Endlich eröffnet Was das neue Winckelmann-Museum in Stendal zu bieten hat

Die Ausstellung beginnt mit dem Tod: Mit der Ermordung des genussfreudigen Gelehrten Johann Joachim Winckelmann in Triest beginnt der Rundgang durch das runderneuerte Museum in Stendal, das kaum wiederzuerkennen ist. Eigentlich war die Eröffnung zum 300. Geburtstag des berühmten Sohnes der Stadt schon 2017 geplant. Jetzt endlich, ein Jahr später und eine Million teurer, ist es vollbracht. Landeskorrespondentin Sandra Meyer war für MDR KULTUR vor Ort.

Statuen 1 min
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artour Do 06.12.2018 22:05Uhr 01:01 min

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Endlich – so raunen alle Beteiligten wird das sanierte und erweiterte Winckelmann-Museum in Stendal am Freitag eröffnet. Und trotz Bauverzögerungen und Mehrkosten in Millionen-Höhe zeigen sich Oberbürgermeister Klaus Schmotz und der Präsident der Winckelmann-Gesellschaft, Max Kunze, begeistert.

Das Winckelmann-Museum in Stendal vor der Neueröffnung
Das Winckelmann-Museum in Stendal Bildrechte: Winckelmann-Museum Stendal

Winckelmann sei die große Persönlichkeit der Hansestadt Stendal, sagt der OB und führt weiter aus: "Mit dem Winckelmann-Museum haben wir etwas, das sowohl weltweites Interesse für das Werk Winckelmann als auch für die Stadt wecken wird." Und nicht zu vergessen für Sachsen-Anhalt, hofft Kulturminister Rainer Robra. Schließlich habe das Land das Gros der Kosten übernommen und die Winckelmann-Jubiläen, seinen 300. Geburtstag am 9. Dezember 2017 und seinen 250. Todestag am 8. Juni 2018, kräftig beworben. Ärgerlich nur, dass die Winckelmann-Freunde in Stendal im Jubiläumsjahr vor verschlossenen Türen standen. Aber nun ist es vollbracht:

Das Museum in Stendal wird ein großartiger Ort zur Pflege des Winckelmann-Erbes sein und verglichen mit der vorherigen Ausstattung hat es sich unbedingt gelohnt.

Rainer Robra, Sachsen-Anhalts Kulturminister

Kaum wiederzuerkennen und barrierefrei

Tatsächlich dürften Besucher von einst das umgebaute und auch erweiterte Haus kaum wiedererkennen: Zuerst besticht das lichtdurchflutete Entree – mit Kassentresen, Museumsshop oder kindergerechter Garderobe. Die Herausforderung beim Umbau, erklärt Max Kunze von der Wickelmann-Gesellschaft als Betreiber des Museums, bestand vor allem darin, das 1955 im ehemaligen Winckelmann-Wohnhaus begründete Museum mit den vier, im Laufe der Jahre hinzugekommenen Häusern zu verbinden.

Und das barrierefrei. So gibt es nun einen Fahrstuhl, der alle Etagen erschließt. Entwickelt worden seien Führungen für Blinde mit Tastobjekten und Audioguide, Hörgeschädigte könnten sich mit Tablet durch die Ausstellung bewegen, erklärt Max Kunze. Das schon immer gut besuchte Kindermuseum, in dem sich spielerisch das Leben in der Antike erforschen lässt, hat einen neuen Anstrich bekommen. Und: Es befindet sich nun nicht mehr unter dem Dach, sondern gut erreichbar im Erdgeschoss.

Winckelmanns Leistung Er prägte die Formel von der "edlen Einfalt und stillen Größe" antiker Kunst. Er war er ein Wegbereiter der klassizistischen Ästhetik in Europa. Eine Ästhetik, die Schönheit, Zeitlosigkeit, harmonische Proportionen und Mäßigung des Ausdrucks ins Zentrum rückte. Als einflussreicher Forscher, Schriftsteller und Kritiker prägt er bis heute unseren Blick auf die Antike wesentlich. Nicht zuletzt gilt er als großer Sprachvirtuose, der selbst Goethe tief beeindruckte.

Max Kunze, Präsident der Winckelmann-Gesellschaft
Max Kunze, Präsident der Winckelmann-Gesellschaft Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vor allem wurde die Ausstellung zu Leben und Werk des Altertumsforschers aufgepeppt. Denn obwohl Winckelmann einer der bekanntesten Zeitgenossen des 18. Jahrhunderts war – von Goethe verehrt, von europäischen Fürsten als geistiger Begründer des Klassizismus bejubelt – wirkt sein Werk heute fast ein bisschen spröde. Die Schau soll Kunze zufolge alle erreichen.

Winckelmanns Welt als sinnliches Erlebnis - Repliken und Originale

Blick in die Winckelmann-Ausstellung.
"Pyramide der Schönheit" Bildrechte: Winckelmann-Museum Stendal

Auf Spezialisten wartet viel Lesestoff. Die große – und wie Kunze herausstellt – "einzigartige Winckelmann-Forschungsbibliothek" wurde mit einem großen Lesesaal ausgestattet: "Ganz im Sinne eines großen Gelehrtenmuseums." In der Schau führten aber leichter zugängliche, zusammenfassende Texte die "Winckelmann-Anfänger" ein in Leben und Werk. Besucher sollen sich in die Welt Winckelmanns und in seine Visionen von der Antike hineinversenken können. Für den sinnlichen Eindruck seien eigens Repliken berühmter Statuen wie die drei Herculanerinnen aus Dresden oder Statuen des berühmten Belvedere-Hofes im Vatikan angeschafft worden, erzählt Kunze stolz:

Die Dinge, die Winckelmann in seinen Büchern über die Kunst der Antike niedergeschrieben hat, die sind hier nun sinnlich erfahrbar. Nehmen Sie die drei Herculanerinnen - die waren sozusagen die Initialzündung für Winckelmann, über die Schönheit antiker Kunst nachzudenken und Künstlern zu empfehlen, doch etwas einfacher zu arbeiten als im Barock.

Max Kunze, Archäologe und Präsident der Winckelmann-Gesellschaft e.V.

Spektakulärer Auftakt mit der Ermordung in Triest

Zimmer in rot mit Blutfleck auf weißem Tisch
Ein Blutfleck auf weißen Laken steht für das traurige Ende des Gelehrten. Bildrechte: MDR/Alexander Klos

Dabei beginnt die Schau nicht gleich mit wissenschaftlichen Exkursen, sondern spektakulär mit Winckelmanns Ermordung in Triest – was eine angedeutete Blutlache auf weißem Bett verdeutlichen soll. Neben der etwas direkten Inszenierung sind auch die originalen Medaillen, für die er ermordet wurde, ausgestellt.

Darauf widmet sich die Ausstellung der Rezeption des berühmten Gelehrten, um sein Leben dann - sozusagen in umgekehrter Chronologie - aufzurollen. Beginnend mit der Geburt des Schusterssohnes in Stendal, dem es trotz seiner Herkunft aus ärmlichen Verhältnissen gelang, sich Bildung zu erkämpfen und gesellschaftlich aufzusteigen: "Schon im Alter von fünf, sechs Jahren hat er sich schon gegen den Willen seiner Eltern entschieden: 'Ich willl zum Gymnasium.'" Um das Schulgeld zu erarbeiten, musste er in der Kurrende singen. Ein äußerst harter Job. Schließlich schaffte er es auf die Universität – und dann bis nach Rom. "Das war sein Ziel, um die Antike zu erforschen. Doch er war in allen Gebieten zuhause. Er studierte Medizin und Physik, alte und moderne Sprachen als Autodidakt!", staunt Kunze.

Die Ausstellung zeigt eine faszinierende Biografie, die durchaus motivieren könnte: Kinder wie Erwachsene! Wobei man auch spürt, dass Bildung anstrengend ist. Man muss sich Zeit nehmen, um die Texte zu lesen, aber auch um die haptischen Angebote zu nutzen: Denn die Schönheit einer Skulptur erschließt sich nicht nur über die Augen auch durch die Finger. Anfassen ist hier erlaubt.

Winckelmann und das schwierige Doppeljubiläum Der Stendaler Schusterssohn Johann Joachim Winckelmann, geboren am 7.12.1717, bringt es trotz seiner Herkunft aus ärmlichen Verhältnissen bis zum obersten Antikenaufseher im Vatikan und weltberühmten Gelehrten. Er liebt griechische Statuen und echte Männer, als Homosexualität in Europa noch ein schweres Verbrechen ist. Er begründet die moderne Kunstgeschichte und wenn man so will den Körperkult. Als Gelehrter begründete er die klassische Archäologie.

Winckelmann war der erste, der die Antike aus einer rein ästhetischen statt antiquarischen Perspektive betrachtete. Außerdem prägte Winckelmann die bis heute allgegenwärtige Definition von kunstgeschichtlichen Epochen, der Klassik zum Beispiel. Goethe, Schiller, Wieland, Hölderlin - allesamt waren sie Bewunderer seiner Schriften. Er gilt so als bedeutender Vertreter der Aufklärung. Am 8. Juni 1768 kam Winckelmann unter mysteriösen Umständen in Triest ums Leben.

Die Wiedereröffnung des sanierten und erweiterten Museums sollte der Höhepunkt im Jubiläums-Jahr 2017 sein. Nun neigt sich auch das Jahr seines 250. Todestages dem Ende zu. Rund eineinhalb Jahre war das Haus, in dem Winckelmann geboren worden sein soll, eine Baustelle. Sanierung, Umbau und Erweiterung kosteten 3,3 Millionen Euro, eine Million mehr als geplant.

MDR KULTUR-Serie in fünf Teilen

Johann Joachim Winckelmann 3 min
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"Winckelmann - Weltgelehrter aus Mitteldeutschland‎" Vom Schustersohn zum Gelehrten

Winckelmann: Vom Schustersohn zum Gelehrten

In Teil 1 unserer Serie über den Stendaler Archäologen und Biblothekar Johann Joachim Winckelmann schildert Lorenz Hoffmann, wie der Stendaler Schustersohn griechisch lernt und erste Ausgrabungen unternimmt.

MDR KULTUR - Das Radio Mo 04.12.2017 07:10Uhr 03:29 min

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Johann Joachim Winckelmann aus Stendal 4 min
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In Teil 2 unser Serie zum 300. Geburtstag des großen Gelehrten geht es um Winckelmanns ersten Bucherfolg über die Kunst der Antike. Lorenz Hoffmann und Corina Waldbauer erzählen.

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eine mittelalterliche Gasse 4 min
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"Winckelmann - Weltgelehrter aus Mitteldeutschland‎" Wie Winckelmann in Rom zu Weltruhm gelangt

Wie Winckelmann in Rom zu Weltruhm gelangt

Von Winckelmanns freiem Leben in der Ewigen Stadt erzählen Hartmut Schade und Corinna Waldbauer in Teil 3 unserer Serie über den Stendaler Archäologen und Biblothekar Johann Joachim Winckelmann.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 06.12.2017 06:15Uhr 03:34 min

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Porträt vonJohann Joachim Winckelmann, 1777 4 min
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"Winckelmann - Weltgelehrter aus Mitteldeutschland‎" Winckelmann und Fürst Franz

Winckelmann und Fürst Franz

Weihnachten 1765 bekommt Winckelmann in seiner Wohnung in Rom Besuch aus Dessau. Eine Begegnung mit kunsthistorischen Folgen, wie Hartmut Schade und Corinna Waldbauer berichten.

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"Winckelmann - Weltgelehrter aus Mitteldeutschland‎" Winckelmanns Tod

Winckelmanns Tod (5)

Nicht nur Goethe ist aufgeregt und will unbedingt nach Dessau, um den berühmten Winckelmann zu treffen. Doch der kommt nicht. Er wird am 10. Juni 1768 in Triest ermordet.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 08.12.2017 08:40Uhr 03:44 min

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | artour | 06. Dezember 2018 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Dezember 2018, 04:00 Uhr

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