Neue Ausstellung Wie an der Wartburg die Musiktradition Thüringens begann

Die Wartburg in Eisenach ist als Ort der Musik bekannt, zum Beispiel wenn dort im Rahmen des MDR Musiksommers Konzerte stattfinden. Aber die musikalische Historie des UNESCO-Weltkulturerbes begann schon viel früher. Die Ausstellung "Im Bann des Genius Loci" beschäftigt sich nun direkt auf der Burg mit dieser Geschichte, die vom Minnegesang über Hitler-Deutschland, die DDR bis heute reicht.

Klassische Burgansicht von der Schanze
Die Wartburg in Eisenach Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Stolz thront die Wartburg über Eisenach. Sehnsuchtsort der Deutschen spätestens seit dem Beginn der Romantik. "Man könnte jetzt ein bisschen vermessen sagen – die Musiktradition Thüringens beginnt an der Wartburg", sagt Burghauptmann Günther Schuchhardt. "Nämlich im Mittelalter. Nämlich mit dem Hof Landgraf Hermanns des Ersten, spätestens. Und natürlich mit dem sagenhaften Sängerkrieg, der hier stattgefunden haben soll. Und wenn man sich an der Geschichte der Burg entlanghangelt, wird man feststellen, dass Musik immer schon eine große Rolle gespielt hat. Und das versuchen wir in dieser Ausstellung auch exemplarisch zu zeigen."

Beginn beim Minnegesang

Journalisten betrachten Musikinstrumente und andere Ausstellungsstücke bei einem Presserundgang durch die Ausstellung 'Im Bann des Genius Loci - Die Wartburg und die Musik'.
Musikinstrumente in der Ausstellung Bildrechte: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

Es ist ein intensiver und spannender Ritt durch die Jahrhunderte, der in der recht kleinen Ausstellung unternommen wird. Sie beginnt zeitlich beim Minnegesang von Walter von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach und geht auch auf den sagenumwobenen Sängerkrieg ein.

Sie widmet sich dann ausführlicher dem Treiben auf der Burg ab dem 19. Jahrhundert. Hier geht es etwa um das erste Wartburgfest 1817, bei dem die Musik eine große Rolle spielte. "Es war eine Massenveranstaltung, das ist klar", sagt Kuratorin Grit Jacobs. "Es waren über 500 Studenten, begleitet auch von vielen Eisenachern, die mit auf die Wartburg gezogen sind. Man hat das Ganze im Festsaal begangen, der noch keineswegs so prächtig war, wie er uns heute entgegenkommt. Und zur Versammlung im Festsaal erklang als erstes 'Eine feste Burg ist unser Gott' von Luther."

Wagner und Liszt

Doch nicht nur auf der Burg wurde musiziert, sondern auch über sie. Richard Wagner erblickte das Bauwerk auf einer verregneten Rückreise von Paris nach Dresden – ein derart inspirierender Anblick, der in seiner Tannhäuser-Oper ihr kreatives Ergebnis fand. Und Franz Liszt verhalfen einige Fresken auf der Burg zu seinem Oratorium "die Legende von der heiligen Elisabeth": "Wenn man das Werk hört, könnte man dazu tatsächlich an Moritz von Schwindts Fresken vorbeiziehen", meint Jacobs. "Denn es ist tatsächlich gegliedert wie die Malereien in der Elisabethgalerie."

Nationalsozialismus und DDR-Begegnungen

Auftritt der Gruppe Vagabund aus Weimar bei den elften Wartburgtagen der Arbeiterjugend im Mai 1987
Auftritt der Gruppe Vagabund aus Weimar bei den elften Wartburgtagen der Arbeiterjugend im Mai 1987 Bildrechte: Wartburg "Im Bann des Genius Loci"

Die Ausstellung macht deutlich: In der Geschichte wurde die Wartburg immer wieder musikalisch verehrt, emporgehoben und für ganz unterschiedliche Zwecke auch politisiert. Im Nationalsozialismus etwa traf man sich hier zu den Wartburg-Mai-Treffen, spielte Wagner und Bach und stellte sie direkt neben Adolf Hitler als die großen Lehrer der Deutschen dar.

Zu Beginn der DDR dann die Umdeutung: In den 1950er-Jahren fanden hier riesige deutsch-deutsche Chorveranstaltungen statt, auf denen der Wunsch nach Einheit besungen wurde. "Wir haben es geschafft, einige wenige dieser Teilnehmer noch ausfindig zu machen und mit ihnen zu sprechen. Und die haben dieses Gefühl sehr deutlich bestätigt", sagt Jacobs. "Es gab diese Begegnung fernab der Politik, fernab des Repertoires eines ostdeutschen Chors, der immer linientreue Lieder neben dem Volkslied darzubieten hatte. Es waren wirklich eindrucksvolle Begegnungen und Freundschaften, die zum Teil ein Leben lang gehalten haben."

Heute noch ein einzigartiger Ort

Natürlich spielt die Musik auf der Wartburg auch heute noch eine große Rolle. Die traditionsreichen Wartburg-Konzerte locken Musikerinnen und Musiker verschiedener Genres an, wie etwa Ragna Schirmer oder Hans-Eckardt Wenzel, die in der Ausstellung auch zu Wort kommen und verraten, wie es sich anfühlt, an diesem einzigartigen Ort zu spielen.

Mehr Infos zur Ausstellung Die Ausstellung "Im Bann des Genius Loci" läuft vom 17. Mai 2020 bis 31. Januar 2021
Die Besichtigung ist unter strengen Hygieneauflagen täglich von 11.00 bis 15.00 Uhr möglich (letzter Einlass: 14.00 Uhr). Ein Besuch ist nur mit Mund- und Nasenschutz gestattet.

Adresse: Auf der Wartburg 1, 99817 Eisenach

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. Mai 2020 | 07:10 Uhr