Sankt Nikolaus mit Engeln eröffnet Erfurter Weihnachtsmarkt .
Sankt Nikolaus eröffnet begleitet von zwei Engeln den Erfurter Weihnachtsmarkt. Ein Missverständnis? Aus kirchlicher Sicht ist Nikolaus kein Knecht der Geschenke-Industrie, sondern soll selbstlos Menschen in Not geholfen haben. Bildrechte: dpa

6. Dezember Nikolaus oder: Was soll der Schuh vor der Tür?

Lollis, Gummibärchen, Taschenlampe - all das und manches mehr steckt am 6. Dezember in Kinder-Stiefeln, so sie geputzt vor die Tür gestellt wurden. Doch woher kommt dieser Brauch?

von Sven Hecker, MDR KULTUR

Sankt Nikolaus mit Engeln eröffnet Erfurter Weihnachtsmarkt .
Sankt Nikolaus eröffnet begleitet von zwei Engeln den Erfurter Weihnachtsmarkt. Ein Missverständnis? Aus kirchlicher Sicht ist Nikolaus kein Knecht der Geschenke-Industrie, sondern soll selbstlos Menschen in Not geholfen haben. Bildrechte: dpa

An den Nikolaus glaubten die Leute schon, da war an den Weihnachtsmann noch gar nicht zu denken. Kein schnöder Stiefelfüller, sondern ein echter Nothelfer soll er gewesen sein. Bereits im frühen Mittelalter kursierten allerlei sagenhafte Geschichten. So schritt er ein, als ein offenbar verzweifelter Vater seine drei Mädchen zur Prostitution zwingen wollte, und beschenkte sie mit einer Mitgift aus purem Gold.

Als das Sanct Nicolaus hörte, entsetzte er sich über die Sünde; und ging hin und band einen Klumpen Goldes in ein Tuch und warf ihn des Nachts heimlich dem Armen durch ein Fenster in sein Haus und ging heimlich wieder fort.

Aus der "Legenda aurea": Sanct Nicolaus

Auch Wunder werden Nikolaus zugeschrieben. Drei getötete Knaben soll er wieder zum Leben erweckt haben. Kaiser Konstantin baute ihm zu Ehren eine Basilika in Konstantinopel.

Streng-wissenschaftlicher Prüfung halten Legenden selten stand. Im Falle des Nikolaus verweist der Historiker Manfred Becker-Huberti auf den doppelten Grund für die schillernden Überlieferungen: Aus dem Bischof von Myra, der wahrscheinlich im 4. Jahrhundert gelebt hat, und dem gleichnamigen Abt von Sion, der Bischof von Pinora war, und am 10. Dezember 564 in Lykien starb, "entwickelte sich die ab dem 6. Jahrhundert in Legenden die fassbare fiktive Figur."

Stichwort: Nikolaus-Verehrung Nikolaus ist einer der am meisten verehrten Heiligen der Christenheit. In der katholischen Kirche wird er häufig als Nothelfer angerufen; die orthodoxen Christen bezeichnen ihn als Wundertäter. Seine Reliquien werden in der süditalienischen Hafenstadt Bari verehrt. Dorthin sollen seine Gebeine an einem 9. Mai von seiner Wirkunsgsstätte Myra in der heutigen Türkei überführt worden sein.

Schon die in Myra früh einsetzende Nikolaus-Verehrung galt seiner Güte. Im Mittelalter wählten Klosterschüler am Vorabend des Festes einen "Kinderbischof". Abt oder Bürgermeister gaben die Herrschaft für einen Tag symbolisch in die Hände der Kinder. Der Kinderbischof, bekleidet mit einer Mitra und den Gewändern eines Bischofs, "visitierte" die Klosterschule. Er bestrafte Schüler oder belohnte sie mit Süßigkeiten.

Vom Schiffchen zum Stiefel

Inspiriert von der spektakulären Aktion zur Rettung der drei Jungfrauen sei unser Brauch, Geschenke in Stiefeln zu verstecken. Früher nutzte man allerdings anderes dazu.

Er legt als Heiliger seine Geschenke in ein 'Nikolaus-Schiff'. Das ist ein von Kindern gebastelter Gabenteller, der erst später durch Stiefel, Schuh, Strumpf oder Teller ersetzt wurde.

Manfred Becker-Huberti, Brauchtums-Historiker

Dieses sogenannte "Schiffchensetzen" war Becker-Huberti zufolge schon seit dem 15. Jahrhundert bekannt. Die Historikerin Renate Reuther erzählt dazu, dass die Kinder "in vielen Gegenden Holzschuhe rausstellten, die wie Schiffchen aussahen". Üblich war es Reuther zufolge dort, wo es zu Neujahr Schiffsumzüge gegeben hat, "zur Erinnerung an die freudig empfangenen Schiffe".

Zum Schutzherrn der Seeleute soll der Bischof geworden sein, indem er einer weiteren Legende nach ein Schiff vor dem Untergang rettete. Deshalb gibt es in See- und Binnenhafenstädten oft Nikolauskirchen - und den Brauch mit den Schiffchen vor der Tür. Dass es ursprünglich um Schiffchen und nicht um Schuhe ging, kann man Reuther zufolge auch daraus ersehen, dass später, "als Holzschuhe seltener wurden, Papier billiger und immer verfügbar war, die Kinder kleine Schiffchen gefaltet haben, und die dann vor die Tür stellten".

Wie wäre es also, statt der Stiefel oder Schuhe mal ein Papierschiffchen vor die Tür zu stellen?

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR Kalenderblatt | 06. Dezember 2018 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2018, 14:44 Uhr

Fakt und Fiktion - Mehr über den Nikolaus

Meistgelesen bei MDR KULTUR