These Uta Heyder: DDR-Bürger überlebten nur durch Realitätsverdrängung

Die Autorin Uta Heyder schildert den DDR-Alltag als ein Leben im permanenten Ausnahmezustand. Mögliche Bedrohungen mussten verdrängt werden. Für ihr Buch "Born in the GDR – angekommen in Deutschland" hat sie 30 Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu ihrem Leben in der DDR und nach dem Fall der Mauer befragt.

Passanten und ein Verkehrspolizist auf der Karl-Marx-Allee (DDR. 1964)
Ein Verkehrspolizist auf der Karl-Marx-Allee 1964 Bildrechte: dpa

Nur durch die ständige Verdrängung der Realität konnten DDR-Bürger ihren Alltag überstehen, so lautet die These der Thüringer Autorin Uta Heyder. Im Gespräch bei MDR KULTUR schildert sie den DDR-Alltag als einen permanenten Ausnahmezustand: "Wir konnten es uns nicht leisten, […] mit dem Gedanken aufzuwachen 'Werden wir wieder abgehört? Wer von unseren Freunden wird in den Keller gesperrt? Welche Drangsalierungen haben sie sich jetzt wieder für uns ausgedacht?'. […] Hätten wir immer an sowas denken müssen, hätten wir nicht leben können."

Geboren in der DDR

Die Journalistin aus Erfurt hat dazu ein Buch mit dem Titel "Born in the GDR – angekommen in Deutschland" veröffentlicht. Darin kommen 30 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu Wort und berichten aus ihrem Leben in der DDR und nach dem Fall der Mauer.

Autorin und Journalistin Uta Heyder.
Autorin und Journalistin Uta Heyder. Bildrechte: MDR/Florian Leue

Zwei Jahre lang hat Heyder dafür Tonbandprotokolle von Frauen und Männern gesammelt, die 1989 zwischen 20 und 30 Jahre alt waren. Die Menschen erzählen von gewonnener Freiheit und neuen Beschränkungen, von wirtschaftlichem Erfolg, Unsicherheit und Existenzangst oder vom Abstieg in die Obdachlosigkeit. Es sind laut Heyder "Menschen wie du und ich" – bis auf die CDU-Politikerin Christine Lieberknecht und den Kabarettisten Uwe Steimle. Die Autorin glaubt an spezifische Ost-Biografien und erzählt, wie man aus ihrer Sicht in der DDR überleben konnte – die sie jedoch nicht als Unrechtsstaat bezeichnet wissen möchte.

Landnahme durch den Westen

Die Ostbiografien setzen sich auch nach dem Mauerfall fort. Hier sieht die Autorin eine "Landnahme durch den Westen." Viele DDR-Bürger hätten bis 1989 komplett anderes gelebt und wären nicht auf das Leben in der Bunderepublik vorbereitet gewesen. Ihre Ostmentalität wurde ihnen nun teilweise von Menschen aus den alten Bundesländern entzogen, so Heyder.

Angaben zum Buch Uta Heyder: "Born in the GDR - angekommen in Deutschland"
360 Seiten, gebunden
ISBN: 9783942115506
Bussert & Stadeler

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. November 2019 | 11:05 Uhr

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