Die Taube als Symbol des Heiligen Geistes im Schirmgewölbe über dem Altarplatz der evangelische Pfarrkirche von Krummenhennersdorf
Die Taube gilt als Symbol des Heiligen Geistes Bildrechte: dpa

Feiertag Was feiern wir Pfingsten?

Pfingsten beschert uns alljährlich einen Feiertag. Doch nur wenige wissen, was zu Pfingsten überhaupt gefeiert wird. MDR KULTUR hat mit dem Theologen, Schriftsteller und Kabarettisten Fabian Vogt gesprochen. Er hat über die Feiertage ein Buch geschrieben: "Die Feiertage. Ein kleines Handbuch der christlichen Feste".

Die Taube als Symbol des Heiligen Geistes im Schirmgewölbe über dem Altarplatz der evangelische Pfarrkirche von Krummenhennersdorf
Die Taube gilt als Symbol des Heiligen Geistes Bildrechte: dpa

MDR KULTUR: Was feiern wir eigentlich im Sinne von Pfingsten?

Fabian Vogt: Pfingsten gilt ja als Geburtstag der Kirche. Man kann sagen: das ist im Grunde der größte Stimmungsumschwung der Weltgeschichte. Die ganzen Jünger, die nach Himmelfahrt ganz traurig und unsicher und ziellos waren, erleben etwas, das sie völlig auf den Kopf stellt. Die, die eben noch ängstlich waren, springen nach draußen, sind mutig und begeistert. Das Wort "Begeisterung" kommt ja auch vom heiligen Geist. Und deswegen erzählt man heute, Pfingsten war quasi die Ausschüttung des heiligen Geistes Gottes, der die Menschen zusammengebracht hat und ihnen Mut gemacht hat, die Welt zu verändern.

Gibt es auch eine säkulare Übersetzung der Pfingstbotschaft? Wenn man keine begeisterte Beziehung zum heiligen Geist hat? Hätten Sie da eine Interpretation parat?

Natürlich ist Begeisterung für jeden Menschen was Spannendes und wer schon einmal an einem Projekt gearbeitet hat, weiß, in dem Moment, wo ich die Begeisterung verliere, wird auch das Projekt nicht gelingen. Insofern ist das Thema Begeisterung an sich relevant, auch wenn man vielleicht gar nicht klären will, woher diese Begeisterung genau kommt.

Also, wir halten Fest: Pfingsten, das Fest der Begeisterung an sich.

Auf jeden Fall, genau!

Wunderbar! Sie haben bestimmt eine Theorie dazu, dass Menschen tatsächlich Feiertage brauchen. Warum sollten nicht einfach freie Tage reichen?

Eines der Bilder auf dem Flügelaltar der Dorfkirche Stürza (Kirchenbezirk Pirna) in Sachsen zeigt Pfingsten, die ausschuettung des Heiligen Geist auf Maria und die Jünger
Der Flügelaltar der Dorfkirche Stürza in Sachsen zeigt Pfingsten mit der Ausschuettung des Heiligen Geist auf Maria und die Jünger. Bildrechte: dpa

Das bewusste und schöne an Festen - und Menschen feiern ja seit Jahrtausenden Feste - ist, dass sie ein Gegensatz zum Alltag sein wollen. Also nicht nur Freizeit sondern auch Zeit, um den wesentlichen Fragen des Lebens auf den Grund zu gehen. Und das haben sie auch schon immer getan. Und vieles davon spiegelt sich eben auch so in unserem Festzyklus wider. Es ist einfach klug, wenn ein Mensch im Leben sich zum Beispiel Gedanken macht: "Wofür bin ich dankbar?" - dafür gibt's Erntedank, oder sich fragt, "Wo hab ich auch Dinge falsch gemacht?" - dafür gibt’s den Buß- und Bettag, oder sich überlegt, "Wie gehe ich eigentlich mit meinem eigenen Sterben um?" - und dafür gibt’s den Ewigkeitssonntag.

In unseren Feiertagen spiegeln sich große, existentielle Themen und das finde ich so schön an ihnen.

Fabian Vogt

Wenn wir an den Feiertagen einfach nur so feiern, entgeht einem da eine Menge? Wenn man den Sinn der Feiertage ignoriert?

Ich glaub schon. Als Theologe rede ich natürlich auch gern über die christlichen Feiertage. Da ist für mich das Faszinierende, dass wir im Verlauf eines Jahres ja im Grunde einmal das ganze Leben durchfeiern, von der Geburt und dem Neuanfang des Lebens an Weihnachten bis zum Totensonntag kommen so alle großen Fragen vor. Ein Mensch, der sich einmal im Jahr Gedanken über die großen Fragen macht, lebt vermutlich ein bisschen bewusster und zielstrebiger.

Gibt es denn einen Brauch in Zusammenhang mit Pfingsten, der tatsächlich christlich motiviert ist und der heute in unserer ja eher säkularen Weise, mit Pfingsten umzugehen völlig in Vergessenheit geraten ist? Wo Sie sagen würden, daran könntet ihr euch mal wieder erinnern, damit ließe sich wirklich was anfangen, das wäre wirklich bereichernd.

Um ehrlich zu sein ist Pfingsten da wirklich das Fest mit den wenigsten festgelegten Bräuchen. Insofern ist es gar nicht so leicht, irgendwas zu benennen.

Warum ist das eigentlich so?

Das hat verschiedene Gründe. Einer ist, dass, wenn wir vom heiligen Geist reden, das immer so schwer zu fassen ist. Und dann ist natürlich das Pfingstfest auch irgendwie ein Feiertag, der sich auch gegen das Gewohnte stemmt und Dinge auch aufbrechen will. Und das ist ganz schwer. Wie soll man sowas feiern? Also, der Heilige Geist kommt und macht was mit den Menschen und lädt sie ein, die Dinge neu zu denken. Das kann man ganz schwer gestalten. Schade eigentlich.

Das Interview führte Carsten Tesch für MDR KULTUR

Cover: Die Feiertage. Ein kleines Handbuch der christlichen Feste
Bildrechte: Evangelische Verlagsanstalt

Buchempfehlung Fabian Vogt: "Die Feiertage. Ein kleines Handbuch der christlichen Feste"

144 Seiten, Paperback, 10 Euro
ISBN 978-3-374-05309-4
Evangelische Verlagsanstalt

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. Mai 2018 | 15:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Mai 2018, 01:00 Uhr