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Nur noch jeder zweite der Befragten geht noch so oft ins Kino wie vor wenigen Jahren. Bildrechte: dpa

MDRfragtKultur in der Krise: Theater, Konzerte und Kinos werden seltener besucht

Stand: 22. September 2022, 10:56 Uhr

Erst die Corona-Pandemie, nun die drohende Energiekrise und die Inflation lassen viele Menschen den Stellenwert der Kultur im eigenen Leben hinterfragen. Das geht auch aus einer Befragung von MDRfragt hervor, an der knapp 20.000 Personen teilgenommen haben. Die Gründe, warum Menschen seltener Kulturorte wie Kinos und Theater besuchen, sind vielfältig.

Die Menschen besuchen weniger Kultur. Das geht klar aus einer Umfrage von MDRfragt hervor. 19.881 Menschen beantworteten dafür Fragen über den Stellenwert der Kultur in ihrem Alltag. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, aber gewichtet und wissenschaftlich begleitet.

Etwa die Hälfte der Befragten gab an, seltener ins Kino zu gehen. Jeweils ein Drittel erklärte, dass sie seltener Klassische Konzerte/Oper/Ballett und Theatervorstellungen besuchen. Auch Museen werden aktuell seltener besucht – obwohl ihnen in der Umfrage die größte Beliebtheit zugesprochen wurde. Der Verlust wird auch bei Kulturhäusern wie dem Westflügel, ein Ort der freien Szene für Figurentheater, spürbar: "Bei uns ist es nicht so, dass die Hälfte der Zuschauer fehlen - aber ein Drittel weniger ist es in jedem Fall", sagte die künstlerische Leiterin Dana Ersing zu MDR KULTUR.

Insgesamt die Hälfte der befragte besucht weniger Kultur als vor der Corona-Krise. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Corona, Geld, Krisen – vielfältige Gründe für weniger Kultur

Vor allem Geldprobleme wurden als Grund genannt, warum die Befragten seltener Kulturhäuser und -erlebnisse besuchen. "Durch die Preissteigerungen muss an 'Luxus' gespart werden. Darunter fällt auch die Kultur", erklärt beispielsweise Sascha R. aus dem Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Dem stimmt auch Michaela R. aus dem Saale-Orla-Kreis zu: "Man muss erst mal seine Grundbedürfnisse abdecken: Lebensmittel, Auto fahren, Benzin, Energie, Wasser und so weiter. Dann kommt erst die Kultur."

Die Gründe für fehlende Besucher sind komplex. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Für die Hälfte der Befragten spielt auch die immer noch anhaltende Corona-Pandemie eine wichtige Rolle für ihre Entscheidung: Zum Beispiel aus Sorge vor Ansteckung werden konkrete Veranstaltungen gemieden. Ein Viertel kauft die Karten nur noch kurzfristig, um Probleme mit Absagen zu vermeiden. 28 Prozent gaben darüber hinaus an, dass sich die Lebensumstände geändert hätten. 21 Prozent interessieren sich laut eigener Angabe nicht mehr für die Angebote.

Zu diesen neuen Lebensumständen gehört wohl auch ein Phänomen der Lockdowns der vergangenen Jahre: Die 41-jährige Muriel sagte MDR KULTUR, dass sie sich daran gewöhnt hätte, gemütlich zu Hause zu bleiben. "Es hat sich mehr in dieses Innere, in das Familiäre entwickelt, als nach außen. Und das muss erst wieder aufgebrochen werden." Auch Kulturinteressierte haben die Vorzüge von digitalen Angeboten kennen gelernt: 30 Prozenten der Befragten warten lieber auf eine Veröffentlichung bei Streamingdiensten, anstatt Filme im Kino zu sehen.

Fast ein Drittel der Befragten hat die Kultur im Lockdown gar nicht vermisst. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Preise für Kultur steigen

Neben der Sorge um den Corona-Herbst beschäftigt die Kulturhäuser – so wie viele Menschen – die Energiekrise und die starke Inflation. Gerade privatwirtschaftliche Kulturakteure müssen nun über Preisanpassungen nachdenken. 71 Prozent der Befragten zeigten sich verständnisvoll für die höheren Ticketpreise. Fast die Hälfte wäre auch bereit mehr zu zahlen. Doch nur 43 Prozent meinen, sich das auch leisten zu können. "Ich besuche nach wie vor das, wonach mir ist. Und ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin da glaube ich auch privilegiert genug, dass ich jetzt nicht so auf den Preis gucken muss", sagt der regelmäßige Konzertbesucher Pit Strehl.

Für viele passt Kultur nicht mehr in die Finanzplanung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Steigende Preise haben Einfluss darauf, dass ich nicht mehr so viele Veranstaltungen besuche", schreibt Christine K. aus Erfurt. Sie "verstehe die Preissteigerung" und wünscht sich mehr finanzielle Unterstützung vom Staat. Die Umfrage stellt nämlich wichtige Fragen, an die Kulturbetriebe: Wie sollen sie weiterhin Orte des Austauschs und der Begegnung sein? Mehr als Dreiviertel der Befragten halten sich selbst für Kulturinteressiert: "Wichtig als Ausgleich zum Alltag und ein Teil Bildung", urteilt Yvonne S. aus dem Unstrut-Hainich-Kreis.

Hintergrund zu der MDRfragt-UmfrageInsgesamt 62.476 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind bei MDRfragt angemeldet und nehmen regelmäßig an Umfragen teil.

19.881 Personen haben die Fragen zu Besuchen von Kulturhäusern und -veranstaltungen beantwortet. Dabei haben vor allem Menschen der Altersgruppe 50 bis 64 Jahren (8.473) und aus Sachsen (10.359) teilgenommen.

Die Ergebnisse der Befragung sind nicht repräsentativ. Wir haben sie allerdings in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Beirat nach den statistischen Merkmalen Bildung, Geschlecht und Alter gewichtet. Das heißt, dass wir die Daten der an der Befragung beteiligten MDRfragt-Mitglieder mit den Daten der mitteldeutschen Bevölkerung abgeglichen haben.

(Quelle: MDRfragt, Redaktion: Pia Uffelmann, Thilo Sauer)

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 19. September 2022 | 08:10 Uhr