UNESCO-Weltkulturerbe Montanregion und Fürst Pückler Park: Das sind Sachsens Weltkulturerbe-Stätten

"Welterbe verbindet" - so lautet das Motto zum UNESCO-Tag am 7. Juni 2020. Für die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří und den Muskauer Park von Fürst Pückler scheint es besonders treffend. Denn als grenzüberschreitende Projekte waren diese beiden Welterbe-Projekte von Beginn an geplant.

Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří

Großer Sächsischer Bergmännischer Zapfenstreich am 14.09.2019 anlässlich der Ernennung der Montanregion Erzgebirge zum Weltkulturerbe.
Großer Sächsischer Bergmännischer Zapfenstreich am 14.09.2019 anlässlich der Ernennung der Montanregion Erzgebirge zum Weltkulturerbe. Bildrechte: MDR/Docstation

Erzwäschen, Hammerwerke, Sakralbauten mit großartigen Orgeln von Silbermann – das Erzgebirge steckt voller Geschichten und Traditionen rund um den Bergbau. Noch heute gibt es etliche Zeugen der über 800-jährigen Montan-Ära, die nicht nur Technik-, sondern auch Kulturgeschichte schrieb und gesellschaftliche Umbrüche beförderte. Über Tage lässt sich diese Geschichte im sächsisch-böhmischen Bergbaurevier erkunden, in der Silberstadt Freiberg, im Museum für mittelalterlichen Bergbau im Erzgebirge (MiBERZ) in Dippoldiswalde oder unter Tage etwa in Schaubergwerken wie dem "Markus-Röhling-Stolln" in Frohnau bei Annaberg-Buchholz.

Im virtuellen Rundgang zum Welterbetag werden einige vorgestellt. "Glück auf!", grüßt der Schneeberger Bürgermeister Ingo Seifert. Das Welterbe sei bunt, erklärt er mit Blick aufs Kobalterz, das man auch im Schneeberger Revier förderte. Gewonnen wurde daraus ein Blau, das es bis auf niederländische Kacheln oder das Meißner Porzellan schaffte. Die erzgebirgische Blaufarbenproduktion dominierte lange Zeit ganz Europa. Der Farbstoff war ein teures Gut.

Der Schneeberger Sand hingegen war ein Abfallprodukt bei der Produktion, wie Seifert im Siebenschlehner Pochwerk zeigt. Die "Hausfrauen" nutzen ihn als Scheuermittel, erzählt er und lädt zum Besuch der authentischen Orte der Montanregion, die noch nicht lange Welterbe ist.

Im Juli 2019 war es endlich soweit: 17 deutsche und fünf tschechische Stätten und Zeugnisse der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří wurden in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Dass es so kam, ist auch Helmuth Albrecht, Professor für Technikgeschichte und Industriearchäologie an der TU Bergakademie Freiberg, zu verdanken. Rund 20 Jahre arbeitete er an dem Projekt. Unterstützt von engagierten Bürgerinnen und Bürgern sowie Institutionen beiderseits der Grenze, die 2003 den Förderverein Montanregion Erzgebirge e.V. gründeten.


Muskauer Park - Deutsch-polnisches Landschaftskunstwerk

Luftaufnahme des Neuen Schlosses im Fürst-Pückler-Park Bad Muskau
Das Neue Schloss im Fürst-Pückler-Park Bad Muskau Bildrechte: MDR/Bertram Kober

Grenzüberschreitend ist auch der Muskauer Park, der seit 2004 zum Weltkulturerbe gehört. Nördlich von Görlitz fließt die Neiße durch einen der wohl schönsten Landschaftsparks Europas. Sein Schöpfer, Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785–1871), ließ sich von der idyllischen Tallandschaft inspirieren und schuf hier zwischen 1815 und 1844 ein Gartenreich von beachtlichen Ausmaßen.

Der Sohn einer alten schlesischen Adelsfamilie wurde 1785 im Muskauer Schloss geboren. Als er 1812 das erste Mal England bereiste, faszinierten ihn die englischen Parks, die Natur- und Kulturlandschaft harmonisch miteinander verbanden. Pücklers Park liegt eingebettet ins Tal der Neiße, verbindet sich mit der nahe gelegenen Stadt- und Agrarlandschaft. Dies war ein neuer Ansatz der Landschaftsarchitektur. Als besonders gelungen gilt, wie Sichtachsen und geschwungene Wege das gesamte Areal erschließen.

Der rund 830 Hektar große Park ist heute der größte seiner Art im englischen Stil in Zentraleuropa, er besteht auf deutscher Seite aus dem Schloss-, Bade- und Bergpark und auf polnischer Seite aus dem Unterpark, dem Arboretum und den Braunsdorfer Feldern. Eine Brücke verbindet beide Teile. Bei der Rekonstruktion wurde grenzübergreifend zusammengearbeitet.

Görlitz 3 min
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So schön ist Görlitz Bad Muskau

Bad Muskau

Ganz im Norden des Landkreises Görlitz liegt der Kurort Bad Muskau. Herrman von Pückler-Muskau ließ sich hier einen Schlosskomplex errichten. Ringsum das Schloss gib es eine beeindruckende Gartenanlage zu sehen.

Mi 01.05.2019 20:15Uhr 02:55 min

https://www.mdr.de/meine-heimat/video-bad-muskau-sachsen-100.html

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Das Neue Schloss in Bad Muskau wurde 1945 am Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört. Jahrzehntelang hat es als Ruine überdauert, 1995 begann die Rekonstruktion des Neorenaissance-Baus. 2008 öffnete es gleichzeitig mit der neuen Dauerausstellung "Pückler! Pückler? Einfach nicht zu fassen!" wieder. Beim August-Hochwasser 2010 wurden weite Flächen des Parks überschwemmt, Altes und Neues Schloss sowie das Schloss-Vorwerk blieben glücklicherweise verschont. Zuletzt machte die Trockenheit der vergangenen beiden Hitzesommer den Parkanlagen zu schaffen. In einigen der Gebäude wurden übrigens Ferienwohnungen eingerichtet, für einen ebenso stilvollen wie erholsamen Aufenthalt in der Märchenwelt des Fürsten Pückler.

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Schloss Wackerbarth 3 min
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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. Juni 2020 | 13:15 Uhr