Lupe und Rotstift über der Zeitungsrubrik Wohnraumvermietungen
Die Suche nach günstigen Wohnungen ist schwierig. Bildrechte: IMAGO

Wohnungsmarkt Was tun gegen explodierende Mieten?

Leipzig, Dresden, Magdeburg, Halle, Jena oder Erfurt - auch in vielen Städten im Osten fehlen günstige Wohnungen. Wie lässt sich das Problem beheben? Ein Interview mit dem Stadtsoziologen Dieter Rink vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.

Lupe und Rotstift über der Zeitungsrubrik Wohnraumvermietungen
Die Suche nach günstigen Wohnungen ist schwierig. Bildrechte: IMAGO

MDR KULTUR: Herr Rink, in westdeutschen Metropolen geben manche Mieter inzwischen die Hälfte ihres verfügbaren Geldes für die Miete aus. Das hat eine Studie vor etwa einem halben Jahr ergeben. Wie ist die Situation in ostdeutschen Großstädten?

In Ostdeutschland in den Großstädten ist die Situation insgesamt besser, vor allem natürlich auch auf dem Land in den Klein- und Mittelstädten. Die Mietbelastung ist hier viel geringer, allerdings sind in den Großstädten Geringverdiener und Haushalte unter der Armutsgrenze auch überdurchschnittlich belastet, zum Teil mit über 40 Prozent.

Es gibt eine neue Studie der Böckler-Stiftung, die zu dem Ergebnis kommt, dass vor allem kleine, bezahlbare Wohnungen fehlen – insgesamt 1,9 Millionen für ganz Deutschland. Auch in ostdeutschen Großstädten, zum Beispiel in Leipzig und Dresden, aber auch in Magdeburg, in Halle, in Jena und in Erfurt. Was sie beobachten, ist eine Konzentration von einkommensarmen Haushalten und Gruppen am Stadtrand, in den Großwohnsiedlungen und Plattenbauten. Das will man eigentlich politisch nicht. [...]

Studierende und Rentner, Hartz-IV-Empfänger, Geflüchtete, Geringverdiener – alle suchen günstige Wohnungen. Wie kommt es, dass es für sie alle zu wenige Möglichkeiten zu geben scheint?

Durch den Zuzug in die Großstädte ist erstmal die Nachfrage gestiegen, mit der Nachfrage sind die Preise gestiegen. Wir sehen, dass sich in den Städten das gesamte Preisgefüge weiter nach oben verschoben hat. Vormals billige, teilsanierte Wohnungen werden teuer saniert, Neubau findet praktisch ausschließlich im höherpreisigen oder im gehobenen beziehungsweise im Luxussegment statt. Es kommen keine neuen preiswerten Wohnungen auf den Markt – das ist das zentrale Problem. Daran ändert leider auch die soziale Wohnraumförderung nichts.

Das ist ein Instrument, das die Kommunen zur Verfügung haben, da gibt es aber auch noch mehr – Genossenschaftsmodelle, Selbstnutzerprojekte – was würden Sie denn Kommunen raten, welche dieser Instrumente sie stärker nutzen sollten, um dieses Problem zu lösen?

Generell muss man erstmal sagen, dass Kommunen relativ wenige Möglichkeiten haben, selber dort etwas zu machen. Diese Probleme, die wir auf den Wohnungsmärkten beobachten, lassen sich nicht schnell lösen.

Es gibt kein Instrument, was die Lösung bringt. Es gibt neben der sozialen Wohnraumförderung verschiedene Instrumente: Man kann die Kappungsgrenze beispielsweise absenken, etwas, was beim Land beantragt werden muss. Bei der sozialen Wohnraumförderung kommen die Gelder vom Bund oder den Ländern. Die Mietpreisbremse muss auch beim Land beantragt werden, auch ein Mittel, um das schnelle Steigen von Mieten zu verhindern.

Städte können Erhaltungs- oder Milieuschutzsatzungen einführen. [...] Ganz zentral sind Genossenschaften oder kommunale Wohnungsbaugesellschaften, die über eigene Bestände verfügen, die meistens in den preiswerteren Segmenten angeboten werden.

Die Kommunen sind aber nur begrenzt handlungsfähig?

Genau, wir könnten noch weitere Probleme bringen, zum Beispiel das verfügbare Bauland, da sehen wir eine Reihe von Städten, die gar keinen Platz mehr haben, dass groß in der Innenstadt oder im Stadtgebiet gebaut werden kann. Da ist dann die Frage: Geht man auf die grüne Wiese oder fängt man an, Hochhäuser zu bauen?

Ist es der Bund, sind es die Länder, die da politisch andere Rahmenbedingungen schaffen müssten?

Es müssen alle drei handeln. Der Bund muss handeln beispielsweise mit einer Veränderung der Mietpreisbremse – was schon angekündigt ist – oder einer Veränderung der Modernisierungsumlage oder auch die Mittel für den sozialen Wohnungsbau sind aufgestockt worden, der Bund will hier ein Bündnis für bezahlbares Wohnen einführen.

Die Länder müssen natürlich auch proaktiv sein und zum Beispiel die Anträge von den Kommunen auch bearbeiten, auch eigene Mittel bei sozialer Wohnraumförderung bereitstellen. Die Kommunen sind nicht zuletzt gefordert, die ganzen Planungsverfahren zu beschleunigen und selber aktiver Wohnungspolitik zu betreiben.

Das Interview führte Ellen Schweda.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Spezial | 20. April 2018 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. April 2018, 13:30 Uhr