Ausstellung "Very British" - Was die Deutschen an den Briten finden

Die neue Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig ist so etwas wie eine Punktlandung in der heißen Phase der Brexit-Verhandlungen. Im Haus der Geschichte in Bonn haben zuvor 200.000 Menschen die Ausstellung "Very British" gesehen. Nun präsentiert Leipzig die Schau. Kurator Christian Peters hat mit MDR KULTUR über das Verhältnis der Deutschen und Briten gesprochen und einige Exponate, die darüber Auskunft geben, z. B. das Tigerfell, über das Butler James in "Dinner for One" stolpert.

Der Karnevalswagen von Jacques Tilly im Düsseldorfer Rosenmontagszug 2017 kommt auch bei Protesten in London zum Einsatz.
Der Karnevalswagen von Jacques Tilly im Düsseldorfer Rosenmontagszug 2017 kommt auch bei Protesten in London zum Einsatz. Bildrechte: Stiftung Haus der Geschichte/Axel Thünker

Das Interesse der Deutschen an den Briten sei wohl größer als umgekehrt, sagte Christian Peters, Kurator der Ausstellung "Very British" im Gespräch mit MDR KULTUR. Bei der Konzipierung habe die Frage im Vordergrund gestanden: Was fasziniert die Deutschen an den Briten, aber auch: Was irritiert die Deutschen an den Briten?

Faszinierend seien britische Musik und Literatur, Filme, Popkultur oder auch die Royals, die königliche Familie. Was hierzulande oft irritiert, sei die Fixierung der Briten auf den Zweiten Weltkrieg und ihre Art des Erinnerns an den Krieg im Hinblick auf den Sieg über die Deutschen, so Peters.

Mehr Verständnis für britische Geschichte und den Brexit?

Einsatz bei der Berliner Luftbrücke 1948: Bruchstück einer Maschine der Royal Air Force
Einsatz bei der Berliner Luftbrücke 1948: Bruchstück einer Maschine der Royal Air Force Bildrechte: Stiftung Haus der Geschichte/Axel Thünker

Gerade das ambivalente Verhältnis der Briten zu Europa könne man nach dem Besuch der Ausstellung vielleicht besser verstehen, sagte Peters. Es werde gezeigt, dass dieses Verhältnis sich nicht erst in den letzten Jahren verändert habe. Schon unter Churchill sei die britische Perspektive auf Europa eine globale gewesen. England habe sich immer als Förderer der Gemeinschaft von Europa begriffen, verstünde sich aber vor allem als Weltmacht.

Allseits beliebt in Deutschland: der britische Humor

„Same procedure as last year?“ : Das legendäre Original-Tigerfell aus dem Silvester-Sketch „Dinner for One“. Das Stück mit den Schauspielern Freddie Frinton und May Warden ist in Großbritannien nahezu unbekannt.
"Same procedure as last year?" : Das legendäre Original-Tigerfell aus dem Silvester-Sketch „Dinner for One“. Das Stück mit den Schauspielern Freddie Frinton und May Warden ist in Großbritannien nahezu unbekannt. Bildrechte: Stiftung Haus der Geschichte/Axel Thünker

Ein großes Thema der Ausstellung ist natürlich der britische Humor: Da wären die Komikertruppe Monty Python, Mr. Bean oder Tracey Ullman, die als Angela Merkel auftritt. Das größte Exponat ist das Original-Tigerfell aus "Dinner for One", über das der Schauspieler Freddie Frinton permanent stolpert. Die Ausstellungsmacher seien sehr glücklich, das sie dieses Fell ausfindig machen konnten. Da der Hinterkopf der Tigers durch die jahrelange Stolperei beschädigt war, musste es mit einem Stückchen Leopardenfell ausgestopft werden, weil gerade kein Tigerfell verfügbar war.

Die Ausstrahlung der Fernsehproduktion "Dinner for One oder Der 90. Geburtstag" von 1963 an Silvester ist in Deutschland legendär. Jeder verbindet es mit typisch britischem Humor. In England dagegen würde kaum jemand "Dinner for One" kennen, so Peters.

Beatles und Rolling Stones in der DDR

Trommelfell von Ringo Starrs Bass Drum. Die Beatles starten Anfang der 1960er Jahre ihre Weltkarriere.
Trommelfell von Ringo Starrs Bass Drum. Die Beatles starten Anfang der 1960er Jahre ihre Weltkarriere. Bildrechte: Stiftung Haus der Geschichte/Axel Thünker

Dass die Ausstellung in Bonn ein großer Erfolg war, lag sicher auch daran, dass der Nordwesten Deutschlands britische Besatzungszone war. Auf die Frage, ob die Ausstellung in Leipzig genauso gut funktionieren könne, sagte Christian Peters, dass sicher die Ausstrahlung der britischen Popkultur bis in die DDR hinein von besonderem Interesse sei. Beatfieber, die Begeisterung für die Beatles und Rolling Stones habe es auch im Osten gegeben – auch wenn das die SED damals unterdrücken wollte.

Wer war zuerst am Pool? Ewiger Streit zwischen Briten und Deutschen zur Freude der Boulevardpresse
Wer war zuerst am Pool? Ewiger Streit zwischen Briten und Deutschen zur Freude der Boulevardpresse Bildrechte: Stiftung Haus der Geschichte/Axel Thünker

Informationen zur Ausstellung Very British
Ein deutscher Blick

im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig
Grimmaische Straße 6

Zu sehen bis 11.04.2021

Dienstag–Freitag
09.00–18.00 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertag
10.00–18.00 Uhr

Eintritt: frei

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. Oktober 2020 | 12:10 Uhr