Auf Bitten der Hexe lässt sich der Soldat (Rolf Ludwig ) mit einem Strick in die hohle Eiche hinab, um das Geld und das Feuerzeug für sie zu holen
Szene aus dem DEFA-Märchen "Das Feuerzeug" Bildrechte: PROGRESS Film-Verleih/Foto: Hannes Schneider

Uraufführung DEFA-Märchen: Warum "Das Feuerzeug" noch heute Spaß macht

"König Drosselbart", "Das singende, klingende Bäumchen", "Das kalte Herz" oder "Sechse kommen durch die Welt": Bei der DEFA sind einst viele Märchenfilme gedreht worden. Auch "Das Feuerzeug" gehört dazu. Vor 60 Jahren kam das Märchen in die Kinos.

von Thomas Hartmann, MDR KULTUR-Autor

Auf Bitten der Hexe lässt sich der Soldat (Rolf Ludwig ) mit einem Strick in die hohle Eiche hinab, um das Geld und das Feuerzeug für sie zu holen
Szene aus dem DEFA-Märchen "Das Feuerzeug" Bildrechte: PROGRESS Film-Verleih/Foto: Hannes Schneider

Dem wackeren Helden, unserem guten Soldaten, droht der Galgen. Allerdings weiß der aufmerksame Zuschauer sehr genau, sein letztes Stündlein hat noch längst nicht geschlagen. Denn er hat ja da noch was in petto:

Herr König, ich bitte euch: Gewährt mir einen letzten Wunsch. Lasst mich zum Abschied noch ein Pfeifchen Tabak rauchen.

aus "Das Feuerzeug"

Der König gewährt – und reitet sich damit ins Schlamassel. Mit seinem zauberhaften Feuerzeug feuerzeugt der Soldat seine drei treuen Hunde herbei. Die sehen zwar nicht wirklich furchterregend aus – aber sie sind halt erschreckend groß. Und sie wissen sehr genau, wen sie zu vertreiben haben: den König, die Königin, den ganzen Hofstaat. Der Soldat bleibt nicht nur am Leben, er bekommt sogar die Prinzessin zur Frau und das Volk jubelt. Happy-End auf der ganzen Linie.

Rolf Ludwig als Soldat

Rolf Ludwig schlüpft 1959 in die Soldatenrolle. "Ich bin kein Filmnarr", sagte er dazu, "Ich bin glücklich an der Bühne, ich muss das nicht." Aber: "Wenn man eine Sache mit Lust und Liebe macht, kommt auch etwas dabei heraus. Das ist ein Kinderfilm und der hieß 'Das Feuerzeug'".

Der Soldat (Rolf Ludwig) geht auf den Markt und kauft den Kindern mit seinem Gold Süßigkeiten und Spielzeug
Rolf Ludwig im DEFA-Märchen "Das Feuerzeug" Bildrechte: PROGRESS Film-Verleih/Foto: Hannes Schneider

In seiner Rolle strahlt Ludwig Witz aus, Gutmütigkeit – und er bringt auch das gute Aussehen mit, das der Held eines Märchens nun einmal haben sollte. Das Drehbuch spricht ihn sofort an, das Drehen selbst bereitet ihm gewisse Schwierigkeiten. "Wie kriegen sie mich zwischen die Hunde, die mich ja um Menschengröße überragen sollen?", fragt der Schauspieler in seiner Autobiographie "Nüchtern betrachtet". Für ihn sei das seltsam gewesen – bei den Aufnahmen habe er für die Tricktechnik ins Leere sprechen müssen.

Unsicherheit beim Dreh

Es gibt sogar Aufnahmen im fertigen Film, da meint man, Ludwig eine gewisse Unsicherheit beim Drehen dieser Szenen anzumerken. Was aber nicht weiter stört. Schließlich wird die Geschichte munter erzählt. Wie der Soldat dank der Hexe plötzlich viel Geld hat, wie er eben jene Hexe erschlägt – aber nicht wie bei Andersen einfach, weil die ihm nicht sagen will, was es mit dem Feuerzeug auf sich hat, sondern – sehr viel besser – weil die sich in eine Schlange verwandelt und ihn töten will.

Erzählt wird auch von der zwischenzeitlichen Geldnot unseres Helden. Weil der Gutherzige die Armen nicht leiden sehen kann und sie umfassend beschenkt oder gut entlohnt, aber auch, weil er Schmeichlern vertraut, die ihn ausnehmen. Glücklicherweise lüftet der Soldat das Geheimnis seines Feuerzeugs – das bewahrt ihn vor dem Absturz: "Sei so gut, Mohrchen, und bringe mir einen Beutel mit Silbergeld."

Der Soldat, den ich da verkörperte, das ist ein netter Held für unsere Kinder. Und die Resonanz, die dieser Film bei den Kindern hinterlassen hat, die ist eine enorm große.

Rolf Ludwig

Ein Film, der noch heute Spaß macht

Die DEFA-Verfilmung von 1959 mit ihren heute etwas putzig anmutenden Effekten macht 2019 immer noch Spaß. Und hat eine Botschaft. Die lautet nicht etwa "Halt' dein Geld zusammen", sondern: "Gib es ruhig aus, aber gib es den Richtigen! Denn bist Du selbst mal in der Not, werden sie Dir beistehen."  

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. April 2019 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. April 2019, 04:00 Uhr

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