Bjarne Mädel in seiner Rolle als Heiko "Schotty" Schotte
Am 19. Dezember läuft die letzte Folge von "Der Tatortreiniger". Bildrechte: imago/Revierfoto

Serien-Aus Warum "Der Tatortreiniger" fehlen wird

Nach 31 Folgen hört "Der Tatorteiniger" auf. Die Serie mit Bjarne Mädel ist eine der besten, die das deutsche Fernsehen in letzter Zeit hervorgebracht hat, denn sie vereint Witz und Weisheit. Am 19. Dezember läuft nun die letzte Folge. Die Würdigung einer Ausnahme-Serie.

von Juliane Streich, MDR KULTUR

Bjarne Mädel in seiner Rolle als Heiko "Schotty" Schotte
Am 19. Dezember läuft die letzte Folge von "Der Tatortreiniger". Bildrechte: imago/Revierfoto

Ein Mann putzt Leichenreste weg, schrubbt Blutflecken aus Teppichen und räuchert am Ende den ganzen Raum aus. Soweit die wiederkehrende Handlung des Tatortreinigers. Wer will das sehen?

Das fragten sich wohl auch die Verantwortlichen beim NDR. Als Heiko "Schotty"  Schotte 2011 zum ersten Mal ins Fernsehen durfte, versteckte ihn der Sender NDR noch im Nachtprogramm, ohne groß auf ihn hinzuweisen, so dass ihn gerade mal 50.000 Menschen sahen. Doch die wenigen waren begeistert. Es gab Proteste gegen den Sendeplatz, einen Hype im Internet und der Tatortreiniger putzte daraufhin im Abendprogramm den Mordsdreck weg.

Ein naiv-ehrlicher Gesprächspartner

Bjarne Mädel in seiner Rolle als Heiko "Schotty" Schotte
Bjarne Mädel als Heiko "Schotty" Schotte. Bildrechte: imago/Revierfoto

Dass die Geschichte des Reinemachens so einen Anklang fand, liegt an der Hauptfigur Schotty. Ein einfacher Mann, der sich selbst auf keinen Fall als Putzmann verstanden wissen will. "Das wäre ja so, wie wenn man sagen würde, ein Pilot ist einfach nur ein fliegender Busfahrer", schimpft er. Denn Schotty ist nicht einfach eine Reinigungskraft, sondern vor allem ein sehr guter Gesprächspartner. Jedes Mal trifft er in seinem Job auf Hinterbliebene, mit denen er wahlweise ihre privaten Probleme oder die der Gesellschaft diskutiert. Manchmal packt er währenddessen sein Leberwurstbrot aus. Manchmal klingelt sein Telefon mit der Tatort-Melodie als Klingelton. Manchmal flucht er, manchmal versucht er sogar zu flirten.

Der philosophische "Prollo"

Schotty ist der Prollo von nebenan. Er trägt Goldkettchen, guckt gern Fußball (am liebsten HSV) und trinkt am liebsten Bier. Dass er so liebenswürdig rüberkommt, liegt an seinen naiven Fragen, die meist klüger sind als von manchem Intellektuellen, und an seinen pragmatischen Ratschlägen, mit denen er sich nicht über seine Gesprächspartner erhebt – egal ob er mit einer Prostituierten, einer rollstuhlfahrenden Veganerin oder einem hygienesüchtigen Ordnungsfanatiker zu tun hat. Philosophie trifft hier auf Comedy, Psychologie auf Alltagsdrama – jede halbstündige Folge ist ein eigenes Kammerspiel.

Oft muss Schotty in den Gesprächen seine Vorurteile hinterfragen, ein Lerneffekt auf Augenhöhe ohne erhobenen moralischen Zeigefinger. Schotty ist ein guter Mensch, ohne dass jemand auf die Idee käme, ihn Gutmensch zu nennen.

Eingespieltes Team

Dass dieses Szenario in 31 Folgen so unterhaltsam wie vielseitig ist, liegt an dem gesamten Team, das hinter der Serie steckt und vorher bereits mit "Stromberg" Erfolge feierte: Drehbuchautorin Mizzy Meier denkt sich immer wieder eine neue Welt aus, in die Schotty mit seinem kleinen Lieferwagen samt Duftbaum reingerät. Dabei schafft sie es, dass trotz wahnwitziger Anekdoten die Charaktere realistisch bleiben.

Beeindruckendes Schauspieler-Ensemble

Hauptdarsteller Bjarne Mädel, der zuvor eher Dummchen – z. B. in "Mord mit Aussicht" – spielte, mimt den Hamburger Arbeitertyp so überzeugend, dass er sich selbst darüber beschwerte, dass es heiße, die Rolle sei ihm auf den Leib geschrieben. Auch die Figuren, auf die er trifft, sind hochkarätig besetzt und überzeugend: Ob es Sandra Hüller als weltverbessernde Schwangere ist, Matthias Brandt als hysterischer Hausherr oder Milan Peschel als verrückter Schamane.

Der Tatortreiniger
Bjarne Mädel mit Gast-Darsteller Matthias Brandt. Bildrechte: imago/Future Image

Regisseur Arne Feldhusen inszeniert jede Folge mit der Freude am Detail und denkt sich auch jedes Mal mit Kameramann Kristian Leschner ein neues Konzept aus. Die Musik hat Carsten Meyer komponiert, der in seinem anderen Leben als "Erobique" durch die Welt tourt und dessen Vorspannmelodie sofort für entspannte Laune sorgt.

Eine Serie, die fehlen wird

Im Großen und Ganzen und auch im ganz Kleinen zeigt die Serie "Der Tatortreiniger", wie lustig deutsches Fernsehen auch ohne flache Lacher sein kann und wie klug, ohne anstrengend zu werden. Diese Mischung aus Weisheit und Witz gibt es leider so selten, dass der Tatortreiniger fehlen wird.  Eine Serie, die nicht massentauglich sein wollte, und genau deswegen die Massen erfreute.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. Dezember 2018 | 11:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Dezember 2018, 18:10 Uhr

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