Charité-Empfehlung Sind volle Konzerte trotz Corona möglich?

Ein umstrittenes Konzept der Charité sagt, dass volle Klassikkonzerte möglich wären, wenn alle Masken tragen. An den Theatern in Magdeburg und Dessau-Roßlau sieht man das skeptisch, doch in der Weimarhalle könnte es klappen.

Zuschauerraum der Deutschen Staatsoper Berlin
Werden volle Konzertsäle bald wieder möglich sein? Bildrechte: IMAGO

Volle Klassikkonzertsäle in Zeiten von Corona? Das Institut für Epidemiologie der Charité hat dazu ein Konzept vorgelegt, das durchaus umstritten ist. Es besagt, dass volle Klassikkonzertsäle möglich wären bei gleichzeitiger Maskenpflicht. Unter der Maßgabe, dass ein Mund-Nasen-Schutz von allen Besuchern korrekt getragen wird, "ist eine Vollbesetzung der Sitzplätze möglich", hieß es in der "Stellungnahme zum Publikumsbetrieb von Konzert- und Opernhäusern während der Covid-19 Pandemie“.

"Viele wollen Masken ablegen"

Das Opernhaus des Theaters Magdeburg, in Magdeburg (Sachsen-Anhalt)
Opernhaus des Theaters Magdeburg Bildrechte: dpa

Im Theater Magdeburg ist man erst einmal skeptisch. "Wir wissen, dass bei dem Publikum die Maskenpflicht nicht allzu gut funktioniert und doch viele gerne die Maske dann auch ablegen möchten", sagt Christine Villinger vom Theater Magdeburg. Insofern sei sie einfach skeptisch, ob das Publikum die Maskenpflicht tatsächlich so mitmachen würde. "Wir würden uns natürlich sehr wünschen, wenn mit der nächsten Eindämmungsverordnung eine erhöhte Platzanzahl möglich wäre. Angesichts der derzeitigen Zahlen sehen wir es skeptisch, dass das kommt." Der Charité-Empfehlung könnten sie wirklich erst folgen, wenn das Grundlage der Eindämmungsverordnung werden würde, betonte Villinger. Das Theater Magdeburg besetzt derzeit nur etwa ein Drittel der Plätze.

Gute Klimaanlage in Weimar

Benefizkonzert Bundespräsident Gauck Weimarhalle Weimar
Die Weimarhalle ist hoch Bildrechte: MDR/Katrin Fischer

Auch in der Weimarhalle können unter Einhaltung der in Thüringen geltenden Corona-Vorschriften nur 250 von den 1200 möglichen Plätzen der Weimarhalle besetzt werden. Geschäftsführerin Ulrike Klöppel hofft auf Neuregelungen und unterstützt dabei den Vorschlag zweier Institute der Berliner Charité. "Für die Veranstaltungskapazitäten planen wir im Moment noch mit Abstandsregeln – also wir lassen Sitze frei und geben Familiensitze aus, wo es das Ticketing erlaubt", erklärt Klöppel. "Wir sind aber trotz allem auch auf andere Varianten eingestellt. Die Weimarhalle verfügt über eine Frischluft-Klimaanlage und überall da, wo es hohe Lufträume gibt – die Weimarhalle hat eine Deckenhöhe von über zehn Metern – da kann man tatsächlich relativ sicher sein, dass die zur Belastung führenden Aerosole gut ausgetauscht werden."

"Einfach momentan nicht angebracht"

Außenaufnahme Anhaltisches Theater in Dessau-Roßlau
Anhaltisches Theater in Dessau-Roßlau Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Das sieht in Dessau-Roßlau anders aus. Das Risiko von vollen Konzertsälen sollten wir nicht eingehen, meint der Generalmusikdirektor des Anhaltischen Theaters Dessau-Roßlau, Markus L. Frank, und mahnt dass die Pandemie nicht vorbei sei. "Es ist einfach momentan nicht angebracht mit so vielen Menschen eng zusammen zu sitzen. Abgesehen vom Maskentragen. Es muss ein ordentlicher Luftaustausch gewährleistet sein, eine moderne Lüftungsanlage mit speziellen Filtern. Aber ganz ehrlich, wo gibts die denn?", fragt er. Letztendlich sei für ihn maßgeblich, was vor Ort möglich ist. "Und das heißt momentan: kleinere Orchesterbesetzung, wir müssen auf der Bühne mit Abstand sitzen und das Publikum muss eben auch mit Abstand im Zuschauerraum sitzen. Das sind wir unserem Publikum auch schuldig. Wir tragen als Theater doch eine Verantwortung. Die wollen doch sicher gehen, dass bei uns alles getan wird, dass Sie wieder sicher nach Hause kommen und das ist jetzt momentan einfach das Maß der Dinge."

Grundlage zur Diskussion

Inzwischen hat sich die Charité-Führung von dem Papier distanziert. Das Papier sei daher nicht als Handlungsvorschlag, sondern als Grundlage einer weiteren kritischen Diskussion zu betrachten. Kulturstaatsministerin Monika Grütters hatte den Vorschlag unterstützt. Sie meint: bisherige Abstandsregelungen seien ein Hemmschuh, um Veranstaltungen wirtschaftlich zu betreiben.

Mehr zu Konzerten trotz Corona

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kulturnachrichten | 20. August 2020 | 09:30 Uhr