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Tina Beer, 1987 in Jena geboren, arbeitet mittlerweile seit sechs Jahren in der Erfurter Staatskanzlei. Bildrechte: Staatskanzlei Thüringen

Im Porträt

Thüringens Kulturstaatssekretärin Tina Beer: seit einem Jahr im Krisenmodus

von Mareike Wiemann, Landeskorrespondentin Thüringen

Stand: 04. März 2021, 04:00 Uhr

Vor einem Jahr endete in Thüringen das wochenlange Regierungschaos, das durch die Wahl Thomas Kemmerichs ausgelöst worden war. Bodo Ramelow wurde vereidigt und mit ihm sein Kabinett. Auch für Tina Beer war es ein besonderer Tag: Die damals 32-Jährige wurde zur Staatssekretärin für Kultur ernannt. Seitdem hat sie sich einen Ruf als unaufgeregte und kommunikative Krisenmanagerin erarbeitet.

Tina Beer kennt sich aus mit dem Sprung ins kalte Wasser: Als Jugendliche war sie Leistungsschwimmerin, räumte eine Medaille nach der nächsten ab. Und als sie vor einem Jahr ins Amt kam, dauerte es nur wenige Tage, bis die Kultur durch die Corona-Pandemie in eine absolute Existenzkrise geriet. Gleich ihr erstes kulturpolitisches Spitzengespräch in Berlin wurde zur Herausforderung, erinnert sie sich heute. "Es sollte um die Standard-Tagesordnung gehen, doch plötzlich war klar, dass am folgenden Montag alle Schulen geschlossen würden. Und da stand man, und musste erst mal mit dieser Situation umgehen."

Was heißt hier Ausnahmezustand?

Die Frage, wie sich Kultur in Thüringen vor dem Hintergrund der Pandemie gestalten lässt, beschäftigt Beer mittlerweile seit einem Jahr. Ihr Chef Benjamin-Immanuel Hoff leitet neben dem Kultur- auch noch das Agrarministerium und die Staatskanzlei, so delegiert er viele Themen an sie. Doch fragt man Beer, was die arbeitsreichen letzten Monate mit ihr gemacht haben, winkt sie ziemlich lässig ab: In der Politik befinde man sich letzen Endes immer im Krisenmodus, es habe die Flüchtlingskrise gegeben, die Regierungskrise, jetzt die Coronakrise – da müsse man einfach mit umgehen.

Die studierte Politikwissenschaftlerin tut das, indem sie übersetzt: Sie bricht die Regelungen, die in Berlin und Erfurt für den Kulturbereich getroffen werden, alltagstauglich herunter, rund einmal im Monat schreibt sie den verschiedenen Akteuren einen Brief und erläutert etwa neue Corona-Hilfen. "Wo ich natürlich auch berechtigte Kritik bekomme, im Sinne von - 'Jetzt werden hier acht Seiten Briefe geschrieben, geht das nicht auch über Social Media?' Aber diese komplexen Themen lassen sich einfach nicht in einem Tweet absetzen. Und das ist es, was mir wichtig ist: eine Kommunikation auf Augenhöhe."

Ermöglichen statt verhindern

Jonas Zipf, Präsident des Kulturrats Thüringen, lobt die Zusammenarbeit mit Beer Bildrechte: Tina Peißker

Kommunikation auf Augenhöhe – das ist, so hört man in der Kulturszene des Freistaats, bei Tina Beer nicht nur Phrasendrescherei, sondern tatsächlich das Hauptmerkmal ihrer Politik. So lobt Jonas Zipf, Präsident des Kulturrats Thüringen, dass Beer sehr offen sei für die Belange der Kulturschaffenden im Freistaat, es finde eine beteiligende Kommunikation statt: "Sie ist absolut ansprechbar, und nicht nur das, sie sucht auch proaktiv den Weg zu den Kulturakteuren."

Zipf sagt, Beer erinnere wohltuend wenig an eine Politikerin: vermutlich, weil sie wenig große Reden schwingt, sondern eher im Hintergrund Aufgaben und Probleme abarbeitet. Aktuell ist sie etwa dabei, eine Handreichung mit Empfehlungen für Open-Air-Veranstaltungen zu erstellen. Nach dem Willen der Staatskanzlei sollen die Kommunen in den kommenden Monaten etwas flexibler agieren, was Genehmigungen für Kultur draußen angeht, sie sollen Veranstaltungen ermöglichen, statt sie zu verhindern. Beer erforscht also gerade die Handlungsspielräume in diesem Bereich – eine Aufgabe, ganz nach ihrem Geschmack: "Wenn irgendein Vermerk zu einem komplexen Thema kommt mit über 15 Seiten, ich mich darüber dann mit Fachleuten austauschen kann, mir unterschiedliche Argumente anhöre und am Ende abwäge – dann ist das genau der Prozess, den ich faszinierend finde!"

Auf der Karrierespur

Fragt sich, welchen Weg die Spitzenbeamtin in den kommenden Jahren einschlagen wird. Mit 33 ist sie bereits ein alter Hase in der Staatskanzlei, war erst persönliche Referentin von Benjamin-Immanuel Hoff, dann seine Büroleiterin, und nun eben seit einem Jahr Staatssekretärin. Ganz Diplomatin bleibt sie zurückhaltend, wenn man sie zu ihren Zukunftsplänen befragt. Sie sei sehr zufrieden mit ihrer derzeitigen Tätigkeit, lautet dann die Antwort. So heißt die Ansage "Weitermachen" – und gleichzeitig vermutlich auch ein wenig bange Abwarten. Bis zur nächsten Landtagswahl in Thüringen ist es schließlich nicht mehr lange hin.

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 04. März 2021 | 07:10 Uhr