Ausstellung im Gartenreich Forsters Südseesammlung nach 30 Jahren in Wörlitz zu sehen

Schon im vergangenen Jahr hat man sich im Wörlitzer Schloss dem Naturforscher und Welterkunder Georg Forster gewidmet. 1772 hat er gemeinsam mit seinem Vater und dem berühmten James Cook die bis dato unbekannte Südsee erkundet hat. Einige von den mitgebrachten Exponaten hat er Fürst Franz von Anhalt vermacht. Und diese Wörlitzer Südseesammlung wird nun erstmals nach 30 Jahren gezeigt. MDR KULTUR-Landeskorrespondentin Sandra Meyer hat sie sich angesehen.

Exponate aus der Wörlitzer Südseesammlung, die einzeln aufgereiht sind.
Die Ausstellung beinhaltet Exponate, die seit 30 Jahren das erste Mal zu sehen sind. Bildrechte: Kulturstiftung Dessau-Wörlitz/ Heinz Fräßdorf

Kostbarkeiten mal anders – denn im Wörlitzer Schloss gibt es nicht Gold und Edelsteine, sondern Exponate aus natürlichen Materialien zu sehen: Aus Bast geflochtene Gefäße, Ketten aus Vogelknochen oder Kämme aus Kokospalmblättern, die der Naturforscher Georg Forster vor 250 Jahren nach Europa brachte und die jetzt in Wörlitz zu sehen sind.

Brigitte Mang, Chefin der Stiftung Dessau Wörlitzer Gartenreich, erklärt, dass die Objekte aus dem pazifischen Raum aus Tonga, Tahiti und Neuseeland stammen und teilweise Kultgegenstände und Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs seien – und dass sie sich 250 Jahre gehalten haben.

Nach 30 Jahren das erste Mal zu sehen.

Traditioneller, polynesischer Brustschmuck aus der Wörlitzer Südseesammlung.
Traditioneller, polynesischer Brustschmuck, der in der Ausstellung zu sehen ist. Bildrechte: Kulturstiftung Dessau-Wörlitz/ Heinz Fräßdorf

Erstmals nach dreißig Jahren sind sie nun in Wörlitz zu sehen. Solange hatten die rund 30 polynesischen Objekte im Depot gelegen bis sie nun aufwendig restauriert in spezifischen Klima-Vitrinen gezeigt werden können. Ein Schatz, sagt Kurator Frank Vorpahl, auch weil es einige Stücke nur noch einmal auf der Welt gibt.

Vorpahl erklärt, dass die Objekte eine unglaubliche Bedeutung für die Kultur der Südseebewohner von Tonga oder Tahiti hätten. "Was für uns aussieht wie eine Tasche zum Beispiel, ist tatsächlich ein Statussymbol oder fast so etwas wie ein Tabernakel. Da wurden früher auch heilige rote Federn aufbewahrt, die für bestimmte religiöse Zeremonien gebraucht wurden."

Neue Erkenntnisse

Ein historischer Tintenfischköder aus der Wörlitzer Südseesammlung.
Ein ausgestellter Tintenfischköder. Bildrechte: Kulturstiftung Dessau-Wörlitz/ Heinz Fräßdorf

Auch die hölzernen Keulen haben eine tiefer gehende Bedeutung. Sie waren keine Waffen, wie es die Europäer geglaubt haben, sondern Zepter der tongaischen Könige. All das habe man in den vergangenen zwei Jahren herausgefunden, sagt Vorpahl, was aber nur gelingen konnte, weil man die Menschen der sogenannten Herstellungskulturen selbst gefragt hat. Wie bei einem Tintenfischköder.

Vorpahl erläutert, dass es immer geheißen habe: "Ja der Tintenfisch saugt sich an diesen Tintenfischköder ran und dann kann man ihn rausangeln." Dieses Wissen würde kolportiert und als Vorpahl in Tonga gewesen sei, hätten die Leute gesagt, was für ein Quatsch diese Vorstellung sei. "Man hält das Ding ins Wasser, wackelt damit rum und wenn der Tintenfisch kommt, schnappt man ihn mit der Hand."

Man sieht, dass auch das akademische Wissen, das aus Oxford, Cambridge und Neuseeland überliefert wird und das wir uns gerne aneignen, auch nicht immer stimmt.

Frank Vorpahl, Kurator der Ausstellung

Um diese Hintergründe und Zusammenhänge auch für die Besucher plausibel zu machen, werden die Artefakte in ihren inhaltlichen Kontexten gezeigt. So sieht man eine Stabkarte, mit der man damals navigierte, einen nachgebauten tragbaren Sekretär, an dem Georg Forster seine Eindrücke notierte und die Blumen und Tiere der Südsee zeichnete, die man dann wiederum den Objekten gegenüberstellt.

Blick in die Ausstellung Der "Südseeschatz" im Wörlitzer Schloss

Neue Ausstellung in Wörlitz mit Südsee-Objekten
Um Besuchern die Südsee-Ausstellung zeigen zu können, hat das Museum Schloss Wörlitz am Montag zusätzlich geöffnet. Bildrechte: MDR/ Kulturstiftung Dessau-Wörlitz
Neue Ausstellung in Wörlitz mit Südsee-Objekten
Um Besuchern die Südsee-Ausstellung zeigen zu können, hat das Museum Schloss Wörlitz am Montag zusätzlich geöffnet. Bildrechte: MDR/ Kulturstiftung Dessau-Wörlitz
Neue Ausstellung in Wörlitz mit Südsee-Objekten
Jahrelang lagen die Ausstellungsstücke in Depots. Grund dafür war ein Schimmelbefall bei einer früheren öffentlichen Ausstellung. Bildrechte: MDR/ Kulturstiftung Dessau-Wörlitz
Neue Ausstellung in Wörlitz mit Südsee-Objekten
Im Jahr 1772 ging der Brite James Cook auf Entdeckungsreise. An Bord waren auch der Forscher Johann Forster und sein Sohn Georg. Georg zeichnete, sein Vater sammelte Mitbringsel. Tausende Stücke kamen so zusammen. Bildrechte: MDR/ Kulturstiftung Dessau-Wörlitz
Neue Ausstellung in Wörlitz mit Südsee-Objekten
Einen Teil der Sammlung schenkte Forster dem Anhaltischen Fürstenpaar Franz und Luise. Bildrechte: MDR/ Kulturstiftung Dessau-Wörlitz
Neue Ausstellung in Wörlitz mit Südsee-Objekten
Neben Schmuck umfasst die Sammlung Taschen und Altagsgegenstände aus Tahiti, Tonga und Neuseeland. Bildrechte: MDR/ Kulturstiftung Dessau-Wörlitz
Neue Ausstellung in Wörlitz mit Südsee-Objekten
Obwohl es sich bei diesem "Schatz" um Gegenstände aus einfachen Materialien handelt, ist sein Wert unschätzbar hoch. Denn die Objekte existieren teilweise kein zweites Mal auf der Welt. Bildrechte: MDR/ Kulturstiftung Dessau-Wörlitz
Neue Ausstellung in Wörlitz mit Südsee-Objekten
Mittlerweile hat die Sammlung einige Jahrhunderte überlebt. Erstmals seit vielen Jahren sind die Originale nun öffentlich zu sehen.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 06. Mai 2019 | 09:30 Uhr

Quelle: MDR/olei
Bildrechte: MDR/ Kulturstiftung Dessau-Wörlitz
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Neue Ausstellung in Wörlitz mit Südsee-Objekten
Bildrechte: MDR/ Kulturstiftung Dessau-Wörlitz

Sinnliche Erklärungen

Gezeigt werden Texte von Georg Foster und Johann Reinhold Foster, die genauere Vorstellungen über den Erwerb und Gebrauch der ausgestellten Objekte geben. Auch Künstler aus Tonga oder Tahiti kommen zu Wort. Sie erklären die Zeichen auf den Stoffen und Musik – außerdem spielen Gerüche zur Erklärung eines Baströckchens eine Rolle.

Zeichnungen von Georg Foster, die in der Wörlitzer Südseesammlung ausgestellt sind.
In der Ausstellung sind original Zeichnungen von Georg Forster zu sehen. Bildrechte: Kulturstiftung Dessau-Wörlitz/ Heinz Fräßdorf

So bekommt man sinnenreich Einblicke ins Leben der Südsee im 18. Jahrhundert, an dem man sich auch deshalb erfreuen kann, weil hier einmal ethnologische Stücke gezeigt werden, die aus vorkolonialer Zeit stammen und nicht korrumpiert sind, was auch die gute Zusammenarbeit mit den Herkunftskulturen bestätige, sagt Mang.

Die Provenienz der Objekte sei eindeutig, es seien Schenkungen und eingehandelte Gegenstände. "Und was für uns ganz wichtig ist: wir sind in einem Fachdiskurs mit den Kolleginnen und Kollegen aus Tonga und aus Neuseeland."  

Bessere klimatische Bedingungen

Eine der vier angereisten Künstler aus Tonga bestätigt dann auch fast unter Tränen ihre Freude über den Erhalt der Gegenstände in Wörlitz. Bei den klimabedingten Voraussetzungen hätten die Originale in ihrem Land wohl nicht überlebt und würden es auch momentan nicht. So freue man sich auf vier Kopien aus Kunststoff, die die Stiftung hat anfertigen lassen, die sie ab August in ihrem Museum ausstellen wollen.

Infos zur Ausstellung Öffnungszeiten:
Mai bis September: Di - So: 10 - 18 Uhr

Oktober: Di - So: 11 - 17 Uhr

Eintritt: 6 €
Gruppen ab 15 Personen oder ermäßigt: 5 €
Kinder bis 16 Jahre: 1,50 €

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. Mai 2019 | 08:39 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Mai 2019, 09:29 Uhr

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