Vampire Weekend
Vampire Weekend musizieren sei Mitte der Nullerjahre Bildrechte: Sören Solkaer Starbird

Album: "Father of the Bride" Vampire Weekend – Jenseits von Afrika?

Mitte der "Nuller-Jahre" schlugen Vampire Weekend auf der Oberfläche der Popmusik auf. Die Rockfans waren sofort hellauf begeistert, weil sie so anders klangen. Die Band ließ sich zwar von afrikanischem Pop inspirieren, war aber auch klar hörbar eine westliche Rockband. Ihr viertes Album klingt nun aber doch entschieden anders, befindet unser Kritiker.

von Johannes Paetzold, MDR KULTUR-Musikkritiker

Vampire Weekend
Vampire Weekend musizieren sei Mitte der Nullerjahre Bildrechte: Sören Solkaer Starbird

Wenn man genau hinhört, dann kann man die afrikanischen Inspirationen in einzelnen Songs wie "Bambina" auf "Father of the Bride" (dt. "Brautvater") noch hören. Vampire Weekend haben sich von dieser Anfangsidee aber inzwischen weit entfernt. Vor allem ist "Father of the Bride" ein Album voller intimer Lovesongs, Indie-Rock-Tunes. und vielen skurrilen Einfällen von Ezra Koenig, dem Mastermind von Vampire Weekend. Das fängt schon im Eröffnungsstück an, wo ein kleiner süßer Popsong im Mittelteil plötzlich auf einem großen Chor trifft. 

Trennung mit Folgen

Nach dem Weggang seines Songwriting-Partners Rostam Batmanglij ist Koenig für die musikalische Ausrichtung von Vampire Weekend verantwortlich. Auf "Father oft he Bride" schöpft er aus dem Vollen: Psychedelische Blubberblasen in "How Long",  experimentelle Folk-Tunes mit perkussiven Clubbeats versetzt in "Sympathy", romantische Duette in "We Belong Together" und eine offenkundige George-Harrison-Gitarren-Reminiszenz in "Big Blue".

Vampire Weekend, Father of the Bride, Album-Cover
Dass Afrika auf dem Albencover nun am Rand liegt, hat vielleicht einen Grund Bildrechte: Columbia

Für ein Vampire Weekend Album klingt "Father of the Bride" weit weniger nach dem Indie-Power-Pop vergangener Tage. Dafür manchmal fast romantisch-kitschig in gleich mehreren Liebesballaden. Koenig liebt das Verwirrspiel, die Verwunderung, die das Album schon im Vorfeld mit sechs vorab veröffentlichten Singles auslöste. Er meint dazu: "Ich finde es richtig gut, dass dieses Album etwas süßlich klingt. Klar bin ich stolz auf diese Art des – sagen wir – impressionistischen Songwritings der ersten drei Alben. Aber bei diesem Album bin ich vor allem stolz auf die direkten, straighten Songs. Für mich ist DAS exotisch. Weil ich so etwas noch nie gemacht habe."

Eigene Interpretation von Sampling

Die frühere afrikanische Exotik spielt also keine Rolle mehr. Nur zwischendurch, als ein kreativer Spielball zwischen vielen. Koenig erzählt dazu: "Auf diesem Album gibt es so viele Einflüsse. Im Song 'Rich Man' haben wir  zum Beispiel den großartigen Palm-Wine-Gitarristen S.E. Rogie aus Sierra Leone gesampelt. Um die Rechte für das Sample zu bekommen, haben wir mit seinem Sohn geredet. Der fand das klasse. Sampling ist mehr als nur ein Stück Musik von jemandem zu nehmen. Es ist eine Geschichte auf Augenhöhe. Man zitiert die andere Person nicht einfach, sondern sie wird Teil des Songs. Man arbeiten zusammen."

Von Trump bis Koenig

Der Sänger Ezra Koenig der US-Band Vampire Weekend steht am Donnerstag (18.11.2010) im Astra in Berlin auf der Bühne. Es war das erste von drei Konzerten in Deutschland.
Ezra Koenig von der US-Band Vampire Weekend Bildrechte: dpa

Das Album mit einem kurzen Statement zu erfassen ist kaum möglich. Zu viele der Songs bleiben betont skizzenhaft. Überhaupt: Mit nicht weniger als 18 Songs kommt das Album daher. Die Themenpalette in den Titeln reicht von Koenigs Leben als Jude in den USA über die Liebe bis hin zu Reflektionen von Trumps Amerika in Songs wie 2021.

Koenig ist Vater geworden. Aber wer auf die Idee käme, der Albumtitel hätte irgendetwas damit zu tun, der wird natürlich sofort eines besseren belehrt. So einfach darf man einen Koenig da aber auch nicht von der Angel lassen. Denn seine Braut, im wirklichen Leben und seit jüngstem eben auch die Mutter seines ersten Kindes, ist nicht irgendwer, sondern Rashida Jones, die Tochter von Produzent und Musikerikone Quincy Jones. Trotzdem spielt alles keine Rolle – beteuert Koenig:

Ich habe Quincy vor kurzem getroffen. Ich weiß gar nicht, ob er den Albumtitel kennt. Noch einmal: Es geht nicht um Heirat, es geht nicht um eine Hochzeit. Das sind einfach Metaphern dafür, wie Erwachsene in Beziehungen miteinander klar kommen.

Ezra Koenig über seine Familienbande

Also, überlassen wir es jedem selbst, tiefere Gründe für die Texte auf "Father of the Bride" zu suchen. Musikalisch bringen Vampire Weekend auf jeden viel Frische und Energie mit in diesen Rock'n'Roll-Frühling.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. Mai 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Mai 2019, 16:19 Uhr

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