Ein Mann dreht eine Zigarre
Der sogenannte Torcedor bei der traditionsreichen Arbeit des Zigarrenrollens. Bildrechte: Paul Kuchel/Pykado

Ein Besuch in der Manufaktur in Dresden Zigarrengenuss wie auf Kuba

"Montecristo", "Cohiba" und "Trinidad" – diese Namen kubanischer Zigarren lassen die Herzen von Kennern höher schlagen. Der Tabak aus dem Karibikstaat gilt als der weltbeste, und die handgerollten Zigarren von der Insel sind sehr gefragt. Wer in den Genuss einer echten Havanna kommen möchte, muss aber nicht nach Kuba reisen. Denn das traditionsreiche Handwerk des Zigarrenrollens wird auch in einer kleinen Manufaktur in Dresden ausgeübt. MDR KULTUR-Autorin Grit Krause hat sie besucht.

Ein Mann dreht eine Zigarre
Der sogenannte Torcedor bei der traditionsreichen Arbeit des Zigarrenrollens. Bildrechte: Paul Kuchel/Pykado

An einem Tisch sitzend hat Lazaro Javier Herrera Cabrera unterschiedliche fermentierte Tabakblätter um sich herum aufgehäuft: Da sind die mit der Qualität "volado", sie stammen vom unteren Ende der Pflanze. Die Mittleren nennt man "seco", und bei "ligero" kann man sicher sein, dass sie die meiste Sonne abbekommen haben. Mit geübter Hand nimmt der gebürtige Kubaner eines von diesem und von jenem Blatt und formt sie zu einem Bündel. Auf die Mischung kommt es an, aber damit kennt sich der Zigarrenroller, der Torcedor, aus.

Also das ist Handwerk und Erfahrung. Ich habe meine Ausbildung bei Upmann gemacht, das war '96, dann bin ich zu Tabac Cuba als Qualität-Kontrolleur, das war in Havanna. Dort habe ich ein paar Jahre gearbeitet und danach bin ich zu Partagas gegangen.

Lazaro Javier Herrera Cabrera, Zigarrenroller

Ein Mann dreht eine Zigarre
Ein Blick auf die Werkbank des Zigarrenrollers. Um ihn herum: unterschiedliche fermentierte Tabakblätter, die der Zigarre ihren Geschmack verleihen. Bildrechte: Paul Kuchel/Pykado

Lazaro hat für traditionsreiche Marken gearbeitet. Somit läge es nahe, auch bei seinen Kreationen hier von echten kubanischen Zigarren zu sprechen, aber das stellt seine Lebens- und Geschäftspartnerin Katrin Lieberum sogleich richtig:

Man kann aus Kuba nicht alle Blätter importieren, um eine komplette kubanische Zigarre herzustellen, und man darf sie auch nicht so nennen. Wir haben Tabak aus Nicaragua, aber es ist kubanische Saat.

Katrin Lieberum, Geschäftspartnerin von Lazaro Javier Herrera Cabrera

Beide sind nach Nicaragua geflogen, erklärt Katrin Lieberum weiter: "Und dort hat sich Lazaro nach seinem Verständnis und nach seinen Vorstellungen, was den kubanischen Zigarren auch nahe kommt, den Tabak rausgesucht. Da hat er lange gebraucht und immer wieder ausprobiert, neue Zigarren gedreht, um sich die richtige Komposition zusammenzustellen, aber auch, um qualitativ hochwertigen Tabak auszusuchen."

Um ganz sicher zu gehen, hat Lazaro seine Tabakkompositionen sogar noch von Experten in Kuba testen lassen, unter anderem von Arnaldo Bichot, einem berühmten Maestro Ligador (Mischmeister). Den Torcedor selbst sieht man auch hin und wieder bei der Arbeit eine Zigarre rauchen, neben sich ein Glas echten kubanischen Rums, der ebenfalls in der Dresdner Manufaktur verkauft wird.

Ich kann den Rauchern nicht sagen: Das ist eine milde Zigarre oder das ist eine mittelstarke oder noch stärker, wenn ich selber nicht die Zigarren probiert habe. Ich muss leider die Zigarren probieren. Ich muss!

Lazaro Javier Herrera Cabrera, Zigarrenroller

Seit 2016 gibt es das kleine Ladengeschäft am Rande des Stadtzentrums. Hier kann man Lazaro Javier Herrera Cabrera über die Schulter schauen, sich eine der sogenannten Longfiller anbrennen und sie genüsslich draußen auf der Fensterbank paffen. Oder man besucht einen der zahlreichen Workshops und dreht sich seine Zigarre selbst. Der Weg zur eigenen Manufaktur war jedoch recht steinig, erzählt Katrin Lieberum:

Der Prozess hat relativ lange gedauert, weil wir bei den ganzen Behörden auf ungläubige Augen gestoßen sind. Viele wussten uns auch nicht einzuordnen. Das Tabakgesetz ist eher für große Fabriken ausgelegt, also ich finde den ganzen bürokratischen Wahnsinn teilweise gar nicht gewinnbringend. So sehr, wie wir kontrolliert werden, das ist die Tabaksteuer, die wir abführen, gar nicht wert.

Katrin Lieberum, Geschäftspartnerin

Inzwischen hat der Torcedor das kunstvoll gefaltete Tabakbündel in die Um- und Deckblätter eingerollt und mit der Zigarrenmaschine, die in Kuba Guillotine genannt wird, zurechtgestutzt. Den Rohling legt er zusammen mit anderen in eine Form aus Zedernholz, spannt sie in eine Presse ein und nach knapp einer Stunde sind die edlen Zigarren fertig. Benannt hat Lazaro sie nach seiner Mutter, die ebenfalls Zigarrenrollerin war, und so gehen in Dresden also "Cabreras" über den Ladentisch.

Über den Humidor gebeugt, in dem handgefertigte Zigarren lagern, die zwischen 20 und 35 Euro kosten, erklärt Katrin Lieberum die verschiedenen Formate ihrer Cabrera-Linie: "Wir haben hier zwei Robusto-Formate, einmal mild und einmal mittelstark. Wir haben die 'Industria', die ist auch mittelstark, und die große mit dem Ringmaß 54 und Länge 16,5 Zentimeter, das ist eine starke, das ist die 'Amistad'. Und die Namen der einzelnen Zigarren sind Wirkungsorte von Lazaro, die Bedeutung hatten in seinem Leben als Zigarrendreher."

Damit verströmen Katrin Lieberum und Lazaro Javier Herrera Cabrera in ihrer kleinen Zigarren-Manufaktur echtes kubanisches Flair in Dresden.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. Februar 2018 | 13:10 Uhr

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