Guillermo MORDILLO
Im Alter von 86 Jahren gestorben Bildrechte: imago images / SKATA

"Vater der Knollennasen" Cartoonist Mordillo gestorben

Guillermo MORDILLO
Im Alter von 86 Jahren gestorben Bildrechte: imago images / SKATA

Der argentinische Cartoonist und Zeichner Guillermo Mordillo ist tot. Das bestätigte die Agentur des Zeichners am Montag in Amsterdam. Mordillo starb im Alter von 86 Jahren und war für seine Figuren, Menschen und Tiere mit Knollennasen berühmt. Nach Angaben seines deutschen Verlages Rubinstein starb er bereits am 29. Juni in seinem Wohnort Palma de Mallorca. Trotz seines Alters sei er sehr vital gewesen, der joggte und Golf spielte. "Er war ein sehr besonderer Mann, sehr witzig. Wir werden ihn sehr vermissen."

Weltweiter Erfolg mit "Das Piratenschiff" und "Popeye"

Als Sohn spanischer Einwanderer am 4. August 1932 in Buenos Aires geboren, begann Mordillo schon in seiner frühesten Kindheit zu zeichnen. Nach seiner Ausbildung zum Illustrator und seinem Abschluss an der Journalistenschule gestaltete er Kinderbücher, dann war er engagiert im Studio des argentinischen Trickfilmpioniers José Burone Bruché. 1960 zog er nach New York und arbeitete für Paramount Pictures an populären Cartoon-Serien wie "Popeye" mit. 1963 ging er nach Europa und zeichnete für Magazine wie "Paris Match". Zwei Jahre später begann auch der "Stern", seine Comics zu drucken. Ein weltweiter Erfolg wurde seine Cartoon-Serie "Das Piratenschiff". In den 70er-Jahren galt Mordillo als einer der meistveröffentlichten Zeichner weltweit.

"Humor ist Zärtlichkeit"

Seine Figuren sind Typen, oft nackt und stumm. Sie wurden von ihm nie mit Sprechblasen versehen, was sie zugleich weltweit verständlich machte. Mordillo begründete den Verzicht auf Texte ganz praktisch. Er sei zum Arbeiten in Länder gekommen, deren Sprache er anfangs noch nicht beherrscht habe. Zu den großen zeichnerischen Vorbildern Mordillos zählte der deutsche Zeichner, Autor, Schauspieler und Regisseur Vicco von Bülow alias Loriot ( 1923-2011 ), der zu Beginn seiner Karriere auch durch knollnasige Cartoon-Helden und die dazugehörigen Geschichten berühmt wurde. Immer wieder ließ sich Mordillo von Städten inspirieren. Seine rundlichen Figuren tummeln sich in Zeichnungen mit dem Schiefen Turm von Pisa, mit dem Big Ben in London oder dem Roten Platz in Moskau. Meist finden sie einfache Lösungen für vermeintlich schwere Probleme. Auch im Kino war Mordillo immer wieder präsent, 2015 lief die 3D-Animation "Crazy Island" auch in den deutschen Kinos.

Einen Zeichentrickfilm von Guillermo Mordillo schaut sich eine Fachbesucherin an.
Szene aus einem Zeichentrickfilm von Guillermo Mordillo Bildrechte: dpa

Für mich ist Humor Zärtlichkeit, die auch dabei hilft, Angst zu überwinden.

Mordillo

Zuletzt publizierte Mordillo kaum noch. Über Kalender, Puzzles, Bücher für Groß und Klein, T-Shirts, Plüschtiere und Uhren fanden seine drolligen Figuren aber weiter viel Verbreitung. Kritiker störten sich am Kommerz, den Mordillo, der auch regelmäßig für die Werbung gearbeitet hatte, trieb. Dabei sagte der Zeichner selbst, er habe sich am Anfang seiner Karriere wie ein Journalist gefühlt, und durchaus politisch sein wollen, aber nicht vordergründig. Nach dem Anschlag auf die Redaktion der französischen Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" 2015 in Paris sagte Mordillo, er habe an dem Tag einen "traurigen Clown mit einem Bleistift in der Hand" gezeichnet. In dem Anschlag sah er eine Zeitenwende. Der Humor habe sich für ihn immer aus Zärtlichkeit und Angst gespeist, eben um sie zu überwinden. Davon sei nun nur noch die Angst geblieben.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur kompakt | 01. Juli 2019 | 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Juli 2019, 09:49 Uhr

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