Village People
Village People - die Boygroup wurde von dem Musikproduzenten Jacques Morali gecastet Bildrechte: imago/United Archives International

Vor 40 Jahren Wie Village People mit dem Disco-Kracher "Y.M.C.A." einen Riesenhit landeten

Der Song "Y.M.C.A." von Village People dürfte heute auf einer Party, die die Disco-Ära hochleben lässt, kaum fehlen. Mit ihm tanzten die als Cowboy, Bauarbeiter oder Indianer verkleideten Musiker in aller Welt in die Charts – und landeten in Deutschland damit am 14. Januar 1979 sogar auf Platz Eins. Erfolg, mit dem sogar die "Boygroup" selbst nie gerechnet hätte.

von Thomas Hartmann, MDR KULTUR

Village People
Village People - die Boygroup wurde von dem Musikproduzenten Jacques Morali gecastet Bildrechte: imago/United Archives International

Ein Cowboy, ein Bauarbeiter, ein Indianer, ein Typ in Leder und ein Soldat – sie bilden zusammen im Video den tanzenden Background-Chor bei Village People und ihrem Hit "Y.M.C.A.". Davor agiert ein Polizist. Kein echter natürlich! Alles Kostüm! Vielleicht hätte man Village People später eine Boygroup genannt, später, als es schick wird, von Boygroups zu sprechen. Vielleicht aber auch nicht: Denn bei der Gründung der Band hat man die für eine Boygroup so wichtigen weiblichen Fans gar nicht auf dem Schirm:

Ich dachte nie daran, dass wir beim normalen Publikum Anklang finden würden. Ich wollte nur etwas für den Schwulenmarkt herausbringen.

Jacques Morali, Musikproduzent von Village People

Eine Kostümparty mit Folgen

Der 1947 geborene Jacques Morali komponiert im Frankreich der späten 60er-Jahre für das Varieté und bringt auch selbst eine Single heraus. Seine Zukunft sieht Morali jedoch in den Staaten. Dort arbeitet er u.a. mit der Ritchie Family zusammen. Eines Abends landet er, so geht eine Geschichte, in einem Schwulenclub bei einer Kostümparty. Danach weiß er, dass dieser inspirierende Ball als Band inszeniert werden muss. Ihm wurde klar, "dass Homosexuelle überhaupt keine Gruppe hatten, mit der sie sich identifizieren konnten."

Für das erste Album von 1977, das einfach "Village People" heißt, benötigt Morali noch nicht viel mehr als die Idee und Sänger Victor Willis – eine wirkliche Band existiert noch gar nicht. Erst als das Vinyl zum veritablen Hit avanciert und an der Präsentation gewerkelt werden muss, nimmt das Projekt Formen an. Per Annonce sucht man nach Machotypen, die tanzen können und einen Bart tragen müssen. Original-Cowboy Randy Jones erinnert sich: "Wir gingen da rein und dachten, es kann funktionieren, es kann auch nicht funktionieren. Für uns klang das irgendwie albern. Du steckst im Kostüm eines Cowboys, eines Bauarbeiters oder eines Motorradfahrers und singst 'Macho Man'. Würdest Du dem eine lange Lebensdauer geben?"

Village People
Die Village People treten bis heute auf, wenn auch in veränderter Besetzung. Bildrechte: imago/Photopress Müller

Es lebe die Liebe!

"Macho Man" ist das zweite Album von Village People, das dritte Album, "Cruisin'", erscheint 1978 und enthält den Dauerbrenner "Y.M.C.A.". Fast ein Vierteljahr führt der Song die westdeutschen Single-Charts an, nur kurz unterbrochen von Boney M.

Gefeiert wird, so glauben viele, mit der Y.M.C.A. (Young Men's Christian Association) eine Organisation, die sich selbst die "Schaffung einer Welt" auf die Fahnen geschrieben hat, "in der die Beziehungen der Menschen durch Liebe und Verständnis gekennzeichnet" sind. Andere, die Eingeweihten, wissen mehr: gefeiert wird genauso ein Ort, an dem es für Schwule einigermaßen unkompliziert ist, an Sex zu kommen.

So groß die Popularität der Band zu "Y.M.C.A."-Zeiten ist, lange hält sie auf dem Niveau nicht mehr an. Village People liefern noch "In The Navy" und "Can't Stop The Music" ab, dann ist die Goldene Ära der Band Geschichte. Was nicht heißt, dass man nun aufhört. Village People sind – in veränderter Besetzung – noch heute unterwegs und haben sich zum letzten Weihnachtsfest sogar ein neues Album gegönnt: "A Village People Christmas".

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kalenderblatt | 14. Januar 2019 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2019, 04:00 Uhr