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Mahershala Ali spielt in der dritten Staffel "True Detective" den Detective Wayne Hays. Bildrechte: Copyrights by Sky/© Home Box Office, Inc. All rights reserved

Serie Lohnt sich die dritte Staffel von "True Detective"?

Vor fünf Jahren sorgte die Serie "True Detective" dafür, dass "Bingewatchen" mittlerweile ein eingedeutschtes Wort und stundenlanges Serienschauen ein beliebtes Hobby geworden ist. Die erste Staffel gilt heute als Meilenstein der Serien-Geschichte. Nun ist die dritte Staffel auf Sky zu sehen. Funktioniert sie noch als Zuschauermagnet? Und wie schlägt sich der Oscar-gekrönte Mahershala Ali ("Moonlight") als Hauptdarsteller? MDR KULTUR-Filmkritikerin Anna Wollner hat sich die Serie angesehen.

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Mahershala Ali spielt in der dritten Staffel "True Detective" den Detective Wayne Hays. Bildrechte: Copyrights by Sky/© Home Box Office, Inc. All rights reserved

Zunächst eine Entwarnung: Man kann auch in die dritte Staffel von "True Detective" sofort einsteigen, denn die Serie wurde von Drehbuchautor Nic Pizzolatto als Anthologie-Serie geplant. Jede Staffel ist in sich abgeschlossen und behandelt einen eigenen Kriminalfall. In der ersten Staffel ging es in die Sümpfe von Louisiana und in der zweiten ins Umfeld von Los Angeles.

Drei Zeitebenen

Zwei Kinder auf Fahrrädern
Zwei Kinder verschwinden im Herbst 1980 Bildrechte: Copyrights by Sky/© Home Box Office, Inc. All rights reserved

Die dritte Staffel spielt nun in die Kleinstadt West Finger in Arkansas, eine Region, auch bekannt als Ozarks. Und sie handelt auf drei Zeitebenen: 1980, 1990 und 2015. Alles beginnt 1980, die drei Erzählstränge mit den gleichen Protagonisten werden dann aber immer und immer wieder miteinander verwoben.

Die Frage ist: Was passierte am 7. November 1980, dem Tag, an dem Steve McQueen starb, wie Detective Wayne Hays gleich zu Anfang festhält. Noch wichtiger ist aber, dass in West Finger auch zwei Kinder nicht vom Spielen zurückgekommen sind, die mit ihren Fahrrädern einen Freund besuchen wollten und dort nie angekommen sind. Die Leiche des Jungen wird gefunden, das Mädchen gilt seitdem als vermisst.

In den verschiedenen Zeitebenen geht es zum Beispiel 1980 um das Aufklären des Mordes. Es gibt eine Hand voll Verdächtige, drei Jugendliche in einem lila VW-Käfer, dazu einen Native American, der von einem wütenden Mob zur Rede gestellt wird. Und selbst ein Familienmitglied der verschwundenen Kinder gerät ins Visier der Ermittler. Diese tappen jedoch sehr lange im Dunkeln.

Auf der 1990er-Zeitebene taucht das Mädchen dann bei einem Überfall auf eine Apotheke in einem anderen Bundesstaat auf, was dem Fall nochmal eine neue Wendung gibt. Detective Hayes ist mittlerweile verheiratetet, hat zwei Kinder, ist in Job und Familie festgefahren und sehr frustriert. 25 Jahre später erinnert er sich dann 2015 in einem Fernsehinterview für eine True-Crime-Doku nochmal an den Fall von einst.

Zwei Männer sitzen in einem Auto.
Hauptdarsteller Mahershala Ali erhielt 2017 einen Oscar als bester Nebendarsteller für seine Leistung in dem Film "Moonlight". In "True Detective" überzeugt er als Ermittler in dem komplizierten Fall. Bildrechte: Copyrights by Sky/© Home Box Office, Inc. All rights reserved

Hervorragend besetzte Hauptrolle

Die Hauptrolle spielt Mahershala Ali, bekannt aus "Moonlight" und demnächst in dem Oscar-Favoriten "Green Book" zu sehen. Er schafft es, die Serie zu tragen und er ist ihr Highlight. In den 80ern ist er der Ermittlerneuling, der in Vietnam war, davon geprägt ist und den nichts mehr erschüttern kann. Zehn Jahre später ist er beruflich frustriert und privat verbittert. Und 2015 plagen ihn Probleme mit der Erinnerung: Er ist an Alzheimer erkrankt, was aber noch nicht diagnostiziert wurde. Deswegen weiß er nicht mehr, ob er und die anderen seinen Erinnerungen trauen dürfen.

Männer in einem Büro
Wayne Hays hat als schwarzer Ermittler in Arkansas auch mit Vorurteilen zu kämpfen. Bildrechte: Copyrights by Sky/© Home Box Office, Inc. All rights reserved

Wie Mahershala Ali das spielt, ist ganz groß, denn in jeder Zeitebene ruft er wie auf Knopfdruck andere Eigenarten ab. Es ist ja immer schwierig, wenn ein Schauspieler eine Figur über einen so langen Zeitraum spielt, hier immerhin 35 Jahre. Selbst das Make-Up, das ihn alt macht, funktioniert hier. Ali hat sich sehr für diese Rolle beworben und bei Showrunner Nic Pizzolatto dafür gekämpft, dass er als Afroamerikaner die Hauptrolle bekommt.

Diese wurde eigentlich für einen Weißen geschrieben, aber nun erzählt die Serie auch gleich subtil von Alltagsrassismus. Denn ein schwarzer Ermittler in Arkansas hatte in den 80er-Jahren mit Vorbehalten und Vorurteilen zu kämpfen. Die TV-Dokumentarin in der Serie fragt an einer Stelle sogar, ob der Fall schneller aufgeklärt worden wäre, wenn Hays nicht schwarz gewesen wäre – und ihm bleibt nichts anderes übrig, als mit den Schultern zu zucken.

Atmosphärisch gelungen

Die erste Staffel ist vor allem aufgrund der Atmosphäre gelobt worden. Und auch die dritte Staffel hat ihren eigenen, atmosphärischen Stil. Während die ersten beiden Folgen noch der Thriller-Experte Jeremy Saulnier gedreht hat, der unter anderem auch den Punk-Neo-Nazi-Thriller "Green Room" machte. Nach zwei Folgen wurde er jedoch von Nic Pizzolatto selbst abgelöst. Da gab es wohl kreative Differenzen, doch das merkt man der Serie visuell nicht an.

Es entsteht ein fast schon hypnotischer Sog über die Atmosphäre und das Setting. Das gezeigte Milieu ist eine überwiegend weiße, von Armut geprägte Gemeinschaft, die sich mit einem fürchterlichen Verbrechen auseinandersetzen muss, das Narben hinterlassen hat. Erzählt wird eine Geschichte über Vergangenheitsbewältigung, Erlösung und die Kraft der Erinnerung.

Mann spricht mit Kind
Nach Meinung von MDR KULTUR-Kritikerin Anna Wollner hat sich "True Detective" nun von der schwachen zweiten Staffel erholt. Bildrechte: Copyrights by Sky/© Home Box Office, Inc. All rights reserved

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. Januar 2019 | 13:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2019, 19:25 Uhr