Im Interview Liedermacher Wenzel kritisiert aktuelles Verständnis von Freiheit

Hans-Eckardt Wenzel ist nicht nur Liedermacher und mit seinem neuen Album "Lebensreise" auf Tour, sondern zugleich eine gesellschaftskritische Stimme: In seiner Kamenzer Rede hat Hans-Eckardt Wenzel bereits kritisch auf unsere heutige Weltgesellschaft geblickt. Bei MDR KULTUR setzt er seine Analyse fort: Freiheit sei kein Zustand kritisiert Wenzel.

Hans-Eckardt Wenzel
Hans-Eckardt Wenzel bei seiner Kamenzer Rede 2019 Bildrechte: imago images/Daniel Schäfer

Der Liedermacher Hans-Eckardt Wenzel kritisiert unser derzeitiges Verständnis von Freiheit. Der Freiheitsbegriff, der in der Gesellschaft vorherrsche, habe keine Schönheit und definiere sich nur an der Unfreiheit untergegangener Gesellschaften.

Bei MDR KULTUR erläutert Wenzel: Wenn die Freiheit darin bestehe, ohne Folgen alles sagen zu können, dann sei das keine Freiheit, sondern "ein Wellness-Aspekt". Und weiter: "Freiheit selbst ist kein Begriff. Man muss fragen: Wovon ist man frei? Ich bin frei von Ausbeuterei, Sexismus, Hunger - das ist etwas." Dann folge die Frage, wofür man frei ist und wofür man diese Freiheit nutzt. "Wir definieren Freiheit wie einen Zustand, wie schön und hässlich", so Wenzel weiter. "Aber das ist falsch. Das ist ja sozusagen nicht per se ein Attribut für ein Ding", sagt der Liedermacher.

Man muss fragen: Wovon ist man frei? Freiheit selbst ist kein Begriff. Ich bin frei von Ausbeuterei, ich bin frei von Sexismus, ich bin frei von Hunger, das ist etwas.

Hans-Eckardt Wenzel, Liedermacher

Es fehlt an gesellschaftlicher Verantwortung

Wenzel will damit vor allem einen von ihm ausgemachten neoliberalen Zeitgeist kritisieren. Im aktuellen System sei die Gemeinschaft diskreditiert: "Neoliberalismus hasst Gemeinschaft." Deshalb gebe es auch keine gesellschaftliche Verantwortung mehr. "Das ist der Zerfall der Gesellschaft. Der kommt aus einem übermäßigen Profitstreben und aus festgefahrenen Eigentumsverhältnissen, die sich so sehr manifestiert haben, dass sie weit elementarer sind als im Feudalismus." Eigentümer großer Konzerne würden heute mehr besitzen als jeder europäische Kaiser im Mittelalter besessen habe.

Das Wichtigste sei, erst einmal zu schauen, welche Verhältnisse vorherrschten - "dass man versucht den Nebel der Ideologien fortzureißen." Man müsse schauen: Was stimmt hier nicht? Und: Was sind das für Antworten? "Wir müssen nach den Fragen fragen, die zu diesen Antworten führen", meint Wenzel. So könne man dialogisch lernen. "Dann hätte man eine Möglichkeit eine Gesellschaft zu vitalisieren und eine Demokratisierung, auch der Politik herzustellen."

Rudolstadt am Freitag, Impressionen 4 min
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Wenzel, Studiosession,Video 28 min
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Über 40 Alben hat Wenzel schon veröffentlicht - ein volles musikalisches Spektrum, aus dem er schöpfen kann. Das kann sich hören lassen - in unserer MDR KULTUR-Studiosession.

Sa 22.12.2018 14:47Uhr 28:03 min

https://www.mdr.de/kultur/videos-und-audios/video-sonstige/video-studiosession-wenzel-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Ausgewählte Tourtermine

26. Januar 2020: Pirna, Baumeister Theater
7. März 2020: Salzwedel, Club Hanseat
3. April 2020: Kamenz, Stadtteater
2. Mai 2020: Plauen, Malzhaus
21. Mai 2020: Weimar, Spiegelzelt
22. Mai 2020: Naunhof, Kranwerk

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR-Café | 12. Januar 2020 | 12:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2020, 04:00 Uhr

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