Interview Volker Schlöndorff: "Literatur ist mein Lebenselixier"

Regie-Legende Volker Schlöndorff setzte mit Filmen wie "Die Blechtrommel" und "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" Literatur-Bestsellern ein Denkmal. Ihm sebst wäre das Schriftdarsteller-Dasein zu einsam gewesen, erzählt er im Interview.

Nicht der Film, sondern die Literatur ist das Lebenselixier Volker Schlöndorffs. Das gestand der Erfolgs-Regisseur im Gespräch mit MDR KULTUR. Er habe seit seiner Kindheit viel gelesen, damals häufig auch Stoffe, für die er eigentlich noch nicht reif gewesen sei. "Ich habe in einem Ohrensessel aus Familienbesitz gesessen. Wenn dann der Vater vorbei kam, wenn ich mit 14 Jahren Schopenhauer las, hat er immer den Kopf geschüttelt." Die Literatur als Entdeckung der Welt war Schlöndorff immer wichtig:

Wie leben die anderen? Und was heißt es überhaupt zu leben? Das ist mir geblieben - ein Leben lang. Neben dem Laufen im Wald, ist das Lesen mein Lebenselixier.

Eingeschüchtert von den Großen

In seiner Zeit als Student in Paris habe er auch versucht selbst zu schreiben, vor allem Kurzgeschichten. Doch die Profession Schriftsteller kam Schlöndorff nie in den Sinn: Das Schreiben sein ihm eine zu einsame Beschäftigung gewesen. Er habe nie die Geduld gehabt, sich "hinzusetzen, zu schreiben und das Gefühl zu haben, dass währenddessen draußen vor dem Fenster das Leben weiter geht." Doch am meisten hielt ihn der Respekt ab: "Ich habe zu früh angefangen zu lesen, um dann noch zu schreiben", meint er lachend. Er sei zu eingeschüchtert von den großen Literaten gewesen. Er habe gedacht: "So gut wie die, die du liebst, kannst du gar nicht werden."

Dieses Gefühl habe er in Bezug auf den Film, trotz großer Vorbilder, nie gehabt. Und so setzte Schlöndorff der Literatur lieber Film-Denkmäler – wie "Die Blechtrommel" nach Günter Grass. Für die Verfilmung aus dem Jahr 1979 erhielt er zahlreiche Auszeichnungen – darunter die Goldene Palme von Cannes, den Oscar als bester fremdsprachiger Film und den Deutschen Filmpreis. Auch den Roman "Homo Faber" von Max Frisch, "Tod eines Handlungsreisenden" von Arthur Miller oder "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" von Heinrich Böll verfilmte er. Mit Frisch und Grass verband Schlöndorff ein enge Freundschaft. Er fährt noch heute den Jaguar 420, den ihm Frisch nach seinem Tod vermachte.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR Café | 21. Juni 2020 | 12:00 Uhr