Bautzen Festival "Willkommen Anderswo" bringt Menschen und Kulturen zusammen

Mit dem Festival "Willkommen Anderswo 2020" will das Theater Bautzen Brücken zwischen Menschen und Kulturen schlagen, dieses Jahr unter dem Motto "Wider alle Grenzen". Das Festival findet zum dritten Mal statt - und läuft bis Sonntag. Lutz Hillmann, Intendant des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters Bautzen, erklärt im Gespräch mit MDR KULTUR, welche Gedanken hinter dem Festival stehen.

Lutz Hillmann, Intendant des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters in Bautzen.
Lutz Hillmann, Intendant des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters in Bautzen Bildrechte: imago images / lausitznews.de

Das Theater Bautzen will mit dem Festival "Willkommen Anderswo - Wider alle Grenzen" Brücken zwischen Menschen und Kultur schlagen. Das Festival findet zum dritten Mal statt: Angefangen habe alles mit den unrühmlichen Vorgängen von 2016, als junge Migranten durch die Stadt Bautzen getrieben wurden, sagt Lutz Hillmann, Intendant des Theaters in Bautzen. Das sei auch für ihn ein einschneidendes Erlebnis gewesen und man habe damals überlegt, was man den rassistischen Ausschreitungen entgegensetzen könne. Das Theater sei mit seinen Mitteln ein guter Raum, um sich kennenzulernen. Gerade Jugend- und Amateurtheater könnten hier gut miteinander und auch mit dem Publikum, also den Anwohnern, arbeiten. Es sei eine pädagogisch-sozialisierende Veranstaltung, so Hillmann.

Freie Beschäftigung mit dem Begriff "Grenze"

Das Deutsch-Sorbische Volkstheater in Bautzen, 2011
Das Deutsch-Sorbische Volkstheater in Bautzen Bildrechte: IMAGO

Die Klammer über den Festival-Inszenierungen lautet "Wider alle Grenzen". Als man die Theater angesprochen habe, ob sie Lust hätten, sich mit diesem Begriff Grenze zu beschäftigen, sei von Corona noch keine Rede gewesen, sagt Hillmann. Da hätte keiner ahnen können, dass wegen des Virus in Nullkommanichts Grenzen wieder geschlossen werden.

Wegen Corona findet nun auch nicht alles so statt, wie sich das die Veranstalter in Bautzen vorgestellt hatten. Das Theater Chemnitz habe seine Produktion nicht fertigstellen können, doch die jungen Leute kämen trotzdem. Die Kammerspiele München haben einen Film vorbereitet, können aber wegen eines coronabedingten Dienstreiseverbots nicht kommen. Außerdem zu Gast seien u. a. die Theater aus Heidelberg, Mühlheim an der Ruhr, das Deutsche Theater sowie eine Tanzcompany aus Nordirland.

Zusammenarbeit mit dem Thespis-Zentrum

Das Soziotheatrale Zentrum Thespis ist ein offener Ort für Begegnungen. Theaterpädagogen und Theaterwissenschaftler arbeiten hier zusammen und machen Theater mit jungen Menschen aus der Stadt. Das Thespis-Zentrum habe sich aus dem ersten "Willkommen Anderswo"-Festival herausentwickelt, sagt Hillmann – und das diesjährige Festival sei wiederum ein Kind des Zentrums. Motivation sei es, junge Leute zum Theaterspielen zu bringen, damit sie beginnen, sich mit Themen zu beschäftigen. Politikverdrossenheit könne er bei jungen Leuten nicht feststellen, so Hillmann.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. September 2020 | 13:10 Uhr