Blick über die Stadt Naumburg (Sachsen-Anhalt) auf den Dom St. Peter und Paul
Blick über die Stadt Naumburg (Sachsen-Anhalt) auf den Dom St. Peter und Paul Bildrechte: dpa

Naumburger Dom wird Weltkulturerbe UNESCO-Entscheidung: "Ein unglaublicher Tag" für Naumburg

Der Naumburger Dom wird in die Welterbe-Liste aufgenommen. Auf der 42. Tagung des UNESCO-Welterbe-Komitees in Bahrain ist die Entscheidung für den Dom gefallen. Bevor es im dritten Anlauf endlich geklappt hat, galt es einige Rückschläge zu bewältigen. Immer wieder hatte der Internationale Rat für Denkmalpflege (ICOMOS), der die Empfehlungen an die UNESCO ausspricht, das Projekt zurückgewiesen. Immer wieder hat man auf Naumburger Seite nachgearbeitet – schließlich mit Erfolg! Im Gespräch mit MDR KULTUR erklärt Holger Kunde, Direktor der Vereinigten Domstifter und Federführer des Welterbeprojekts, was in ihm vorgeht und was diese Entscheidung bedeutet.

Blick über die Stadt Naumburg (Sachsen-Anhalt) auf den Dom St. Peter und Paul
Blick über die Stadt Naumburg (Sachsen-Anhalt) auf den Dom St. Peter und Paul Bildrechte: dpa

MDR KULTUR: Herzlichen Glückwunsch, Herr Kunde!

Holger Kunde: Recht herzlichen Dank! Es ist ein unglaublicher Tag für uns.

Lange genug kämpfen Sie für diesen Titel – da muss Sie die Spannung in Bahrain ja förmlich zerrissen haben?

Richtig, und jeder Tag verlief anders. Mal mit der Aussicht, den Durchbruch geschafft zu haben, dann wieder zu Tode betrübt, weil eine Nachricht eintraf, die man nicht erwartet hatte. So ist es bis zum letzten Ende absolut spannend geblieben. Ich glaube, dass haben die, die den Livestream verfolgt haben auch mitbekommen. Es war eine knappe Entscheidung, aber letztlich doch wieder nicht knapp, weil bis auf zwei Länder eigentlich alle dafür waren.

Gemeinsam an einem Strang zu ziehen, hat uns letztendlich die Kraft gegeben durchzuhalten.

Holger Kunde, Direktor der Vereinigten Domstifter

Wie lautete die Begründung dafür, den Naumburger Dom in die Liste aufzunehmen?

Der Dom wurde in die Liste aufgenommen als ein Meisterwerk der menschlichen Schöpfkraft. Das ist das erste Kriterium, worauf wir auch ganz besonders stolz sind. Und natürlich auch das zweite Kriterium: Für den Kulturtransfer zwischen West und Ost in Europa in der Mitte des 13. Jahrhunderts.

Wie mühsam war nach all den Anläufen der Bewerbungsweg für Sie?

Holger Kunde, Stiftsdirektor der Vereinigten Domstifter zu Merseburg und Naumburg
Holger Kunde, Stiftsdirektor der Vereinigten Domstifter. Seit Jahren hat er sich für den Welterbetitel eingesetzt. Bildrechte: dpa

Wir schauen auf 18 Jahre zurück – das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen! 18 Jahre Kampf um diesen Titel für den Dom und natürlich ursprünglich auch für die Kulturlandschaft um den Dom herum. Es war ein zähes Ringen insbesondere mit ICOMOS, und ohne die breite Unterstützung der gesamten Region wäre es nicht möglich gewesen, das durchzuhalten. Sprich: Vom Burgenlandkreis, der Stadt Naumburg, dem Landesamt für Denkmalpflege, vom Landesverwaltungsamt, dem Ministerium für Kultur und vielen, vielen anderen, die ich jetzt gar nicht aufzählen kann. Gemeinsam an einem Strang zu ziehen, hat uns letztendlich die Kraft gegeben, durchzuhalten.

Was genau bedeutet die Entscheidung für Sachsen-Anhalt?

Sachsen-Anhalt kann sich freuen, eine neue Welterbestätte hinzugewonnen zu haben. Der Naumburger Dom wird aufgrund seiner internationalen Beachtung, die er auch bisher schon gefunden hat, ein würdiger neuer Kandidat sein, der es geschafft hat, aufgenommen zu werden. Ich glaube, für den Dom, für die Stadt und für die ganze Region ist diese Entscheidung ein wichtiger Impuls für einen weiteren Aufschwung.

Wie geht es jetzt weiter: Plakette an den Dom und fertig – oder haben Sie schon etwas geplant?

Es sind einige infrastrukturelle Dinge geplant rund um den Domplatz, die dabei helfen sollen, das äußere Erscheinungsbild zu verbessern. Damit soll auch eine Grundlage für eine Logistik geliefert werden, die auf größere Besucherströme ausgelegt ist. Das sind Dinge, die sind jetzt in der Planung und wir denken, dass wir die bis 2020 auch realisiert haben werden.

Ich denke insgesamt: Für die Gastronomie, für die Hotels, für alle Beteiligten im touristischen Geschäft um Naumburg herum ist diese Entscheidung ein Glücksfall.

Holger Kunde, Direktor der Vereinigten Domstifter

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 01. Juli 2018 | 16:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Juli 2018, 18:27 Uhr

HINTERGRÜNDE ZUM NAUMBURGER DOM