Stuart Ashtin
Bekannt für melancholische Songs – der Sänger der Tindersticks, Stuart A. Staples. Bildrechte: imago/Agencia EFE

Neues Album: "No Treasure but Hope" Was die Tindersticks zu Meistern der stilvollen Melancholie macht

Seit fast 30 Jahren scheren sich die Tindersticks nicht um den Zeitgeist und zelebrieren ihren dunklen, vielschichtigen Sound. Die gemächlichen Stücke der englischen Alternative-Popband laden ein, sich ganz darin zu verlieren. Nun hat das Quintett um Frontmann Stuart A. Staples sein elftes Studioalbum veröffentlicht: "No Treasure but Hope".

von Anke Behlert, MDR KULTUR-Musikkritikerin

Stuart Ashtin
Bekannt für melancholische Songs – der Sänger der Tindersticks, Stuart A. Staples. Bildrechte: imago/Agencia EFE

Getragene Melancholie gehört zu den Tindersticks, genau wie die Koteletten zu Sänger Stuart A. Staples. Das präzise gestutzte Gesichtshaar ist nur ein Markenzeichen. Ein anderes ist seine unverwechselbare Baritonstimme. Nicht zuletzt ihr verdankt die britische Band ihren charakteristischen Sound.

Kraftvolle Zusammenarbeit

Inmitten der Britpop-Welle konnten sie 1993 mit ihrem Debütalbum einen überraschenden Erfolg feiern. Irgendwann seien ihnen die Ideen ausgegangen, sagt Staples. 2003 löste sich die Band auf, fünf Jahre später dann das Comeback. Nach dem letzten Tindersticks-Album "The Waiting Room" hat der Sänger viel Zeit allein in seinem Studio verbracht und zwei Soloplatten aufgenommen. Für "No Treasure But Hope" lag der Fokus deshalb umso mehr auf Teamwork.

"Wir als Band haben mittlerweile ein fast intuitives Level der Zusammenarbeit erreicht. Was zwischen uns fünf passiert, ist sehr kraftvoll", erzählt Staples. Aus dieser Situation heraus seien die neuen Songs entstanden. Für die Band sei es wichtig gewesen, den Fokus auf das Menschliche, das Körperliche und den Moment zu legen. Außerdem, so Staples, finde er das sehr progressiv: "Wir sind alle so sehr mit unserer Technik verbunden und das hört man auch in der Musik, die heute gemacht wird. Das muss nicht unbedingt schlecht sein. Aber wir fanden es am interessantesten, einen Raum für uns und diese Songs zu schaffen."

In fünf Wochen ein ganzes Album

No Treasure But Hope
Albumcover: "No Treasure But Hope" Bildrechte: dpa

In gerade mal fünf Wochen hat die Band die neuen Songs aufgenommen und gemischt, eine eher ungewöhnliche Vorgehensweise für die Engländer. Das hat selbst den Sänger überrascht. "Wir haben uns getroffen und ein bisschen an den Songs gearbeitet. Danach hat jeder für sich die Ideen weiter entwickelt", so Staples. "Beim nächsten Mal haben wir beschlossen, dass wir nicht länger als fünf oder sechs Tage im Studio verbringen wollen. Danach ging alles rasend schnell, es war wie ein Feuerwerk."

Vor allem im Vergleich zum letzten Album wirken die Stücke leicht zugänglich, ohne Brillanz oder Tiefe einzubüßen. Es gibt sogar beschwingte, mediterran anmutende Momente inklusive Bouzouki, wie in "Pinky in the daylight" – dem ersten "richtigen" Liebeslied, das Staples geschrieben hat.

"Als mir die Idee für den Song gekommen ist, war das so unkomplizert und so fröhlich, daran bin ich gar nicht gewöhnt. Aber ich vertraue immer meiner Idee, also habe ich mich daran gehalten", so Staples. Außerdem: Die restlichen Stücke auf dem Album seien ganz anders, zum Teil sehr düster, so der Sänger. "'Pinky' balanciert das ein bisschen aus."

Intime Stimmungslieder

Intuitive Wärme durchfließt die Stücke auf "No Treasure But Hope". Die üppigen Melodien werden mal von Klavierakkorden, mal von einem Vibraphonteppich getragen, ergänzt von einer grazilen Gitarre und erhabenen Streicher- und Bläsersätzen.

Keinem Tindersticks-Album fehlt es an Bedeutung, aber die intimen, expansiven Stimmungslieder auf "No Treasure But Hope" graben sich noch ein bisschen tiefer ein. Damit beweisen die Engländer einmal mehr ihren Status als Meister der stilvollen Melancholie.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. November 2019 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. November 2019, 04:00 Uhr

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