UNESCO-Weltkulturerbe Von Luther bis Bauhaus: Das sind Sachsen-Anhalts Weltkulturerbe-Stätten

Die Quedlinburger Altstadt, die Luthergedenkstätten, das Dessau-Wörlitzer Gartenreich, das Bauhaus oder der Naumburger Dom: Mit insgesamt fünf Weltkulturerbe-Stätten ist Sachsen-Anhalt eines der Bundesländer mit der höchsten Welterbe-Dichte. Jährlich ziehen diese Orte zehntausende Besucher aus aller Welt an. Ein Überblick.

Der Naumburger Dom, fotografiert vom Turm einer anderen Kirche
Wurde 2018 als fünfte Welterbe-Stätte Sachsen-Anhalts in die UNESCO-Liste aufgenommen: der Naumburger Dom. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Quedlinburg: Altstadt, Stiftskirche und Schloss

Verwinkelte Gassen, Fachwerkhäuser, mittelalterliche Plätze: All das zieht Besucherinnen und Besucher nach Quedlinburg. Hier wurde deutsche Geschichte geschrieben: König Heinrich I. legte in Quedlinburg im 10. Jahrhundert den Grundstein für die Einigung der deutschen Herzogtümer. Auch fand er in der Stadt seine letzte Ruhestätte.

Gasse auf dem Münzenberg in Quedlinburg
Gasse auf dem Münzenberg in Quedlinburg Bildrechte: MDR/Steffen Lipsch

Seit 1994 gehören die Stiftskirche, das Schloss und die Altstadt von Quedlinburg zum UNESCO-Weltkulturerbe. Im Sandsteinbau der Stiftskirche können bis heute die Königsgräber von Heinrich I. und seiner Gemahlin Mathilde besucht werden. Außerdem befindet sich dort die Schatzkammer mit dem Domschatz, der ebenfalls von Heinrich I. begründet wurde.


Wittenberg und Eisleben: Luthergedenkstätten

Schauplätze der Reformationsgeschichte hautnah erleben: Dafür lohnt sich ein Ausflug zu den Luthergedenkstätten in Wittenberg und Eisleben. 1996 wurden die Gedenkstätten in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Dazu zählt unter anderem das Lutherhaus in Wittenberg – das heute größte reformationsgeschichtliche Museum der Welt.

Lutherhaus Wittenberg
Lutherhaus in Wittenberg Bildrechte: IMAGO

Mehr als 1.000 Objekte erzählen dort vom Leben und vom Werk Martin Luthers: Fast 35 Jahre lebte er in diesem früheren Kloster, zunächst als Mönch, später als Familienvater mit seiner Frau Katharina von Bora und seinen Kindern. An diesem Ort hatte Luther seine reformatorischen Ideen – und Wittenberg wurde von hier aus zum Ausgangspunkt der Reformation.

Weitere Luthergedenkstätten, die zum Welterbe gehören, sind die Schlosskirche, an deren Türen Luther seine 95 Thesen anschlug und in der er begraben wurde, die Stadtkirche St. Marien, in der er 30 Jahre lang predigte, sowie das Melanchthonhaus, das sich Luthers Wegbegleiter Philipp Melanchthon gewidmet hat. Auch Luthers Geburts- und Sterbehaus in Eisleben gehören zur UNESCO-Liste.


Das Gartenreich Dessau-Wörlitz

Schon Goethe schrieb über das Gartenreich:

Hier ists jetzt unendlich schön. Mich hats gestern Abend wie wir durch die Seen Canäle und Wäldgen schlichen sehr gerührt wie die Götter dem Fürsten erlaubt haben einen Traum um sich herum zu schaffen …

Johann Wolfgang von Goethe
Eine Gondel fährt mit Besuchern auf den weit verzweigten Kanälen vor dem Gotischen Haus im Wörlitzer Park entlang
Eine Gondel fährt mit Besuchern auf den verzweigten Kanälen im Wörlitzer Park. Bildrechte: dpa

Damit hat Goethe wohl kaum übertrieben. Noch heute ist das Gartenreich berühmt für seine Kanäle und Brücken, Schlösser und Tempel. 1756 ließ Fürst Leopold III. den Wörlitzer Park bauen, damit war der Grundstein für das Gartenreich Dessau-Wörlitz gelegt. Heute zählen zum Kulturerbe nicht nur der Wörlitzer Park sowie die Stadt, der Park und das Schloss Oranienbaum, sondern auch der Landschaftsgarten Großkühnau und die Schlösser Georgium, Luisium und Mosigkau mit deren Parks.


Das Bauhaus in Dessau

Moderne Wohnsiedlungen, experimentelle Kunst, reformierte Schulen: Nach dem Ersten Weltkrieg herrschte in Sachsen-Anhalt enorme Aufbruchsstimmung. Und am Bauhaus wurden radikale Neuerungen in Architektur, Kunst und Design erprobt. Das Staatliche Bauhaus wurde am 12. April 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet. Obwohl die Kunstschule nur 14 Jahre Bestand hatte und 1933 schließen musste, prägt sie das Bild der Moderne im In- und Ausland bis heute.

Treppenaufgang mit Panorama-Fenster im historischen Bauhausgebäude in Dessau
Treppenaufgang mit Panorama-Fenster im historischen Bauhaus-Gebäude in Dessau Bildrechte: Stiftung Bauhaus

Seit 1996 gehören nicht nur die Bauhaus-Gebäude in Weimar und Berlin, sondern auch das Bauhaus Dessau zu den UNESCO-Welterbe-Stätten. Diese erste Liste wurde 2017 unter anderem um fünf Laubenganghäuser in Dessau erweitert.

Heute kann man sich in den originalen Bauhaus-Stätten, dem neuen Bauhaus Museum in Dessau, über 39 Bauwerken und zahlreichen Institutionen und Orten, die sich mit dem Bauhaus und der Moderne befassen, auf Spurensuche begeben.


Der Naumburger Dom

Er ist ein einzigartiges Zeugnis der Architektur und Kunst im europäischen Hochmittelalter und Besuchermagnet der "Straße der Romanik": der Naumburger Dom. Jedes Jahr zieht er Zehntausende Gäste an. Schon 2017 erkannte das UNESCO-Welterbe-Komitee an, dass der Dom St. Peter und Paul ein "Meisterwerk menschlicher Schöpferkraft" darstellt – die Aufnahme in die Liste des Welterbes erfolgte 2018.

Naumburger Dom
Naumburger Dom Bildrechte: imago/epd

Begonnen wurde der Bau des Naumburger Doms um 1210 als Bündelpfeiler-Basilika im romanischen Stil. Mitte des 13. Jahrhunderts wurde der Westchor im gotischen Stil errichtet. Stilistisch ist der Dom eine Mischung aus spätromanischen und gotischen Elementen. Der Westchor des Doms übt auch die größte Anziehungskraft aus: Dort befinden sich die zwölf Stifterfiguren, geschaffen durch die Hand des Naumburger Meisters. Als Sinnbild für die "schönste Frau des Mittelalters" zieht vor allem die Stifterfigur Uta Besucher in seinen Bann.

Tipps für Freiluftkultur in Mitteldeutschland

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. Juni 2020 | 13:15 Uhr