Traditionell gekleidete Tänzerinnen beim Tag der Toten in Mexiko.
Traditionell gekleidete Tänzerinnen beim Tag der Toten in Mexiko Bildrechte: IMAGO

Ausstellung 12. bis 21. Mai 2018 Die Mexikaner feiern den Tod bunt

Mexikanische Künstler zeigen in einer Ausstellung zum WGT ihre Sicht auf den Tod. Der Tod spielt in Mexiko traditionell eine wichtige Rolle, so ist eines der bedeutendsten Feste der "Tag der Toten". Auch in den indianischen Traditionen hat der Tod eine zentrale Bedeutung. MDR KULTUR hat mit der in Leipzig ausstellenden Malerin Isis Rucé aus Mexiko City gesprochen.

Traditionell gekleidete Tänzerinnen beim Tag der Toten in Mexiko.
Traditionell gekleidete Tänzerinnen beim Tag der Toten in Mexiko Bildrechte: IMAGO

Der Tod ist fest in der mexikanischen Tradition verankert. Der alljährliche "Tag der Toten" ("Día de los Muertos") ist einer der bedeutendsten Feiertage des Landes. Dieses Totenfest wird nicht etwa in stiller Trauer begangen, es wird überall bunt, laut und fröhlich gefeiert. Die Menschen schmücken ihre Häuser mit Schädeln, Schmuck und bauen Altäre auf. Überall gibt es orangefarbene Blumen zu sehen. Auf den Friedhöfen wird den Verstorbenen gebracht, was diese zu Lebzeiten besonders mochten (häufig Tequila) - und dann mit den Toten gemeinsam ein lebenslustiges Fest gefeiert. Viele Menschen kleiden und schminken sich dabei, Gesichter werden zu knochigen Schädeln, die Toten scheinen lebendig zu werden, die Grenzen zwischen den Reichen der Lebenden und Toten verschwimmen.

Der Tod und die Kunst

Auch viele mexikanische Künstler setzen sich mit dem Tod auseinander. In Leipzig gibt es jetzt im Rahmen des WGT eine Kostprobe davon zu sehen. In der Ausstellung "Dimensions of Mexico" im Leipziger Hauptbahnhof werden Gemälde, Fotografien, Zeichnungen und Gravierungen gezeigt, es ist aber auch Musik zu erleben. Die Werke beziehen sich auf das Totenfest "Día de los Muertos", auf indianische Traditionen und zeigen moderne Interpretationen des Themas.

Interview

Auch die Malerin Isis Rucé stellt in Leipzig zwei ihrer Kunstwerke aus. MDR KULTUR hat sie zum Gespräch getroffen.

MDR KULTUR: Woher beziehen Sie Ihre Inspirationen?

Porträt der Künstlerin Isis Rucé, sie hält in jeder Hand eine lilafarbene Blüte
Malerin Isis Rucé macht organische Stoffe immer wieder zum Thema ihrer Bilder. Bildrechte: Isis Rucé

Isis Rucé: Es ist das Staunen, das in mir Inspirationen auslöst. Es erweckt in mir Szenen, Welten, Gedanken, Ideen und bildhafte Klänge. Ich liebe Musik und sie ist für mein Ritual beim Malen sehr wichtig. Sie bringt mich zu einer Art trancehaften Selbstwahrnehmung. Diese Inspiration kann zu jeder Zeit auftreten. Ich beobachte dabei sehr intensiv meine Umgebung, selbst kleinste oder fast unsichtbare Dinge.

Wir würden Sie Ihre Kunst beschreiben?

Ich würde es poetischen Symbolismus nennen. Mein Schaffensprozess ist intuitiv, es ist kein direktes Umsetzen, ich gehe über den Weg des Fühlens.

Das Gemälde "Life is a dream" von Isis Rucé zeigt ein Porträt mit einem Totenschädel.
Isis Rucé: "Life is a Dream", Öl, Leinen Bildrechte: Isis Rucé

Es ist eine visuelle Sprache, häufig mit weiblichen Figuren, organischen Stoffen wie Wasser, Feuer, Amorphem, magischen und mythologischen Gestalten. Ich male dabei filigran und zumeist mit dunklen Farben. Der Betrachter soll eingeladen werden in eine Welt, die ihn umfängt und beruhigt.

Mit meinen Bildern möchte ich das Innere der menschlichen Natur entschlüsseln, die hellen und die dunklen Seiten. Dabei sehe ich in meiner Kunst auch eine soziale Funktion. Sie ist für mich die Verpflichtung, eine menschlichere, sensiblere und freiere Welt zu schaffen. Kunst, Bildung und Kultur sollen dazu dienen, der Menschheit eine radikale Umkehr vom derzeitigen Weg der Welt zu ermöglichen. Sie soll eine Richtung abseits von bestehender technologischer, ökonomischer und politischer Kraft aufzeigen, da diese Kräfte die Menschheit ihrer eigentlichen Essenz berauben.

Wie ist es für Sie als Mexikanerin, dass Ihre Bilder beim Wave-Gotik-Treffen in Leipzig gezeigt werden?

Ich freue mich sehr darüber. Und ich bin gespannt, wie die Reaktionen auf meine Kunstwerke in Leipzig ausfallen werden. Leider kann ich nicht vor Ort dabei sein.

Fühlen Sie sich der Gothic-Szene verbunden?

Ja, ich fühle mich angezogen von ihrer poetischen, emotionalen, romantischen, obskuren und geheimnisvollen Seite. Deswegen war ich schon seit Beginn meiner künstlerischen Karriere auch gerne bei Kunst- und Musikveranstaltungen der Gothic-Undergroundszene in Mexiko.

Porträt von Isis Rucé, sie hält einen Pinsel in der Hand
Isis Rucé lebt in Mexico City. Bildrechte: Isis Rucé

Kannten Sie das Wave-Gotik-Treffen zuvor und was denken Sie darüber?

Aber ja, ich bin eine große Musikliebhaberin!

Bei der Suche nach musikalischen und künstlerischen Inspirationen bin ich auch auf das Wave-Gotik-Treffen oder das Mera-Luna-Musikfestival gestoßen.

Ich denke, es ist eine großartige Möglichkeit, der Gothic-Szene die Möglichkeit für Ausdruck und Vitalität zu geben, aus der sich dann auch weitere avantgardistische Kunst- und Musikrichtungen entwickeln können.

Wie wird Deutschland in Mexiko wahrgenommen?

Für mich stellt sich Deutschland als ein starkes und avantgardistisches Land dar, mit einem großartigem kulturellen Erbe und einer freien und respektvollen Gesellschaft.

Das Interview führte Olaf Parusel für MDR KULTUR

Die Ausstellung "Dimensions – Catrinas, Skulls, Alebries and landscapes of Mexico"

12. bis 21. Mai 2018

Ausstellung im Rahmen des Wave Gotik Treffens
Promenanden am Hauptbahnhof Leipzig

Partnerausstellung:
Vom 14. bis 25. Mai ist im Foyer des Neuen Augusteums der Universität Leipzig die Ausstellung "Otherness" mit weiteren Werken mexikanischer Künstler zu sehen.

Das Gemälde "Otredad" (Anderssein) zeigt eine junge Frau in einem Kleid aus filigraner goldfarbener Spitze umgeben von magischen Accessoires.
Isis Rucé: "Otredad" ("Anderssein"), Öl auf Leinen, 2018 Bildrechte: Isis Rucé

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. Mai 2018 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Mai 2018, 14:03 Uhr

Auch interessant