Ostmoderne Was wird aus der Robotron-Kantine in Dresden?

Nach Dresdens gescheiterter Kulturhauptstadtbewerbung ist unklar, was mit der sogenannten Robotron-Kantine in bester Innenstadtlage passieren soll. Sie war das Leitprojekt der Bewerbungskampagne, eine Art Kultur- und Wissenschaftspalast und Begegnungsort sollte hier entstehen. Der Kauf der Immobilie für 2,7 Millionen Euro war längst beschlossen. Doch wegen der Corona-Krise hat der Stadtrat das Projekt nun erstmal verschoben. Verschiedene Akteure kämpfen für den Erhalt des markanten Relikts der DDR-Architektur.

Robotron Kantine in Dresden
Die Zukunft der ehemalige Kantine von Robotron in der Dresdner Innenstadt ist ungewiss. Bildrechte: imago images/ddbd

Rathaus, Großer Garten, Hygienemuseum und Skateranlage – Mitten im Herzen von Dresdens Innenstadt liegt die ehemalige Robotron-Kantine, ein flaches, von Graffitti übermaltes Gebäude, Baujahr 1972, mit umlaufender Loggia, hellblauen Kachelfriesen, vielen eingeschlagenen Fenstern und einer großen und mehreren kleinen Freitreppen, die direkt in einen Park münden.

Ich glaube andere Städte würden uns um so einen Ort beneiden.

Ina Weise, Dresdner Künstlerin, Netzwerk Ostmodern

Ina Weise kam in den letzten Wochen öfter hierher, um zu fotografieren und eine Kampagne unter dem Hashtag "War da nicht noch was?" zu unterstützen, die der soziokulturelle Dresdner Konglomerat e.V. im letzten Monat gestartet. Denn für das Herzstück der einstigen Kulturhauptstadtbewerbung stehe es fünf vor 12. Die Dresdner Künstlerin arbeitet an der Bauhaus Uni Weimar und ist aktiv im Netzwerk Ostmodern, das in Dresden gegründet wurde und für den Erhalt bedeutsamer Bauwerke aus den Nachkriegsjahren kämpft: "Eigentlich erscheint es so eine einfache Möglichkeit, Dresden mal so eine Vorreiterposition zu geben, wie man mit Ostmoderne umgeht, wie man mit innerstädtischem Raum umgeht und mit gemeinwohlorientierter Stadtentwicklung umgeht."

Blicke auf die Robotron-Kantine in Dresden

Die ehemalige Kantine von Robotron.
Bildrechte: imago/Sven Ellger
Die ehemalige Kantine von Robotron.
Bildrechte: imago/Sven Ellger
Robotron-Kantine
Bildrechte: Carl Ahner
Robotron-Kantine
Bildrechte: Carl Ahner
Robotron-Kantine
Bildrechte: Marco Dziallas
Robotron-Kantine
Bildrechte: Marco Dziallas
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Einen Ort der Begegnung schaffen

Diese Ansicht teilen inzwischen viele, und quer durch Hoch- und Subkulturelle Institutionen in Dresden, wie die große Resonanz auf die Kampagne des Konglomerat e.V. beweist. Doch nicht nur in Dresden ist der öffentliche Raum im Stadtzentrum hart umkämpft. Hier entscheide sich die Zukunft von Stadtgesellschaften, so sieht es Architekt Till Schuster, der seit einem Jahr das Zentrum für Baukultur Sachsen leitet: "Wie wollen wir eigentlich leben? Ist Stadt nur Konsum und Tourismus? Klar, es ist genau so wichtig, aber wir müssen natürlich auch schauen, wie gehen wir mit den Problemen in der Zukunft um und wo können wir uns darüber austauschen, und zwar am besten vis-a-vis." Die einstige Robotron-Kantine wäre so ein Ort. Ein Ort, der jetzt schon gebraucht wird, wie sich am großen Interesse ablesen lässt.

Der Zeitpunkt zur Rettung ist jetzt

Der Dresdner Stadtrat hat im Juli beschlossen, ein Nutzungskonzept weiterzuentwickeln und vor den nächsten Haushaltsverhandlungen für 2023/24 nochmals vorzulegen. Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch: "Ich glaube es braucht die Zeit, auch angesichts der kommunalen Haushalte." Für Till Schuster wäre das zu spät: "In dem Zustand, wie es jetzt ist, darf es nicht länger stehen bleiben, sondern es muss jetzt was passieren und es muss vor dem Abriss geschützt werden." Auch Ina Weise befürchtet, dass es dann zu einer "sogenannten Vergammelungspolitik kommt, dass es dann nicht mehr zu retten ist."

War da nicht noch etwas? Ja, die Robotron-Kantine – ein potenzieller Ort für ein städtisches, bürgerschaftliches, kulturelles Experimentierfeld. Ein Gebäude, das Dresden vielfältiger machen könnte und einzigartig auch. Es Corona zu opfern, wäre das falsche Signal.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. September 2020 | 06:10 Uhr