Udo Zimmermann
Udo Zimmermann im Jahr 2009 als Präsident der Sächsischen Akademie der Künste. Bildrechte: imago/momentphoto/Robert Michael

Zum 75. Geburtstag Komponist Udo Zimmermann: Ein rastloser Weltbürger

Udo Zimmermann feiert am 6. Oktober seinen 75 Geburtstag. Mit seinem Wirken als Komponist, Dirigent und Intendant prägte der Dresdner zahlreiche musikalische Häuser in ganz Deutschland. Er selbst wollte immer ein "Künstler sein, der Kunst macht" und der mit Hilfe der Musik das Herz der Menschen erreichen wollte. MDR KULTUR-Musikkritiker Michael Ernst mit einer Würdigung.

Udo Zimmermann
Udo Zimmermann im Jahr 2009 als Präsident der Sächsischen Akademie der Künste. Bildrechte: imago/momentphoto/Robert Michael

Sechs Opern, Orchesterstücke, Solokonzerte und reichlich Vokalmusik – und nun zehn Jahre Stille. Sein musikalisches Werk hat Udo Zimmermann unsterblich gemacht. Die Kompositionen wurden und werden in aller Welt aufgeführt und gespielt. Gerade in diesem Jahr, zu seinem 75. Geburtstag, wird die Kammeroper "Weiße Rose" im In- und Ausland wieder sehr häufig gespielt. Was natürlich auch damit verbunden ist, dass die Geschwister Scholl, um deren Schicksal es in diesem Stück geht, im Februar vor 75 Jahren hingerichtet worden sind. Wegen ihres Engagements für die Menschlichkeit.

Geprägt durch Glauben und Humanität

Auch Udo Zimmermann hat sich immer wieder für eine menschliche Gesellschaft einsetzen wollen. Mit seinem musikalischen Schaffen und mit seiner Haltung. Geprägt haben ihn sein Glauben und auch die Humanität, die auch die Lebensmaxime bestimme, wie er selbst sagt.

Immer wieder hat Udo Zimmermann zu reflektieren versucht, was die Gesellschaft zusammenhält. Sein Nachdenken über Deutschland von Anfang der 1990er-Jahre klingt geradezu heutig. So sei das Nachdenken über Deutschland zu dieser Stunde nicht nur freundlich gewesen, und dass es nicht nur ermutigend sein könne, aber auch nicht nur sentimentalisch, traurig und depressiv sein sollte. "Vielleicht muss man einen Punkt finden, wo Nachdenken produktiv wird. Ein Tonsetzer hat nur selten die Möglichkeit, sich mittels Sprache zu artikulieren", so Zimmermann. Ein Tonsetzer lebe in der Welt seiner Töne – mehr in Klängen, in vokalen und instrumentalen Klanggestalten.

Komponist Prof. Udo Zimmermann (GER) am Klavier in Dresden-Loschwitz.
Udo Zimmermann im Jahr 1994 in Dresden. Bildrechte: imago/Ulrich Hässler

In all dem Zauber sinnlicher Wahrnehmung, in dem das erkennende Herz vielleicht viel menschlicher und tiefer zu uns spricht, als der Verstand es vermag.

Udo Zimmermann über die Kraft der Klänge.

Alten Häusern neuen Glanz gegeben

Ein Arbeitsethos, das er als Kruzianer unter Rudolf Mauersberger erhielt, hat sich durch die gesamte Vita des Künstlers gezogen. Er wollte nie der Komponist im Elfenbeinturm sein, sondern sich auch aktiv einbringen. So hat er schon zu DDR-Zeiten die Werkstatt für zeitgenössisches Musiktheater an der Oper Bonn geleitet und in Dresden das Zentrum für zeitgenössische Musik ins Leben gerufen. 1990 übernahm er die Intendanz der Oper Leipzig und führte das Haus mit teils spektakulären Produktionen wieder in die erste Liga, was für internationale Aufmerksamkeit sorgte.

Mitunter standen sich der Intendant und der Künstler Udo Zimmermann gegenseitig im Weg. Er berichtet, dass er viele Monate darüber nachgedacht habe, ob er dort nicht plötzlich ein "schöngeistiger Verwaltungsbeamter" werde und "mich immer mehr von dem entferne, was wirklich mein Wesen ist, nämlich Künstler zu sein und Kunst zu machen."

Wesentlich später, in einem Rückblick und nachdem die Oper Leipzig wiederholt zum Opernhaus des Jahres gekürt worden ist, sagte er dazu: "Das habe ich gewollt, und ich denke, es ist in Leipzig sehr viel passiert und ich muss der Künstler bleiben."

Die Vorderseite der Oper Leipzig.
Der Oper Leipzig verhalf Zimmermann zu neuem Ruhm. Bildrechte: imago/Westend61

Die Gegenwartsmusik als antreibende Kraft

Weniger glückhaft war Zimmermanns Zeit an der Deutschen Oper Berlin, wo er von 2001 bis 2003 Generalintendant war und sich in den Filz der dortigen Kulturpolitik verstricken ließ und wohl auch selber verstrickte. Sein Augenmerk galt stets – auch als in Ost und West gefragter Dirigent – der Musik der Gegenwart.

Die pflegte er mit einer Fülle von 174 Uraufführungen etwa als Künstlerischer Leiter der musica viva beim Bayrischen Rundfunk. Und auch als Gründungsintendant des Europäischen Zentrums der Moderne setzte er auf Zeitzeugenschaft und machte das Festspielhaus Hellerau wieder zu einer vielbeachteten Spielstätte. Der Künstler sah sich wohl stets als ein Weltbürger.

Ein rastlosender Reisender

Er selbst sagt, er habe immer behauptet, er sei gar nicht richtig deutsch. "Und dennoch, wenn ich darüber nachdenke, was in mir deutsch wäre, dann würde es mir vielleicht so gehen wie jenem Schubertschen Wanderer, der ständig unterwegs ist." Vielleicht suche er sich, wie er damals sagte, mit seiner Musik nicht diesen Leiermann am Ende, der Weinen und Tränen mitbegleiten solle. "Nein, ein ständiges Unterwegssein."

Dieses Unterwegssein ist ihm schon längere Zeit nicht mehr möglich. Was aber bleiben wird, ist der Mensch Udo Zimmermann und seine Musik. Zuletzt entstanden ein Cello- sowie ein Violinkonzert.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. Oktober 2018 | 10:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Oktober 2018, 04:00 Uhr

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