Zwei Männer im Stück 'Tod eines Handlungsreisenden' auf der Bühne am Theater Chemnitz.
Wolfgang Adam (Charley) und Dirk Glodde (Willy Loman) in "Tod eines Handlungsreisenden". Bildrechte: Dieter Wuschanski

Premiere am Schauspielhaus "Tod eines Handlungsreisenden" begeistert in Chemnitz

Willy Loman will hoch hinaus, und bleibt doch unten auf der Leiter stecken. Carsten Knödler, Schauspieldirektor am Theater Chemnitz, hat das Stück von Arthur Miller auf die Bühne gebracht. Unser Kritiker urteilt: eine gelungene Inszenierung, die aber manchmal etwas zu wenig will.

von Torben Ibs, MDR KULTUR-Theaterkritiker

Zwei Männer im Stück 'Tod eines Handlungsreisenden' auf der Bühne am Theater Chemnitz.
Wolfgang Adam (Charley) und Dirk Glodde (Willy Loman) in "Tod eines Handlungsreisenden". Bildrechte: Dieter Wuschanski

Arthur Millers Stück "Tod eines Handlungsreisenden" erzählt von der dunklen Seite des American Dream: von jenen Menschen, die den Aufstieg immer wollen, aber ihn doch nie hinbekommen und in ihrer kleinen Existenz gefangen bleiben. Im Mittelpunkt steht Willy Loman, Handlungsreisender, Familienvater und, ja, irgendwie auch ein Versager. Um diese im Grunde karthasische Figur herum organisiert sich in Chemnitz das Stück.

Zwei Männer im Stück 'Tod eines Handlungsreisenden' auf der Bühne am Theater Chemnitz.
Dirk Glodde (Willy Loman), Philipp Otto (Onkel Ben) in "Tod eines Handlungsreisenden". Bildrechte: Dieter Wuschanski

Loman wird gespielt von Dirk Glodde, der die Figur bis in seine letzten Verästelungen durchdringt. Am Anfang steht er noch im ordentlichen Nadelstreifenanzug auf der Bühne, am Ende dann im ziemlich zerzausten Freizeithemd. Hat Loman zunächst das beste Auto der Welt, ist es im nächsten Moment das schlechteste, weil irgendwas nicht funktioniert. Seine Söhne haben entweder unglaubliches Potenzial, oder sind faule Versager  - zwischen diesen Extremen schwankt Loman hin und her. Und auch wenn Regisseur Carsten Knödler sich eng an die Vorlage von 1949 hält - gerade diese Sprunghaftigkeit lässt einen immer wieder auch an den aktuellen US-Präsidenten denken.

"Werktreue Inszenierungen haben Grenzen"

Neben dem alten Loman sind vor allem seine beiden Söhne Biff und Happy sowie seine Frau Linda Handlungsträger. Auch ihre Spielweise orientiert sich klar an einer realistisch-psychologischen Zeichnung, wobei ihre Versuche der Bruderschaft ein wenig ins stereotype Klischee abgleiten. Stark sind sie dann in den hochemotionalen Szenen, in denen sie auch die unterschiedlichen Charaktere der beiden voll ausspielen.

Die Linda, dargestellt von Katka Kurze, bleibt bis zum Schluss rätselhaft. Sie beschützt ihren Mann, führt den Haushalt, hat aber ansonsten – so scheint es zumindest - keine eigenen Ziele. Das ist natürlich für ein heutiges Frauenbild nicht ausreichend und zeigt die Grenzen von solchen historisierenden und vermeintlich werktreuen Ansätzen aus. Die Frauen bei Ibsen – und Carsten Knödler hat die ja auch schon inszeniert – waren da weiter. So such die Inszenierung eben auch keine aktuellen Antworten, sondern bleibt der historischen Darstellung der Rollen und Rollenbilder verhaftet - darin allerdings entwickelt das gesamte Ensemble eine Meisterschaft.

Insgesamt vergehen die knapp zweieinhalb Stunden Spielzeit wie im Flug – das Stück ist voller starker Momente, die einen in den Bann ziehen. Es ist ein gelungener, stellenweise mitreißender Abend, der sicher sein Publikum finden wird - der aber manchmal doch etwas zu wenig will.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. Mai 2018 | 13:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Mai 2018, 10:44 Uhr

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