Carsten Tesch und Frédéric Bußmann von den Kunstsammlungen Chemnitz
Seit dem 1. Mai 2018 ist Frédéric Bußmann Generaldirektor der Chemnitzer Kunstsammlungen. Bildrechte: Simon Bernard/MDR

Generaldirektor Frédéric Bußmann Kunstsammlungen Chemnitz: Mit Kunst für mehr gesellschaftlichen Dialog

"Wir (alle) sind das Volk", dass diese Worte die Kunstsammlungen Chemnitz zieren, ist auch das Verdienst von Frédéric Bußmann. Seit Mai ist der Kunsthistoriker der neue Generaldirektor der Kunstsammlungen. Schon seit den 90er-Jahren sei er ein großer Fan von Hans Haacke, von dem der Appell für Demokratie und eine tolerante Gesellschaft stammt. Der Künstler entwarf ihn für die Documenta 2017. Kunst soll den Dialog fördern, findet Frédéric Bußmann und erklärt im Gespräch mit MDR KULTUR, wie er dieses Ziel umsetzen will.

Carsten Tesch und Frédéric Bußmann von den Kunstsammlungen Chemnitz
Seit dem 1. Mai 2018 ist Frédéric Bußmann Generaldirektor der Chemnitzer Kunstsammlungen. Bildrechte: Simon Bernard/MDR

Nach den Ereignissen von Chemnitz zog Frédéric Bußmann eine für 2019 geplante Ausstellung mit Videoarbeiten des in Dresden geborenen Künstlers Mario Pfeifer vor. Darin geht es etwa um den Tod eines Geflüchteten nach einem Streit in Arnsberg. Vor diesem Hintergrund sieht Bußmann die Rolle von Kulturinstitutionen darin, Möglichkeiten zum Dialog anzubieten. Was in Chemnitz geschehen ist, sieht er im Kontext der Revolution von 1989 und ihrer Themen, so Bußmamm bei MDR KULTUR.

Wir sind alle gut beraten, uns zu besinnen: Was wollten wir? Was wollten die Ostdeutschen 1989?

Frédéric Bußmann

Jugendstil: Zwischen Klimt und Chemnitz-Kaßberg

Als Kurator blickt Frédéric Bußmann aufmerksam auf die junge Kunstszene in Sachsen. Aber auch die Ausstellung von Gustav Klimts Gemälden in der Moritzburg Halle interessiert ihn. Klimt hält er für einen ambivalenten Künstler. "Es ist Zeit, Klimt auch in Deutschland ins rechte Licht zu rücken und angemessen zu feiern", sagt Bußmann.

Ich empfinde Jugendstil nicht nur als schön und dekorativ, sondern auch als eine Befreiung vom Historismus. Eine Art von Befreiung von Obrigkeit, wenn man so möchte. Es ist ein Aufbegehren von Künstlern, von Architekten und jungen Menschen gegen das, was ihnen vorgeschrieben wurde. Insofern ist das für mich die Kunst der Freiheit.

Frédéric Bußmann

Eine Familie von Kunsthistorikern

Auch im Gründerzeit- und Jugendstilviertel Chemnitz-Kaßberg hat Bußmann schon das ein oder andere "Juwel" ausgemacht. Als Generaldirektor folgt er auf Ingrid Mössinger – das sind große Fußstapfen. Von Haus aus scheint Bußmann aber bestens für die Aufgabe gewappnet zu sein: Die französische Großmutter, die Eltern, Schwester und eine Cousine – alle sind ausgebildete Kunsthistoriker.

Frédéric Bußmann wurde 1974 in Boulogne-Billancourt geboren, südwestlich von Paris. Aufenthalte in der Stadt an der Seine prägten sein Verständnis von Kunst. Aufgewachsen ist er in Münster, nach Stationen in Berlin, Rom, Paris und München wurde er 2011 Kurator am Museum der bildenden Künste Leipzig. Die Kunstwelt der DDR musste er sich da noch erschließen.

Die Kunst der DDR kannte ich wirklich nur aus der Ferne. Ich bin da mit einer gewissen ... vielleicht auch Ignoranz herangegangen. Gleichzeitig kann man das auch positiv sagen: mit einer gewissen Unvoreingenommenheit. Ich glaube, es ist wichtig, dass man offen ist und dass man sich die Dinge anschaut, neugierig ist und sich darauf einlässt.

Frédéric Bußmann

Der Blick in die Zukunft

Für die Zukunft der Kunstsammlungen Chemnitz hat sich Bußmann viel vorgenommen. Er will stärkere Akzente bei der Gegenwartskunst setzen. Bei seinen Überlegungen stelle er sich immer die Frage "Was macht den künstlerische Kern dieser Zeit aus?". Aber auch die lokale Kunstszene der 70er und 80er interessiert ihn, bis hin in die 90er-Jahre.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. Oktober 2018 | 11:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2018, 16:17 Uhr

Kultur in Chemnitz