Tomasz Stanko bei einem Auftritt
Jazz-Trompeter Tomasz Stanko ist nach Krankheit in Warschau gestorben. Bildrechte: dpa

Mit 76 Jahren Polnischer Jazztrompeter Tomasz Stanko gestorben

Tomasz Stanko bei einem Auftritt
Jazz-Trompeter Tomasz Stanko ist nach Krankheit in Warschau gestorben. Bildrechte: dpa

Der polnische Jazz-Trompeter Tomasz Stanko ist tot. Wie seine Familie und der polnische Jazzverband PSJ mitteilten, starb Stanko im Alter von 76 Jahren in Warschau. Er gehörte seit den 60er-Jahren zu den bedeutendsten Vertretern der Jazz-Avantgarde seines Landes. "Er war ein weltberühmter Jazztrompeter, Komponist, Bandleader und Mentor für viele junge Musiker", erinnerte der Verband PSJ in einem Nachruf auf seiner Facebook-Seite an Stanko.

Er hatte einen völlig unverwechselbaren Ton, in dem Leiden und Euphorie, Melancholie und Aufbegehren mitschwingen. Tomasz Stanko spielte mit dunklem Herzblut getränkte Melodien, die sich in der Endlosigkeit verlieren. Jazz war für ihn Ausdruck der Sehnsucht nach Freiheit.

Bert Noglik in seinem nachruf auf Stanko
Tomasz Stanko
2016 spielte Tomasz Stanko auch auf den Leipziger Jazztagen. Bildrechte: dpa

Der Verband teilte weiter mit, er sei "nach einer schweren Krankheit in Warschau gestorben". Der polnische Musikjournalist Piotr Baron schrieb auf Twitter, Stanko sei "einer der Gründerväter des polnischen Jazz" gewesen. Im Frühjahr waren Auftritte von Stanko und seiner Band auch für Deutschland abgesagt worden. So schrieben die Veranstalter des Festivals XJazz in Berlin, der polnische Musiker sei in Behandlung, man hoffe aber auf eine baldige Besserung. Das Münchner Jazz-Label ECM, bei dem Stanko zahlreiche Alben veröffentlichte, nennt auf seiner Webseite die US-Trompeter Miles Davis und Chet Baker als frühe Einflüsse. Später seien Free-Jazz-Avantgardisten wie Ornette Coleman und Don Cherry hinzugekommen.

In den frühen 70er-Jahren trat er mit seinem Tomasz Stanko Quintet ins Rampenlicht bei europäischen Festivals. Sein ECM-Debüt "Balladyna" (1975) sei "auf beiden Seiten des Atlantiks zur Legende geworden", so die Plattenfirma. Zuletzt brachte er als Mittsiebziger im Vorjahr das hochgelobte Werk "December Avenue" mit dem Tomasz Stanko New York Quartet heraus - für den Jazz-Experten des britischen Guardian eine "Tondichtung, die Gänsehaut hervorruft".

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. Juli 2018 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2018, 10:22 Uhr

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