Oper Halle
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Interne Papiere der Bühnen Halle Aufstand gegen TOOH-Geschäftsführer Rosinski

In der Kulturszene von Halle rumort es schon seit Monaten. Die Stadt tut sich schwer mit strategischen Entscheidungen für die Zukunft. Erst in dieser Woche hat der Stadtrat entschieden, sich nicht um den Titel "Europas Kulturhauptstadt 2025" zu bewerben. Und auch bei der Neuausrichtung der Bühnen klemmt es. Bei der städtischen Theater-, Oper- und Orchester GmbH (kurz TOOH) klafft aktuell ein Finanzloch von 1,7 Millionen Euro. Im Zentrum der Diskussion steht der Geschäftsführer Stefan Rosinski. Seine Arbeit wird zunehmend kritisch gesehen, auch von den künstlerischen Leitern. Sie haben sich deshalb jetzt an den Aufsichtsrat gewandt und sprechen von einer vergifteten Atmosphäre und Vertrauensbruch. MDR KULTUR liegen die internen Schreiben vor.

von Sven Kochale

Oper Halle
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Der Ton könnte schärfer nicht sein. Der Intendant des Neuen Theaters Matthias Brenner fühlt sich durch den Geschäftsführer der TOOH derart provoziert, dass er personelle Konsequenzen nicht mehr ausschließt. Wörtlich heißt es in dem Schreiben:

Die Atmosphäre ist äußerst vergiftet! Ich sehe keine andere Möglichkeit, als dass eine Entscheidung her muss! Ich werde die angespannte Zusammenarbeit in einer Atmosphäre des Nicht-Vertrauens nicht mehr länger dulden!

Matthias Brenner

Und weiter:

Ich möchte hiermit erklären, dass ich nicht das Gefühl habe, dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Geschäftsführer Stefan Rosinski zu bewerkstelligen ist.

Matthias Brenner

Ähnlich äußert sich der Intendant der Oper Florian Lutz. Auch er hat sich mit Schreiben vom 12. Juni an den Aufsichtsrat der TOOH gewandt und macht seinem Ärger Luft.

Als Intendant der Oper Halle möchte ich Sie hiermit in Kenntnis über einige aus meiner Sicht besorgniserregende Entwicklungen hinsichtlich der Zusammenarbeit mit Herrn Rosinski setzen, die die künstlerischen, organisatorischen und geschäftlichen Planungen der TOOH meiner Ansicht nach substanziell behindern und gefährden.

Florian Lutz

Die Gräben in der TOOH sind offenbar noch größer als gedacht. Dabei bräuchte es gerade hier, wo mehrere Häuser aus wirtschaftlichen Gründen zusammenarbeiten müssen, ein vertrauensvolles Klima. Gefordert ist nun Oberbürgermeister Bernd Wiegand, der gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der finanziell angeschlagenen TOOH ist. Er hat auf der jüngsten Stadtratssitzung einen Fahrplan für die Sanierung vorgestellt. Anfang Juli soll das neue Strukturkonzept fertig sein. Anschließend sind Gespräche mit dem Land geplant. Von atmosphärischen Störungen sprach er nicht. Auf derselben Stadtratssitzung zeigte sich der kritisierte Geschäftsführer Stefan Rosinski am Mikrofon von MDR KULTUR zuversichtlich:

Ich sehe den Zustand, sehe die Situation gelassen und entspannt. Ich freue mich auf die kommenden Gespräche. Wir haben zuletzt mit allen Beteiligten hier in Halle sehr gute, konstruktive Gespräche gehabt. Wir haben einen dezidierten Vorschlag auf dem Tisch. Wir sind unsererseits zahlentechnisch und auch in der Transparenz, der Aufarbeitung der Vergangenheit, wie ich meine, sehr gut aufgestellt. Ich glaube, dass wir das Thema sehr gut vom Tisch arbeiten können und sehe da jetzt auch keine größeren Risiken.

Stefan Rosinski

Gleichwohl räumte Stefan Rosinski Fehler ein.

Beim internen Controlling und der Budgetsteuerung gab es Mängel. Das haben wir jetzt behoben. Man muss natürlich bei der Größenordnung, mit der wir umgehen, auch bei den flexiblen Projekten von über drei Millionen Euro, muss man natürlich Instrumente haben, um die Ausgaben entsprechend steuern zu können. Und die waren nicht in der Qualität gegeben, wie das eigentlich für ein solches Unternehmen angemessen wäre.

Stefan Rosinski

Damit geht er auf seine Kritiker zu und signalisiert Gesprächsbereitschaft. Doch ob das reichen wird, um die TOOH wieder auf Kurs zu bringen? Dass es hier noch einigen Gesprächsbedarf gibt, zeigt die Stellungnahme der Stadt. Auf Anfrage von MDR KULTUR teilte das Rathaus lediglich mit, dass man sich zu internen Schreiben und den damit verbundenen Spekulationen nicht äußere.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: MDR KULTUR Kompakt | 23.06.2017 | 06:30 Uhr
MDR KULTUR am Morgen | 23.06.2017 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Juni 2017, 09:24 Uhr