Trauer Schriftsteller Werner Heiduczek ist tot

Der Leipziger Schriftsteller Werner Heiduczek ist tot. Das bestätigte seine Lebensgefährtin, die Journalistin Traudel Thalheim, der "Leipziger Volkszeitung". Heiduczek starb am Sonntag an den Folgen eines Schlaganfalls. Er wurde 92 Jahre alt.

Werner Heiduczek, der ursprünglich aus Schlesien stammt, schrieb zunächst Erzählungen sowie Stücke und Hörspiele für Kinder und Jugendliche. Später verfasste er auch Romane und Bühnenstücke. Seine Werke wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt.

Heiduczek schuf bekannte Werke der DDR-Literatur wie "Mark Aurel oder ein Semester Zärtlichkeit" und "Abschied von den Engeln". Mit "Tod am Meer" (1977) geriet er in das Visier der Staatssicherheit. Der sowjetische Botschafter beschwerte sich bei Erich Honecker und das Buch wurde wegen angeblich antisowjetischer Passagen verboten.

Kinderbuchautor aus Leidenschaft und Not und Liebe

Fortan widmete sich Heiduczek Märchen- und Sagenstoffen. Er wusste, dass die Staatssicherheit ihn beobachtete, er galt als "negativ-feindlicher Mensch". Er schrieb sich mit "Jana und der kleine Stern", "Vom hässlichen kleinen Vogel" oder "Das verschenkte Weinen" an die Spitze der bekanntesten Kinderbuchautoren des Landes. Die Bücher wurden in 20 Sprachen übersetzt. Für seine Kinderbücher erhielt er 1988 den Alex-Wedding-Preis der Akademie der Künste. Auch als Hörspielautor machte sich Heiduczek einen Namen.

Heiduczek war seit 1960 Mitglied des Schriftstellerverbandes der DDR; seit 1990 gehörte er dem Verband Deutscher Schriftsteller und dem PEN-Zentrum Deutschland an, seit 1992 der Freien Akademie der Künste zu Leipzig. Für sein Werk wurde Werner Heiduczek mit dem Joseph-von-Eichendorff-Preis der Stadt Wangen ausgezeichnet, mit dem Händel-Preis der Stadt Halle/Saale (1969), dem Bundesverdienstkreuz und 1996, anlässlich seines 70. Geburtstages, mit der Ehrenmedaille der Stadt Leipzig.

"Es war ein schwerer Weg in den Beruf des Schriftstellers."

"Er hat in der Volksbildung eine Karriere wider Willen gemacht", sagte Michael Hametner in seiner Würdigung über Heiduczek zu MDR KULTUR. "Er ist immer stärker zum Widerspruch zu dem gekommen, was er gemacht hat. Man wollte ihn nicht aus der Schulbildung freigeben, er hat darum gekämpft, er wollte dann auch ins Ausland, ist dann auch nach Bulgarien gegangen. Es war ein schwerer Weg in den Beruf des Schriftstellers und die Volksbildung hinter sich zu lassen." Das sei dann später auch sein großes Lebensthema geworden, sagt Hametner weiter: "In dem Roman 'Tod am Meer' erzählt er die Geschichte eines Schriftstellers, der einen Infarkt erleidet und in der Rekonvaleszenz überlegt, welche großen und kleinen Lebenslügen er eingegangen ist. Das ist im Grunde eine Selbstabrechnung, und er findet in diesem Nachdenken eine ungeheure Ehrlichkeit."

Er war kein Aufklärer, aber er war ein großer Erzieher, was auch durch seinen Doppelberuf als Lehrer und Schriftsteller bedingt war, aber er hat das nie missbraucht. Er hat erzogen zur Ehrlichkeit und Offenheit. Das ist eine große Leistung.

Literaturkritiker Michael Hametner über Werner Heiduczek

Aus dem Leben von Werner Heiduczek

Geboren wurde Heiduczek am 24. November 1926 in Hindenburg (Zabrze), Oberschlesien, und wuchs in einer schlesischen Bergarbeiterfamilie als eines von fünf Kindern auf. Während des Zweiten Weltkrieges wurde er zur Wehrmacht eingezogen, floh aus amerikanischer Gefangenschaft in die Ostzone, geriet in russische Kriegsgefangenschaft.

Er wurde zunächst Neulehrer, später Schulinspektor und Kreisschulrat, unter anderem arbeitete er als Deutschlehrer im bulgarischen Burgas. 1965 ließ er sich als freier Schriftsteller in Halle an der Saale nieder, 1972 zog er nach Leipzig. Seine erste Frau Dorothea Heiduczek starb 1998, die jüngste seiner drei Töchter nahm sich 1996 das Leben. Diese schweren Schicksalsschläge verarbeitete er auch in seiner Autobiografie "Die Schatten meiner Toten" (2005). Zuletzt lebte er mit der Journalistin Traudel Thalheim zusammen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. Juli 2019 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2019, 07:30 Uhr

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