Moritzburg eröffnet zweiten Teil der neuen Dauerausstellung In Halle wird DDR-Kunst aus dem Depot geholt

Bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten war die Moritzburg in Halle eines der bedeutendsten deutschen Museen für die Kunst der Moderne. Davon blieb nicht viel. Umso größer war die Freude, dass der private Sammler Hermann Gerlinger seine bedeutende "Brücke"-Sammlung 2001 als Leihgabe zur Verfügung stellte. 2017 zog er sie zurück. Das Museum machte aus der Not eine Tugend und konzentrierte sich auf die eigenen Bestände. Jetzt öffnet der zweite Teil der Dauerausstellung mit Kunst aus der DDR.

Selten noch wird Kunst aus DDR-Zeiten in einer Dauerausstellung vorgezeigt. Die Moritzburg Halle holt jetzt rund 100 Werke der bildenden und angewandten Kunst aus dem Depot. Museumsdirektor Thomas Bauer-Friedrich freut sich, diesen Teil der eigenen Bestände nun erstmals präsentieren zu können und das großflächig auf rund 400 Quadratmetern im 1. und 2. Obergeschoss des Nordflügels. Damit eröffnet am Sonnabend der zweite Teil der neuen Dauerausstellung "Wege der Moderne".

Rundgang durch eine Epoche

Den Auftakt der Präsentation bilden Arbeiten aus den späten 40er- und den frühen 50er-Jahren, als hallesche Künstler wie Herbert Kitzel, Erwin Hahs oder Gustav Weidanz nach NS-Zeit und Krieg einen künstlerischen Neuanfang suchten. Bauer-Friedrich zufolge konfrontiert die Schau im Kern anschließend sozialistisch-realistische Positionen mit Werken von Künstlern, die versuchten, mit internationalen Kunst-Entwicklungen hinter dem Eisernen Vorhang in Kontakt zu bleiben oder Positionen der Moderne in Opposition zur offiziellen Kunstdoktrin weiterzuentwickeln. Werke von Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer oder Willi Sitte sind so neben Arbeiten von Hermann Glöckner, Hans Ticha, Robert Rehfeld, A. R. Penck und Hartwig Ebersbach zu sehen. Mit Gemälden von Einar Schleef oder Eberhard Göschel führt die Präsentation schließlich bis in die Zeit kurz vor der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten 1990.

So können die Besucher nun die "Wege der Moderne" in der SBZ (Sowjetische Besatzungszone) / DDR von 1945 bis 1990 beschreiten und auch betrachten, welche Eigenheiten sich regional - etwa in den Werken hallescher Künstler - entwickelten. Überhaupt sei es das erste Mal in der Geschichte der Moritzburg, "dass wir auf einer adäquaten Fläche unsere eigenen Sammlungen präsentieren können", betont Bauer-Friedrich auch mit Blick auf den ersten Teil der neuen Dauerausstellung, der sich der Kunst aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts widmet und im September 2017 Westflügel eröffnet wurde.

Neustart nach dem Rückzug der Gerlinger-Sammlung

Bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten war die Moritzburg in Halle eines der bedeutendsten deutschen Museen für die Kunst der Moderne, also die zeitgenössische Kunst der Epoche. Davon blieb nicht viel. Umso größer war die Freude darüber, dass der private Sammler Hermann Gerlinger seine bedeutende "Brücke"-Sammlung 2001 als Leihgabe zur Verfügung stellte. Zu den mehr als 1.000 Einzelstücken gehörten Werke von Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff oder Max Pechstein. Nach 16 Jahren zog er sie im Frühjahr 2017 ab. Unstimmigkeiten über die Präsentation hatten zu der "Trennung im Einvernehmen" geführt. Auf den Rückzug folgte die Neukonzeption einer Dauerausstellung in zwei Teilen, die sich komplett aus den eigenen Beständen speisen sollte.

Stichwort: Die neue Dauerausstellung im Kunstmuseum Moritzburg Im September 2017 eröffnete der erste Teil der neuen Dauerausstellung im ersten Obergeschoss des Westflügels. Präsentiert werden die Werke dort entlang der politischen Systeme in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Kunst der Jahre 1900-1918 mit dem Schwerpunkt Expressionismus und Werken von Munch, Marc oder Nolde; Kunst der Jahre 1919-1933 mit den Schwerpunkten Neue Sachlichkeit und Abstraktion und Werken von Kandinsky oder Lissitzky, Kunst der Jahre 1933-1945, darunter nicht unumstritten auch Werke, die von den Nazis offiziell anerkannt waren, etwa von Werner Peiner. So soll sich die Museums- und Sammlungsgeschichte der Moritzburg vermitteln und gezeigt werden, wie die Direktoren in den unterschiedlichen gesellschaftlichen Systemen das Haus prägten.

Jetzt eröffnet der zweite Teil der Präsentation mit der Kunst nach 1945. Rund 100 Werke der bildenden und angewandten Kunst werden nun auf 400 Quadratmetern im 1. und 2. Obergeschoss des Nordflügels zu sehen sein. Damit präsentiert sich dem Besucher die Dauerausstellung zur Moderne im 20. Jahrhundert, dem Sammlungsschwerpunkt des Landeskunstmuseums, ab Frühjahr 2018 auf einer zusammenhängenden Etage vom Talamt im Südflügel über den Hauptausstellungsraum im Westflügel bis in den Nordflügel der Moritzburg auf insgesamt etwa 1.600 Quadratmetern.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. Februar 2018 | 08:40 Uhr

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Täglich 10 bis 18 Uhr, mittwochs geschlossen

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