Außenansicht der Oper Halle
Die Oper Halle Bildrechte: imago/imagebroker

Programmvorstellung Bühnen Halle mit Ausblick auf die neue Spielzeit – und überraschendem Rücktritt

Mit einer gewissen Spannung werden inzwischen alle Vorgänge an den Bühnen Halle beobachtet. Nicht nur, weil die Oper unter der künstlerischen Leitung von Florian Lutz, Veit Güssow und Michael v. zur Mühlen am 27. Mai den Theaterpreis des Bundes bekommt. Große Aufführungen und innovative Projekte wurden am Mittwoch bei der Pressekonferenz für die neue Spielzeit vorgestellt. Dann kündigte unerwartet der stellvertretende Opern-Intendant Veit Güssow seinen Rücktritt an.

Außenansicht der Oper Halle
Die Oper Halle Bildrechte: imago/imagebroker

Große Aufführungen und innovative Projekte – darum ging es am Mittwoch auf der Pressekonferenz der Bühnen Halle für die kommende Spielzeit 2019/20. Über zahlreiche Neuproduktionen informierten die Intendanten von Oper, Theater, und Puppenspiel, darunter neun Premieren im Musiktheater, elf am neuen Theater, vier am Puppenspiel, ein Musical und zwei Ballettabende.

Oper: Klassiker und Koproduktion mit München

Die Oper selbst setzt auf Klassiker wie Verdis "Maskenball" oder Mozarts "Don Giovanni" und auch auf Uraufführungen. Geplant ist zudem eine Koproduktion mit der Münchener Biennale, dem Uraufführungs-Festival für zeitgenössisches Musiktheater. "Opera, Opera, Opera –Revenannts and Revolutions", vierter Teil der Klimatrilogie, nennt Komponist Ole Hübner das Auftragswerk.

Sämtliche Sparten haben künstlerisch bemerkenswerte Planungen präsentiert. Das spricht für die künstlerische Potenz und Kreativität der Theatermacher.

Bettina Volksdorf, MDR KULTUR-Opernexpertin
Ariane Matiakh
GMD Ariane Matiakh Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Die neue Generalmusikdirektorin Ariane Matiakh präsentiert ein slawisch und skandinavisch geprägtes Konzertprogramm. Auch französische Barockmusik wird es geben. Und der Jubilar Max Bruch wird zu seinem 100. Todestag gebührend geehrt. Mathiak wird in der Oper (ungewöhnlich für einen Amtsantritt) keine Oper, aber ein Ballett, nämlich "Alice im Wunderland" mit dem Ballett Rossa dirigieren. Sie begründete ihre Opernabstinenz mit Zeitproblemen, betonte aber auch "Ich liebe die Oper".

Das Schauspiel bietet ein ausgewogenes, breites, zeitkritisches Programm. Das Neue Theater geht mit einem Eröffnungsspektakel unter dem Titel "East meets East" in die Saison 2019/2020. Nach einem szenischen Auftakt im Hof des Theaters und Miniatur-Theaterstücken werden zur Spielzeiteröffnung am 20. September "Nathan der Weise" von Gotthold Ephraim Lessing und "Der Tempelherr" von Ferdinand Schmalz aufgeführt, wie Schauspiel-Intendant Matthias Brenner mitteilte. Geplant sind elf Premieren. Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit bei der "Dreigroschenoper" werde nun die Kooperation zwischen Neuem Theater und Oper mit der Musical-Produktion "Cabaret" fortgesetzt.

Wieder Puppenspieler: Rainald Grebe kommt mit der "Weltmaschine"

Das Puppentheater eröffnet mit einem Stück, das Rainald Grebe entwickelt, "Die Weltmaschine" lautet der Titel. Grebe, selbst Puppenspieler, kehrt mit der Uraufführung zu seinen Wurzeln zurück, zeigte er doch einst seine Diplomarbeit als Puppenspieler in Halle. Diesmal greift er für seine Urauführung auf ein voll funktionsfähiges Theatrum mundi mit 1.200 mechanischen Figuren zurück, das sich angeblich in einem Schiffscontainer fand. Dargestellt würden Szenen der Weltgeschichte. Eine weitere Uraufführung feiert das Puppentheater mit "Endless Pleasures", eine Koproduktion mit der whiteBOX München. Regie führt Direktor Christoph Werner.

Stellvertretender Opern-Intendant tritt zurück

Veit Güssow
Veit Güssow tritt Ende der Spielzeit zurück Bildrechte: Anna Kolata

Nach einer knappen Stunde geriet das Programm des Hauses in den Hintergrund. Denn unerwartet erklärte Veit Güssow, stellvertretender Intendant der Oper, während der Pressekonferenz seinen Rücktritt zum Ende der Spielzeit. In einer Stellungnahme begründete er seinen Rückzug mit der weiter "voranschreitenden Vergiftung des Betriebsklimas". Sie erfasse immer weitere Arbeitsbereiche, spalte und demotiviere zunehmend die Belegschaft.

Inzwischen sei auch die vierwöchige Frist ergebnislos verstrichen, die der Aufsichtsrat der Theater, Oper und Orchester GmbH am 12. April gesetzt hatte, um die Zustände zu normalisieren. Er habe nunmehr den Eindruck "als verhinderten Teile des Aufsichtsrates aus politischem Kalkül und auf Kosten der Belegschaft bewusst eine Aufklärung der Vorgänge aus der jüngeren Vergangenheit." Zudem würden im Theater "alltägliche Herausforderungen zu Zeit und Arbeitskraft raubenden Scheinproblemen aufgebauscht". Güssow macht hierfür in seiner Erklärung vor allem den Geschäftsführer Stefan Rosinski verantwortlich.

Die Zerrüttung von Geschäftsführung und Intendanten führt dazu, dass tatsächliche Probleme nicht gemeinsam angegangen werden.

Veit Güssow, stellvertretender Intendant der Oper Halle

Mehr zum Thema

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. Mai 2019 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Mai 2019, 20:22 Uhr

Meistgelesen bei MDR KULTUR