Porträt Thomas Thieme: "Ich war wohl nicht ganz talentfrei"

Man kennt Thomas Thieme aus Filmen wie "Das Leben der Anderen" oder "Der Untergang". Dank seiner markanten Erscheinung konnte er auch seine Rollen als Uli Hoeneß oder Helmut Kohl hervorragend ausfüllen. Nicht zu vergessen, auch seine Darstellung am Theater wurde hochgelobt und Thieme dafür im Jahr 2000 zum "Schauspieler des Jahres" gekürt. Nun feiert der Schauspieler seinen 70. Geburtstag. Ein Porträt.

Der Schauspieler Thomas Thieme ist gebürtiger Weimarer, am 29. Oktober 1948 wurde er in der Klassikerstadt geboren. Mittlerweile lebt er, neben seinem Wohnsitz in Berlin,  auch wieder in der thüringischen Stadt. Doch als  ihm Weimar in diesem Jahr einen Kulturpreis für Verdienste um die Stadt verleihen wollte, lehnte Thieme dies ab. Eine geradlinige Entscheidung, immerhin ist die Auszeichnung mit 5.000 Euro dotiert. Er begründete die Ablehnung mit persönlichen Gründen.

Ich sah keine Gemeinsamkeit zu vorherigen Preisträgern und wollte auch nicht als der ewige Weimarer in die Geschichte eingehen.

Thomas Thieme

In Weimar hatte Thiemes Liebe für die Schauspielkunst begonnen. Am Theater hatte er schon als Kind in den Zuschauerrängen die Geschehnisse auf der Bühne verfolgt und dort später als Kulissenschieber gearbeitet. Später hat er es als Schauspieler nicht nur in wichtige Schauspielhäuser geschafft, sondern auch in die Kinosäle, etwa in seiner Rolle als DDR-Minister im Oscar-prämierten Film "Das Leben der Anderen" oder als Nazi-Scherge in Oliver Hirschbiegels Führerbunker-Drama "Der Untergang".

Ich habe Glück gehabt mit meinen Rollen, aber die Schauspielerei ist auch ein Talentberuf - und ich war wohl nicht ganz talentfrei.

Thomas Thieme

Dabei ging er auch Umwege. So verließ er 1984 die DDR und reflektiert später darüber: "Mit der Systemtreue hatte ich es nicht so, aber es gab - soweit ich weiß - auch keine Anstalten, aus mir einen Systemmann zu machen." Seine Laufbahn verlief weiterhin erfolgreich, er spielte am Burgtheater in Wien, an der Schaubühne in Berlin oder am Deutsche Schauspielhaus in Hamburg. Auf dem Programm standen Brecht, Goethe und immer wieder Shakespeare-Stücke. Für seine Darstellung des Richard III. in Luk Percevals "Schlachten!"-Epos wurde er im Jahr 2000 zum "Schauspieler des Jahres" gekürt.

Korpulente Männer

Breite Popularität erlangte er auch für seine Filmrollen. So stellte er den Fußball-Manager Uli Hoeneß und den Altkanzlers Helmut Kohl dar. Beide Rollen schienen ihn auf den Leib geschneidert - im wahrsten Sinne des Wortes, denn Thieme ist ihnen auch in seiner optischen Erscheinung recht nah. Das ist für den Schauspieler jedoch kein Problem, er sagt dazu: "Ich muss ja irgendwie aussehen! Es gibt tolle Kollegen, an denen schaut man vorbei - eine Katastrophe für einen Schauspieler!" Thieme hebt an seinem Äußeren den Wiedererkennungswert hervor.

Ich bin einfach nicht so eitel, wenn es um die Optik geht - sonst schon.

Thomas Thieme

Überhaupt zieht es ihn schon eine ganze Weile mehr vor die Kamera als auf die Theaterbühne. Vor zwölf Jahren sei es ihm mit dem Theater zu viel geworden, erklärt er, und weiter "Ich hatte schon vieles gespielt und nicht mehr so viel Freude an der Bühne." In Dutzenden Filmproduktionen hat er seitdem mitgespielt, darunter Erfolgsserien wie "Tatort", "Rosa Roth" und zuletzt der aufsehenerregende Mehrteiler "Babylon Berlin".

Zukunftspläne

Doch auch für den Fall, dass es aufgrund seines Alters mit der Mobilität irgendwann nicht mehr so funktionieren könnte, hat Thieme schon einen Plan: "In Thüringen habe ich eine Waldhütte an einem Hang, der als Terrasse angelegt ist. Ich sehe da Zuschauerränge eines Amphitheaters." Thieme hat scheinbar schon seit seiner Kindheit sein Lebensmotto verinnerlicht: Schauspiel lebenslänglich.

Ich muss jetzt mehr darauf achten, dass ich nicht mehr so fressen und saufen kann wie früher.

Thomas Thieme über das Altern

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR Café | 28. Oktober 2018 | 12:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Oktober 2018, 04:00 Uhr