"Es ist aufregend, hier dabei zu sein!" 20 Jahre Max-Planck-Institut Leipzig

In kurzer Zeit hat sich das erst 1997 gegründete Institut für evolutionäre Anthropologie zur weltweit führenden Adresse entwickelt. Leipziger Forschungsergebnisse krönen die Titelblätter der Fachjournale. Das ist kein Zufall.

Es hat verschiedene Gründe, warum das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig zu den weltweit führenden Forschungseinrichtungen zählt.

Prof. Jean-Jaques Hublin, mit dem ältesten Schädel eines Homo Sapiens, der je gefunden wurde - 300-tausend Jahre alt
Prof. Jean-Jaques Hublin, mit dem ältesten Schädel eines Homo Sapiens, der je gefunden wurde - 300.000 Jahre alt Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Einer der Hauptgründe ist die gleichberechtigte Forschung, bei der ein Chef nicht seine eigene Sicht durchdrückt. Er wird eher als eine Art Filter gesehen. Bei den Mitarbeitern reifen verschiedene Forschungsideen, die sie frei entwickeln können. Der Chef filtert daraus dann die originellsten heraus. So entsteht ein Mikroklima, das die Forscher beflügelt und auch zu unerwarteten Lösungsansätzen bringt. Allenthalben ist daher im Institut Begeisterung und Leidenschaft spürbar.

Man holt sich die besten Leute und lässt sie einfach arbeiten. Meistens funktioniert das hervorragend.

Prof. Jean-Jaques Hublin, Leiter des Forschungsbereichs Humanevolution
Biologe Patrick Arnold beschäftigt sich mit der Halswirbelsäule des Neandertalers
Biologe Patrick Arnold beschäftigt sich mit der Halswirbelsäule des Neandertalers Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Und diese trägt Früchte. Als Forschungseinrichtung ist das Leipziger Max-Planck-Institut Weltspitze. Während andere Einrichtungen sich freuen, überhaupt mit Artikeln in renommierten Fachjournalen wie "Science",  "Nature" oder "Current Biology" zu erscheinen, zieren die Institutswände in Leipzig die Titelcover dieser Zeitschriften: mit Motiven der anthropologischen Forschung Made in Sachsen. Derzeit sind es zehn Titelgeschichten, doch sicher werden es schnell mehr sein.

Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie Lieblingsort zum Forschen

Von der Kletterwand im Foyer bis zum eigens dekorierten Doktorhut: Das Max-Plack-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig ist für viele Forscherinnen und Forscher aus aller Welt ein Lieblingsarbeitsplatz.

Prof. Svante Pääbo, Geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie, mit dem Skelett eines Neandertalers - zusammengesetzt aus Knochen unterschiedlicher Fundorte
Geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie ist Prof. Svante Pääbo. Er hat das Neandertaler-Genom entschlüsselt. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Prof. Svante Pääbo, Geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie, mit dem Skelett eines Neandertalers - zusammengesetzt aus Knochen unterschiedlicher Fundorte
Geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie ist Prof. Svante Pääbo. Er hat das Neandertaler-Genom entschlüsselt. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Prof. Svante Pääbo, Geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie, mit dem Skelett eines Neandertalers - zusammengesetzt aus Knochen unterschiedlicher Fundorte
Dieses Skelett eines Neandertalers ist aus Knochen unterschiedlicher Fundorte zusammengesetzt. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Das Max-Planck-Institut für evolutinäre Anthropologie in Leipzig
Das Max-Planck-Institut für evolutinäre Anthropologie in der Außenansicht Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Das Max-Planck-Institut für evolutinäre Anthropologie in Leipzig
Treten wir ein! Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Eingangsbereich des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie - im Hintergrund eine Kletterwand
Besucher werden erst einmal vom beeindruckenden Eingangsbereich überwältigt. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Eingangsbereich des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie - im Hintergrund eine Kletterwand
Hier warten Informationen zur Forschung ... Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Eingangsbereich des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie - im Hintergrund eine Kletterwand
... und einer Kletterwand! Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Prof. Jean-Jaques Hublin, mit dem ältesten Schädel eines Homo Sapiens, der je gefunden wurde - 300-tausend Jahre alt
Prof. Jean-Jaques Hublin ist Leiter des Departments Humanevolution. Hier zeigt er den ältesten Schädel eines Homo Sapiens, der je gefunden wurde - er ist 300.000 Jahre alt! Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Hochauflösende Computertomographen digitalisieren alle Informationen über gefundene Objekte
Hochauflösende Computertomographen digitalisieren alle Informationen über gefundene Objekte. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Nach dem Scannen sind originalgetreue Nachbildungen im 3 D Drucker möglich
Nach dem Scannen sind originalgetreue Nachbildungen im 3D-Drucker möglich. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Biochemikerin, Manjusha Chintalapati, Indien (1)
Ans Max-Planck-Institut kommen Forscherinnen und Forscher aus der ganzen Welt, wie die Biochemikerin Manjusha Chintalapati aus Indien. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Genetiker, Jorge Kageyama, Mexiko
Der Genetiker Jorge Kageyama ist aus Mexiko ans Max-Planck-Institut gekommen und arbeitet hier in der Forschungsgruppe "Single Cell Genomics" Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Genetikerin, Petra Korlevic, Kroatien
Die Kroatin Petra Korlević ist Genetikerin und beschäftigt sich mit fortgeschrittenen DNA-Sequenzierungstechniken. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Molekularbiologe Diyendo Massilani, Gabun, Zentralafrika
Das ist auch der Forschungsbereich von Molekularbiologe Diyendo Massilani aus Gabun in Zentralafrika. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Max-Planck-Institut Leipzig
Darwin hätte das MPI sicher gefallen! Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
Türschild am MPI in Leipzig
Dieses Türschild passt einfach perfekt in das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Bildrechte: MDR/Karsten Möbius
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Als ich in Amerika gearbeitet habe, haben sogar regionale Zeitungen über die Ergebnisse aus Leipzig berichtet. Es ist ein wirklich international bekanntes Institut. Es ist aufregend, hier dabei zu sein!

Dr. Jeff Smith, Großbritannien

Eine Besonderheit gibt es: Da der Anthropologie in Deutschland aus dem Dritten Reich noch das Etikett der "Rassenkunde" anhaftet, beschloss man bei der Gründung 1997, dass die Abteilungen nur von ausländischen Professoren geleitet werden sollen.

Prof. Svante Pääbo, Geschäftsführender Direktor des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie, mit dem Skelett eines Neandertalers - zusammengesetzt aus Knochen unterschiedlicher Fundorte
Prof. Svante Pääbo mit dem Skelett eines Neandertalers - zusammengesetzt aus Knochen unterschiedlicher Fundorte Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Das Institut ist innerhalb kürzester Zeit weltweit zur erfolgreichsten Einrichtung auf seinem Gebiet geworden. Es ist mittlerweile DIE Adresse für Anthropologen aus aller Welt.

Maßgeblich für den Erfolg ist auch die enge Zusammenarbeit verschiedener Forschungsrichtungen. Archäologen arbeiten hier gemeinsam mit Biologen, Genetikern, Anthropologen, Psychologen und Primatenforschern. Das ist praktiziertes, modernstes Wissenschaftsmanagement. Diese übergreifende Zusammenarbeit führt auch zu völlig neuen Methoden. Die Leipziger entwickelten so zum Beispiel eine Möglichkeit, selbst im Höhlenstaub tausende Jahre alte DNA finden zu können. Hier wurde erstmals das Neandertaler-Genom entschlüsselt. Und vor kurzem fanden die Forscher sogar heraus, dass der moderne Mensch hunderttausend Jahre eher existierte als bisher vermutet.

Molekularbiologe Diyendo Massilani, Gabun, Zentralafrika
Molekularbiologe Diyendo Massilani, Gabun, Zentralafrika Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Ich glaube, du musst von etwas begeistert sein, wenn du gute ehrliche Wissenschaft betreibst, dann kommt auch der Erfolg. Es geht nicht darum, nur dem Erfolg nachzurennen.

Diyendo Massilani, Molekularbiologe aus Gabun

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: ► Spezial | 19.09.2017 | 18:05-19:00 Uhr

Geplante Themen:

● Uns gab es früher als wir glaubten
Die Geschichte muß neu geschrieben werden: Homo sapiens ist seit 300 000 Jahren da. Ein Projekt, ein Menschenschädel, eine Sensation.

● Das Erfolgsrezept der Leipziger Anthropologen
Besser als die anderen: Wie machen die Leipziger das? Mitarbeiter, Führungsstil, Motivation - modernes Denken in Aktion.

● Institutsdirektor Svante Pääbo im Gespräch
Die letzten Menschen vor uns waren die Neandertaler. Was haben sie uns mitgegeben? Warum sind sie untergegangen? Fragen an Svante Pääbo.

● Die Suche geht weiter
Genetiker, Anthropologen, Biologen  und Verhaltensforscher suchen weiter nach den Wurzeln im Geheimnis Mensch. Mit kriminalistischem Spürsinn und immer neuen Methoden.

Zuletzt aktualisiert: 19. September 2017, 17:43 Uhr

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