Wiglaf Droste, 2006
Wiglaf Droste (1961-2019) Bildrechte: dpa

Trauer Satiriker Wiglaf Droste gestorben

Wiglaf Droste, 2006
Wiglaf Droste (1961-2019) Bildrechte: dpa

Der Journalist, Autor und Sänger Wiglaf Droste ist tot. Wie die Chefredaktion der "Jungen Welt" bestätigte, starb er nach kurzer, schwerer Krankheit "im engsten Familienkreis" im fränkischen Pottenstein. Droste hatte seit 1994 regelmäßig für das Blatt geschrieben, seit Januar 2011 in einer täglichen Kolumne. Zuletzt berichtete er darin laut "Junger Welt" vom Eheglück in Franken. Droste wurde 57 Jahre alt.

"Das Trommelfell ist das Tor zur Seele"

Wiglaf Droste, 1961 in Herford geboren, arbeitete nach einem schnell abgebrochenen Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaften bis Mitte 1988 als Redakteur der Medienseite der Berliner "tageszeitung". Nach einem Eklat beschäftigte ihn das Blatt dann bis 2006 als freien Mitarbeiter der Satire-Seite "Die Wahrheit". 2006 zog Droste in seine Wahlheimat Leipzig, wo er bis vor anderthalb Jahren lebte.

Sein Verständnis von Satire und Polemik teilte freilich nicht jeder: Als er sich in dem Fortsetzungs-Krimi "Der Barbier von Bebra" (1996) über ehemalige DDR-Bürgerrechtler ausließ, die einem Serienmörder zum Opfer fallen, wurde ihm vorgeworfen, er gebe "literarischen Anleitungen zum Mord an Andersdenkenden". Von 1989 bis 1991 war er Redakteur des Satiremagazins "Titanic", er gründete 1989 die "Höhnende Wochenschau" sowie 1991, zusammen mit Michael Stein, das "Benno-Ohnesorg-Theater". 1989 erschien sein erstes Buch "Kommunikaze".

"Das Trommelfell ist das Tor zur Seele" - so befand Wiglaf Droste als Sprach-Doktor in seiner ersten Sprachglosse bei MDR FIGARO 1997. Da es nie an Entgleisungen mangelte, konnte der Sprachkritiker, Kabarettist und Schauspieler für mehr als ein Dutzend Staffeln aus dem Vollen schöpfen. Für MDR KULTUR schrieb er von 2005 bis 2013 Kolumnen.

"Er hat sich eingemischt"

Andreas Schäfler vom Kunstmann Verlag betonte im Interview mit MDR KULTUR, dass Wiglaf Droste in der Kulturlandschaft fehlen wird.

Es wird jemand fehlen, dem man sowohl seinen Zorn als auch seine Begeisterung immer abnehmen konnte. Das war keine einstudierte Rolle.

Verleger Andreas Schäfler über Wiglaf Droste
Wiglaf Droste, 2011 7 min
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"Er hat sich eingemischt", erinnert sich Schäfler. "Wenn ihm etwas nicht gepasst hat, hat er sein Kolumnenthema auch sofort umgeschmissen und zum Beispiel gegen kriegsbegeisterte SPD-Politiker eine Breitseite abgefeuert."

Es sei aber nicht nur sein Furor gewesen, der den Autor ausgemacht habe, betonte Schäffler. Droste habe sich in vielen seiner Gedichte mit dem Schönen der Welt beschäftigt.

Zur Erinnerung

Wiglaf Droste 4 min
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"Das Trommelfell ist das Tor zur Seele" - so befand Wiglaf Droste als Sprach-Doktor in seiner ersten Sprachglosse bei MDR FIGARO 1997. Da es nie an Entgleisungen mangelte, konnte er über Jahre aus dem Vollen schöpfen.

MDR KULTUR - Das Radio Do 16.05.2019 13:10Uhr 04:19 min

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Wiglaf Droste 3 min
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"Das Trommelfell ist das Tor zur Seele" - so befand Wiglaf Droste als Sprach-Doktor in seiner ersten Sprachglosse bei MDR FIGARO 1997. Da es nie an Entgleisungen mangelte, konnte er über Jahre aus dem Vollen schöpfen.

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"Das Trommelfell ist das Tor zur Seele" - so befand Wiglaf Droste als Sprach-Doktor in seiner ersten Sprachglosse bei MDR FIGARO 1997. Da es nie an Entgleisungen mangelte, konnte er über Jahre aus dem Vollen schöpfen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 16. Mai 2019 | 13:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2019, 11:53 Uhr

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