Es ändert sich nicht viel, im Gegenteil, bestimmte Bereiche radikalisieren sich zunehmend. Deswegen war unsere Konsequenz, dass wir aufhörten mit ihnen zu reden.

Stattdessen haben wir sie nun richtig ernst genommen und ihre Zitate, ihre programmatischen Schriften und Parteiprogramme angeschaut. Daraus haben Ulf Schmidt und Thomas Freyer dann das Stück entwickelt.

Und was ist dabei herausgekommen? AfD-Bashing?

Das weiß ich nicht, das müssten Sie beurteilen, wenn Sie es sehen. Bashing ist nicht unsere Intention gewesen. Wir haben hier eine Partei im Umfeld der Neuen Rechten, die demokratisch gewählt wurde und anfängt, unsere Kultur mitzubestimmen. Da ist es doch interessant für Bürgerinnen und Bürger zu hören, was wirklich in den Parteiprogrammen steht. Wir spielen im Stück durch, was denn wäre, wenn aus diesen Worten tatsächlich Taten würden.

Glauben Sie nicht, dass diese Groteske missverstanden werden könnte?

Inwiefern?

Insofern, als dass Dresden dann doch wieder als die "Hauptstadt der Bewegung" wahrgenommen wird.

Nein, auch wenn es ja Leute gibt, die behaupten, dass Dresden dies ist. Ich denke: Man kann diesen Stoff nur mit Mitteln der Groteske zeigen. Denn wenn ich das real zeige, wird es ja ganz finster. Wenn mir jemand sagt, dass man sich "von Kinderaugen nicht erpressen lassen" darf – das ist ein Zitat eines AfD-Funktionärs, laut dem man also sinngemäß Grausamkeiten aushalten muss – dann kann man das, was daraus folgt, nicht mehr spielen.

Und Sie haben vermutlich nichts dagegen, mit Ihrer Inszenierung eine Debatte anzustoßen …

Überhaupt nicht. Das passiert ja meistens. Ich finde, es ist Zeitverschwendung, künstlerisch zu arbeiten, wenn man keine Inhalte verhandelt, die relevant sind. Im Sinne der Zeit, in der wir leben, oder der Stadt, in der wir uns bewegen. Darum geht es ja.

Das Interview führte Thomas Bille für MDR KULTUR.

Angaben zum Stück "Das Blaue Wunder" von Thomas Freyer, Ulf Schmidt
Regie: Volker Lösch
Staatsschauspiel Dresden

Uraufführung: 26. Januar 2019
Weitere Termine: 2., 11., 15. Februar 2019

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. Januar 2019 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Januar 2019, 04:00 Uhr

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