Judith Sophie Schilling
Judith Sophie Schilling Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Treibhaus e.V. Döbelner Verein bringt die Menschen zusammen

Im sächsischen Döbeln ist der Treibhaus e.V. seit über 20 Jahren ein Zentrum der Begegnung und sozialen Aktivität. Gegründet wurde der Verein ursprünglich, um Neonazis und Rechtsradikalen in Sachsen etwas entgegensetzen. Doch geht die Arbeit längst darüber hinaus. Warum das so gut funktioniert, hat dessen Leiterin Judith Sophie Schilling verraten.

Judith Sophie Schilling
Judith Sophie Schilling Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Judith Sophie Schilling arbeitet seit vielen Jahren im Treibhaus e.V. in Döbeln und ist seit 2017 die Geschäftsführerin. Vor 22 Jahren gründeten Jugendliche den Verein, um nach politischen, kulturellen, sozialen Alternativen zu suchen. Vor allem Neonazis und Rechtsradikalen in Sachsen wollten sie in den 90er-Jahren etwas entgegensetzen. Ein ganzes Haus steht dem Treibhaus e.V. dafür zu Verfügung. Der Kauf erfolgte 2007 durch den Demokratie e.V. In großen Lettern steht "Haus der Demokratie" bis heute an der Fassade des sanierten Altbaus.

Inzwischen bietet der Treibhaus e.V. neben Jugendarbeit, einem Café und einer Fahrradwerkstatt, zahlreiche Kunst-, Kultur- und Demokratieprojekte an. Der Verein will ein überregionales Zentrum in den Bereichen interkultureller, historisch-politischer- und Medien-Bildung sein, arbeitet mit Schulen zusammen, bietet offene Jugend- und Migrationsarbeit an. Soziale Kompetenzen sollen vermittelt, couragiertes, antirassistisches Handeln gestärkt  und demokratische Werte vermittelt werden. Schilling ist es dabei wichtig, dass die Menschen in ihrem Haus auch selbst aktiv werden sollen und nicht nur passiv an Veranstaltungen teilnehmen können.

Treffpunkt und mehr

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Döbeln in Sachsen Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

2015 rief der Treibhaus e.V. eine Willkommens-Initiative ins Leben. 400 Geflüchtete bezogen eine Erstaufnahmeunterkunft. Von den etwa 24.000 Einwohnern in Döbeln sind heute etwa fünf Prozent Ausländer, die aber nicht nur aus Bürgerkriegsgebieten kommen sondern vielfach auch aus EU-Staaten. Die Arbeit mit Geflüchteten empfindet Schilling häufig als positiv, jedoch setzt sie sich auch mit Kritik auseinander. Dabei ist ihr Lösungsansatz, dass sich die Menschen erst einmal kennen lernen und damit auch ihre Schicksale. Hier bietet der Treibhaus e.V. einen Begegnungspunkt.

Ich habe wahnsinnig gute Erfahrungen gemacht, was Offenheit, was Herzlichkeit, Nächstenliebe angeht. Ich habe aber auch Erfahrungen gemacht, wo ich mir dachte: Mensch, das kann jetzt nicht wahr sein!

Judith Sophie Schilling

Judith Sophie Schilling im Porträt

Im mittelfränkischen Ansbach wurde Schilling 1992 geboren. Ihre in Sachsen geborene Mutter hatte in den 80er-Jahren die DDR verlassen. Der Vater stammt aus Bayern. 1995 zog die Familie in das sächsische Döbeln. Nach der Schule studierte Schilling Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften,  Germanistik und Kunstgeschichte an der TU Dresden und am University College Cork in Irland. Von 2010 bis 2011 absolvierte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur im Treibhaus e.V. in Döbeln. Von 2015 bis 2017 war sie Projektleiterin von "Willkommen in Döbeln". Seit 2017 ist Schilling Geschäftsführerin des soziokulturellen Zentrums Treibhaus e.V. in Döbeln.

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Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2019, 16:28 Uhr

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