Dokumentation Jurij Brězan: "Der Mann in den Birken"

Jurij Brězan (1916-2006) ist einer der bedeutendsten sorbischen Schriftsteller. Für seinen Film konnte René Römer aus elf Stunden Rohmaterial schöpfen, die im Sommer 2000 entstanden sind. Da wanderte Brězan durch die Oberlausitz und erzählte dabei aus seinem Leben. So entstand ein liebevolles Denkmal für den Schriftsteller.

Nahaufnahme von Jurij Brezan 30 min
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Dieser Film von René Römer ist ein Glücksfall, weil er aus elf Stunden Rohmaterial schöpfen konnte, die im Sommer 2000 entstanden sind. Darin wanderte der damals 84-jährige Jurij Brězan, seinem Roman-Helden Krabat nicht unähnlich, durch die Oberlausitz und das Jahrhundert. Er erinnerte sich präzise, weise und erzählte voller Schalkhaftigkeit.

Vom Vater, der 1918 ein Kriegsheimkehrer war und den härtesten Granit der Welt spaltete. Von einer armen, reichen Kindheit, in der der Knabe Jurij Märchen für seine vier Schwestern erfand und in der er mit einem Begabtenstipendium in Bautzen die Schule besuchen durfte. Von Nazi-Terror und Holocaust vermag Brězan aus eigenem Erleben zu erzählen, Erfahrungen, die ihn zu einem Antifaschisten und bewussten Sorben unter Deutschen machten. Und zu einem Lobby-Arbeiter für seine Leute, das kleine sorbische Volk, in der DDR.

Jurij Brězan war ein großer Poet und analytischer Denker, der mit seinen Krabat-Büchern und der autobiografisch gefärbten Romantrilogie um Felix Hanusch die sorbische Literatur in die deutsche und in die Weltliteratur überführte.

Im Film "Der Mann in den Birken - Das sagenhafte Leben des Jurij Brězan" formuliert er zeitlos wahre Sätze über den Markt, den Tod und das Leben, die in ihrer Denkschärfe verblüffen. Zum einhundertsten Geburtstag des am 1916 geborenen und 2006 verstorbenen Brězan setzt der Film ihm ein liebevolles Denkmal in poetischen, schwärmerischen Landschaftsbildern seiner Oberlausitz.

Der bedeutendste sorbische Schriftsteller

Jurij Brězan wurde am 9. Juni 1916 im Dorf Räckelwitz/Worklecy in der Oberlausitz unweit von Bautzen geboren. Er gilt als der bedeutendste sorbische Schriftsteller in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Viele seiner Romane und Erzählungen tragen autobiografische Züge, wie die Romantrilogie über Felix Hanusch, "Der Gymnasiast" (1959), "Semester der verlorenen Zeit" (1959) und "Mannesjahre" (1964). Andere schöpfen aus dem reichhaltigen Sagen- und Märchenstoff der sorbischen Oberlausitz.

Jurij Brezan
Jurij Brězan Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Um den sagenhaften Zauberer Krabat geht es in der Märchenerzählung "Die Schwarze Mühle" (1968) und in den beiden Romanen "Krabat oder Die Verwandlung der Welt" (1976) und "Krabat oder Die Bewahrung der Welt" (1993). Dazu kommen noch viele Kinder- und Jugendbücher in deutscher und in sorbischer Sprache. Denn Jurij Brězan war dem Reisepass nach Deutscher, doch nach der Abstammung Sorbe, also Mitglied einer slawischen Minderheit, die um die Städte Cottbus und Bautzen und im Spreewald ihre Heimat hat. Brězans Bücher wurden in 25 Sprachen übersetzt und in der DDR vielfach ausgezeichnet. Jurij Brězan war von 1969 bis 1989 Vizepräsident des Schriftstellerverbandes der DDR. Bis zu seinem Tod 2006 lebte er nahe seinem Geburtsort Räckelwitz in Dreihäuser/Horni Hajnk.

Frage an den 90-Jährigen: Lohnt es sich, alt zu werden?

Meine Mutter pflegte in ihren Achtzigern uns, ihren Kindern, manchmal aufseufzend zu sagen: 'Werdet nicht alt. Es ist nicht schön'. Es ist nicht schön, lahme Knie, holperndes Herz…
Es ist schön, kleine Freuden aufzusammeln in der Familie, unter Freunden, im Garten vor dem ersten blühenden Löwenzahn, den Wunderfarben des Herbstes, der letzten Rose, dem Raureif auf Büschen und Bäumen. Und oben die Sonne und ihr strahlend blauer Himmel.
Es lohnt schon, das Altern, wenn es einem Kopf und Seele so belässt, dass man sein Leben in die richtige Waagschale legt.

Jurij Brězan Antwort auf den MDR-Fragebogen an "Jahrhundert-Zeugen" (2006)

Information zum Film: "Der Mann in den Birken"
Das sagenhafte Leben des Jurij Brězan

Ein Film von René Römer

Ausstrahlung: 9.7.2010 | 23:10 Uhr | MDR Fernsehen

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