T2 Trainspotting
Bildrechte: IMAGO

"Trainspotting 2" - Die Musik Ein neuer Soundtrack für die Ewigkeit?

Der Soundtrack zu "Trainspotting" wurde vom "Rolling Stone" zu einem der besten aller Zeiten gekürt. Nun stellt sich die Frage: Wie gut ist das Album zum neuen Film "Trainspotting 2"?

von MDR KULTUR-Autor Thomas Hartmann

T2 Trainspotting
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Als 1996 "Trainspotting" in den Kinos startet, entwickelt sich der Film zu einem Phänomen: Danny Boyles Verfilmung des gleichnamigen Buches von Irvine Welsh erwischt den Zeitgeist, ist cool, witzig, dynamisch, mal ganz was anderes. Zweifel lässt sie freilich auch nicht aufkommen. Die Hauptfiguren mögen zwar kein Spießerleben führen, aber ihr heroinfixiertes Dasein ist alles andere als erstrebenwert: Da gehen Menschen drauf, Beziehungen kaputt und die Freunde, so zeigt sich immer wieder, sind keine – nur der Stoff verbindet.

Parallel zum Film begeistert der Soundtrack: Underworld, Leftfield, New Order, Iggy Pop, Blur oder Lou Reed sind darauf vertreten. Den in das CD-Regal zu stellen, das ist kein Muss, sondern ein konsensfähiges und allgemein verbreitetes Wollen. Nicht ohne Grund sortiert ihn das Musikfachblatt "Rolling Stone" 2013 unter die größten 25 Soundtrack-Alben aller Zeiten ein. Es erscheint dann sogar noch eine zweite "Trainspotting"-CD – und, bestückt mit David Bowie oder Joy Division, die ist gleichfalls hörenswert.

Blur
Blur waren neben Underworld, Leftfield, New Order, Iggy Pop und Lou Reed auf dem Soundtrack von "Trainspotting" zu hören. Bildrechte: Warner Music

Nun also geht "Trainspotting" in die nächste Runde. Und natürlich besteht ein gewisses Risiko. Das gesteht selbst Renton-Darsteller Ewan McGregor:

Die Gefahr bei einem so beliebten Film ist, dass ein schwaches Sequel dem Ruf des Originals schaden kann. Und das will ich natürlich nicht. Aber das ist auch nicht der Fall. Das Skript ist wirklich, wirklich gut.

Schauspieler Ewan McGregor

Und doch ist die Frage: Können der Film und der Soundtrack ähnlich aufregend wirken wie in den Neunziger Jahren? Oder anders formuliert, da in diesem Beitrag die Musik im Zentrum steht: Wie gut ist das Album zum Film? Regisseur Danny Boyle war es wichtig, sich hier nicht auf den alten Lorbeeren auszuruhen:

Hätten wir die gleiche Musik wie im ersten Teil genommen, hätten wir uns zu sehr auf unseren eigenen Erfolg gestützt. Natürlich wollten wir Teile der Musik übernehmen, alleine um Erinnerungen zu triggern und einen Widererkennungseffekt zu schaffen um bestimmte Gefühle anzusprechen. Aber deswegen haben wir die Musik geremixed, sie variiert und subtiler eingesetzt. Ein Remix von The Prodigys 'Lust for Life', eine Neuinterpretation von Underworlds 'Born Slippy'. Auch hier hatten wir das Motto: Genauso, nur anders.

Regisseur Danny Boyle

Wie gut ist das Album zum neuen Film?

Das Album zu "T2: Trainspotting" - das versteht sich von selbst - ist wie beim Vorläufer eine Compilation. Am Anfang und am Ende stehen jeweils Stücke, die schon bei "Trainspotting" eine wichtige Rolle gespielt haben.: Iggy Pops "Lust For Life" gibt es nun im Prodigy-Remix, und aus "Born Slippy" von Underworld wird "Slow Slippy". Das ist geradezu programmatisch gedacht, eine Wahl mit Bedacht. Als wollte das sagen: Es geht schon noch um dieselben Herren, aber die Herren sind nicht mehr dieselben. Sind älter geworden, haben nun eine sehr viel längere Geschichte.

Iggy Pop
Auf dem Soundtrack von "Trainspotting 2" gibt es Iggy Pops "Lust For Life" nun im Prodigy-Remix. Bildrechte: EMI Music

Dem gestiegenen Alter der Akteure scheint auch die gestiegene Anzahl an Klassikern geschuldet: "Radio Ga-Ga" von Queen ist dabei, Frankie Goes To Hollywood mit ihrer Achtziger Jahre-Schwulenhymne "Relax" geben sich die Ehre oder The Clash mit "White Man in Hammersmith Palais", ursprünglich mal als B-Seite einer Single von 1978 erschienen.

Auffällig oft tauchen auf dem Album die "Young Fathers" auf. Eine Band, die schon in Deutschland zu erleben war, allein und mit Massive Attack. Sie ist politisch sehr meinungsstark und hat sich selbst mal eine "psychedelische Hip Hop Boy Band" genannt. Was sich eher ironisch anhört, umschreibt ihren Stil eigentlich gar nicht so schlecht.

Young Fathers, 2015
Young Fathers liefern den Herzschlag des Films, so Regisseur Danny Boyle. Bildrechte: IMAGO

Mit ihren Songs, so sieht es Regisseur Danny Boyle, liefere die Band aus Edinburgh den Herzschlag des Films – und sie habe damit eine ähnliche Bedeutung wie Underworlds "Born slippy" in "Trainspotting". Der mittlerweile fast sechzigjährige Rick Smith von Underworld, der die Stücke im Film mit ausgesucht hat, schätzt die Band ebenso: sie sei experimentierfreudig, provokant, mutig, und sie stamme eben aus Schottland. Spannende Beiträge kommen zudem von den "Rubberbandits", der "Fat White Family" oder "Wolf Alice".

Zusammenfassende Kritik

Insgesamt eine gelungene Auswahl, die aufgeht – sie bietet Material zum Entdecken und stimuliert gleichtzeitig das Erinnerungsvermögen. Was freilich selbst dieser Zusammenstellung nicht gelingen dürfte ist, den Soundtrack von "Trainspotting" den Rang abzulaufen. Denn der steht einfach wie ein Fels in der Film- und Musikgeschichte.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im: Radio | 16..02.2017 | 16:10 Uhr und 16:40 Uhr
Fernsehen "artour" | 16.02.2017 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Mai 2018, 13:19 Uhr

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