Thorsten Ahrend
Thorsten Ahrend arbeitete in Verlagen wie Reclam Leipzig, Gustav Kiepenheuer, Suhrkamp und Wallstein. Jetzt ist er Geschäftsführer und Programmleiter am Literaturhaus Leipzig. Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Thorsten Ahrend im Gespräch Leipziger Literaturhaus-Chef: "Uploadfilter sind keine Zensur"

Das Europa-Parlament in Straßburg hat am Dienstag für die umstrittene EU-Urheberrechtsreform gestimmt. Zehntausende Bürger hatten in den vergangenen Wochen dagegen protestiert. Vor allem die Uploadfilter wurden kritisiert. Thorsten Ahrend vom Literaturhaus Leipzig hält Uploadfilter dagegen nicht für Zensur. Er sagte am Samstag bei MDR KULTUR, Autoren sollten beteiligt werden, wenn andere mit dem Verbreiten ihrer Werke viel Geld verdienen. Die Urheber unter dem Etikett "Freiheit fürs Internet" rauszunehmen, sei verlogen.

Thorsten Ahrend
Thorsten Ahrend arbeitete in Verlagen wie Reclam Leipzig, Gustav Kiepenheuer, Suhrkamp und Wallstein. Jetzt ist er Geschäftsführer und Programmleiter am Literaturhaus Leipzig. Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Für den Chef des Literaturhauses Leipzig sind die von der EU geplanten Uploadfilter keine Zensur. Thorsten Ahrend sagte MDR KULTUR, die Produkte sollen sichtbar sein und im Internet vorkommen, aber Künstler sollten "ein paar Pfennige" dafür abbekommen.

"Es muss Fairness geben", so Ahrend weiter. "Autoren, die viele Monate oder Jahre an einem Werk arbeiten, sollten auch beteiligt werden, wenn andere Leute mit dem Verbreiten wahnsinnig viel Kohle verdienen." Die Urheber unter dem Etikett "Freiheit fürs Internet" da rauszunehmen, nennt der Verleger "vollkommen verlogen". Durch die Macht mancher Internetkonzerne gingen ihnen viele Menschen auf den Leim.

"Kein Mensch will das Internet abschalten. Wir wissen doch, dass das vollkommen lächerlich ist", sagt Ahrend bei MDR KULTUR. Dabei ist für den Literaturhaus-Chef ein Uploadfilter nur eine mögliche Lösung.

Wie auch immer – Hauptsache, es wird verhindert, dass jemand etwas nutzt, dafür Kohle kassiert und der Kreative nichts davon abbekommt. Wenn es andere Möglichkeiten gibt, warum nicht.

Thorsten Ahrend, Leipziger Literaturhaus

Wenn er als Verleger in einem Buch ein Bild drucke, müsse er sich darum kümmern, dass der Maler gefragt wird und dafür Geld bekommt. So etwas dürfe im Internet nicht egal sein.

Über Thorsten Ahrend

Thorsten Ahrend ist seit Dezember Chef des Literaturhauses in Leipzig. Für den Wallstein-Verlag war er ab 2004 als Leiter des Literaturprogramms tätig. Davor arbeitete er als Lektor in den Verlagen Reclam Leipzig, Kiepenheuer, Suhrkamp und Wallstein. Ahrend wurde 1960 in Rostock geboren und studierte in Leipzig Germanistik.

Thorsten Ahrend 42 min
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MDR KULTUR - Das Radio Sa 23.03.2019 11:05Uhr 42:04 min

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Zuletzt aktualisiert: 26. März 2019, 11:00 Uhr

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