Treffen für junge Autorinnen und Autoren Schauspiel Leipzig veranstaltet 4+1-Festival digital

Bereits zum vierten Mal findet das Festival 4+1 in Leipzig statt, ein Treffen junger Autorinnen und Autoren. Aufgrund des Corona-Virus wird es 2020 digital ausgetragen, vom 22. bis zum 27. Juni. Schreibschulen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben für den Wettbewerb szenische Texte eingereicht. Gelesen werden sie von Schauspielerinnen und Schauspielerin auf der Bühne des Schauspiels Leipzig. Und das wird live ins Netz übertragen. Marleen Ilg, die Leiterin des Festivals, im Interview.

Eine Studentin sitzt am Schreibtisch, vor ihr ein Laptop und Unterlagen.
Die Teilnahme am 4+1-Festival erfolgt diesmal im Streaming. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR KULTUR: Welche Autorinnen und Autoren kann man beim 4+1-Festival erwarten?

Marleen Ilg: Das sind alles junge Autorinnen und Autoren, die sich noch im Studium befinden, teilweise an ganz unterschiedlichen Stellen ihrer Karriere oder Laufbahn. Teilweise wirklich frisch an den Schulen – und teilweise auch schon in sehr professionellen Zusammenhängen, selbst inszenierend oder auch schon mit eigenen uraufgeführten Texten.

Die Auswahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer fand durch die Schulen statt. Auf Rücksprache mit den Dozentinnen und Dozenten wurden pro Schule vier Autorinnen und Autoren für die Teilnahme ausgesucht. Dementsprechend haben wir jetzt 24 Texte, und in diesem Jahr sogar 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, weil aus Wien beispielsweise auch ein Autorenduo dabei ist. Das ist schön, weil das vielleicht auch noch mal den Blick öffnet, dass Schreiben nicht notwendigerweise allein im stillen Kämmerlein stattfinden muss.

Es gibt also 24 Texte. Können Sie Themen festmachen, die in diesem Jahr besonders zur Geltung kommen?

Insgesamt kann man auf jeden Fall sagen, dass die Texte wirklich sehr divers und unterschiedlich sind. Und in diesem sehr breiten Feld an Themeninhalten würde ich ungefähr drei Themenfelder ausmachen: Das eine sind queer-feministische Inhalte. Dieses Feld ganz unterschiedlich: Kritik an männlich dominierter Geschichtsschreibung bis Sensibilisierung für nonbinäre, Geschlechtsidentitäten, spezifisch weibliche oder vorwiegend weibliche Themen wie Abtreibung und die Tabuisierung davon.

Dann vielleicht als zweites Themenfeld auf der Individuenebene die Frage nach dem Leistungprinzip und nach Selbstoptimierung. Also, welche Erwartungen stellt die Gesellschaft an uns? Und wie gehen wir damit um? Und was macht das dann mit uns untereinander?

Was dann zu dem dritten Themenblock Gesellschaft führen würde, und da verhandeln viele Texte wirklich sehr globale Themen im Sinne von: wir als Gesellschaft im Hinblick auf Konsumkultur, Stichwort "Wegwerfgesellschaft", der Klimawandel natürlich, Medienkritik, die Verwertung von Sensationen beispielsweise. Und auch relativ klassische Fragen, wie politische Repräsentation.

Das Festival findet in diesem Jahr digital statt. Wie kann sich da das Publikum abbilden?

Es gibt die Möglichkeit für das Publikum, sich mit Fragen am Nachgespräch zu beteiligen oder Kommentare an uns zu schicken, die dann der moderierende Kollege mit in das Gespräch mit den Autorinnen und Autoren hineinnehmen wird. Das wird dann immer im Anschluss an die vier gelesenen Texte stattfinden.

Das heißt also die Autoren werden selber auch zugeschaltet sein?

Genau!

Was steht am Ende des Festivals?

Tatsächlich steht bei diesem Festival – deswegen heißt es auch ein "Treffen junger Autor*innen" – wirklich das Zusammentreffen und der Werkstattcharakter im Vordergrund. Es gibt also nebenbei für die Autorinnen und Autoren, für die Teilnehmenden, ein Workshop-Programm. Und es geht eigentlich vordergründig darum, sich über die Texte auszutauschen.

Und auch wir verstehen uns da vielleicht viel mehr als Plattform, als Angebot für die Autorinnen und Autoren, ihre eigenen Texte auf einer Bühne auszuprobieren und mit uns ins Gespräch zu kommen. Und obwohl wir uns natürlich bemühen, dass der Text im Vordergrund steht, und ihn möglichst neutral zu transportieren, gibt es natürlich nicht keine Interpretation. Es ist immer eine Lesart. Und darüber ins Gespräch zu kommen – auch schon auf einem digitalen Probenbesuch im Vorhinein – da freuen wir uns schon sehr!

Das Interview hat Julia Hemmerling für MDR KULTUR geführt.

Kultur und die Corona-Krise

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. Juni 2020 | 17:40 Uhr