Sonderausstellung Versteinertes Wetter Versteinerte Blitzeinschläge und das größte Hagelkorn der Welt

Wetter ist eigentlich ein kurzfristiges Phänomen. Doch manchmal überdauern die Spuren von Regen, Hagel, Blitz und Hitze Millionen von Jahren. Eine neue Ausstellung in Thüringen in der Schleusinger Bertholdsburg bei Suhl zeigt das jetzt eindrucksvoll.

Mann hält Stein
Museumsdirektor Ralf Werneburg hält in seinen Händen das Kunstharzmodell eines fußballgroßen Hagelkornes Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Die Ausstellung Versteinertes Wetter in der Schleusinger Bertholdsburg zeigt in Stein gebannte Spuren eines eigentlich flüchtigen Phänomens. Zwar wird über kaum ein Thema mehr geredet als über das Wetter, über Wind, Hagel, Hitze und Trockenheit. Meist aber sind ein Gewitter, ein heftiger Regenguss oder Hagelschauer schnell wieder vorbei und hinterlassen nur kurzzeitig Spuren.

Die Sonderausstellung im Naturhistorischen Museum der Bertholdsburg beweist das Gegenteil. Dort können Besucher versteinerte Blitzeinschläge, Trockenrisse oder Eiskristalle bewundern.

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Um versteinerte Wassertropfen zu erkennen, braucht man ein geübtes Auge. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Beeindruckendes Hagelkorn

Und auch das größte Hagelkorn der Welt bestaunen, es ist fast so groß wie ein Fußball. Museumsdirektor Ralf Werneburg lächelt, als er das Hagelkorn aus Kunstharz vorsichtig aus der Vitrine nimmt. "Dieses Geschoss ist in Colorado niedergegangen und offenbar hatten die Menschen dort gleich Gips oder etwas ähnliches für einen Abdruck zur Hand", erzählt der Museumsdirektor. Ein Glücksfall für die Ausstellung, die Werneburg gemeinsam mit dem Urweltmuseum GEOSKOP Thallichtenberg in der Pfalz erarbeitet hat.

Vom Blitz getroffen

Ein geübtes Auge muss man haben, um die versteinerten Wassertropfen zu erkennen. Abdrücke davon waren aufgrund günstiger Wetterverhältnisse durch Zufall im Schlamm konserviert worden. Eher wie eine zierliche Wirbelsäule sieht dagegen ein urzeitlicher Blitzeinschlag aus. Gleich drei so genannte Blitzröhren werden in der Ausstellung gezeigt. Wenn der Blitz in Sand einschlägt, schmilzt Siliziumdioxid und lässt filigrane Glasröhren entstehen. Ein Modell davon darf man sogar anfassen.

Versteinertes Wetter,Ausstellung, Schleusinger Bertholdsburg
Die Ausstellungen lädt in den Süden Thüringens ein. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Spuren einer Trockenheit vor Jahrmillionen

Ralf Werneburg hat auch eigene Fundstücke in die Ausstellung mit eingebracht. Trockenrisse aus dem Werratal zum Beispiel. Die Hitze hatte die Erde in kleine Schollen aufgebrochen, sie füllten sich mit Sand und wurden über Millionen von Jahren versteinert. "So lässt sich ein Trockenperiode nachweisen", erklärt der Naturwissenschaftler. Man müsse die Spuren nur lesen können.

In einer ausgetrockneten Pfütze im Tabarzer Steinbruch hat der Wissenschaftler versteinerte Eiskristalle gefunden. Dort sucht der Geologe eigentlich nach urzeitlichen Fossilien. Damals vor 15 Jahren wusste er noch nicht, dass seine Zufallsentdeckung mal Exponat einer Sonderausstellung werden würde. "Aber dass sich Wetter konservieren lässt, hat mich schon immer fasziniert", so Werneburg.

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Diese Abdrücke von Eiskristallen hat Werneburg in einer ausgetrockneten Pfütze im Steinbruch bei Tabarz gefunden. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Auch das Wetter wird erklärt

Die neue Ausstellung in Schleusingen zeigt nicht nur versteinertes Wetter, sondern erklärt auch wie zum Beispiel Wind entsteht oder ein Tornado. Dafür können die Besucher an einem Apparat auf eine Taste drücken. Aus einem kleinen Loch am Boden steigt plötzlich Nebel auf und Ventilatoren lassen einen Minitornado aufwirbeln. Und auch Blitze zucken von einer Elektrode zu anderen. Dafür muss man nur kräftig genug an einer Kurbel drehen. Das dürfte vor allem Kindern mächtig Spaß bereiten. Und fast schon nebenbei erfahren sie viel über die physikalischen Phänomene, die hinter dem alltäglichen Wetter stecken.

Versteinertes Wetter,Ausstellung, Schleusinger Bertholdsburg
Schloss Bertholdsburg beherbergt die Ausstellung Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Die Ausstellung Sonderausstellung: "Versteinertes Wetter" – eine meteorologische Zeitreise
29. Mai bis 1. November 2020
Naturhistorisches Museum Schloss Bertholdsburg
Burgstraße 6
D-98553 Schleusingen

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | 28. Mai 2020 | 19:05 Uhr