Im Interview Wolfgang Niedecken sieht Proteste von Corona-Skeptikern kritisch

Als Musiker kann auch Wolfgang Niedecken gerade wegen der Corona-Pandemie keine Konzerte geben. Trotzdem befürwortet er die Einschränkungen und hält nichts von Kritik an den Corona-Maßnahmen, erzählt er im Interview.

Der Frontmann der Rockband BAP Wolfgang Niedecken kann Protesten gegen die Corona-Maßnahmen nichts abgewinnen. Niedecken sagte MDR KULTUR, die sogenannten Querdenker fühlten sich ihrer Individualität beraubt durch die relative Strenge der Hygienemaßnahmen.

Ich für meinen Teil glaube, dass wir das in Deutschland bisher ziemlich gut geregelt haben, wahrscheinlich weltweit auch am besten.

Musiker Wolfgang Niedecken über die Corona-Maßnahmen

Seiner Ansicht nach sollte man den politisch Verantwortlichen nicht in den Rücken fallen. Oft spielten dabei auch verschiedene Interessen eine Rolle. "Ich müsste ja auch interessengetrieben sagen, 'Das ist alles nicht so wild, wir müssen jetzt möglichst bald wieder vor die Leute und große Rockkonzerte spielen.' Ich müsste eigentlich von den Interessen her einen ganz anderen Standpunkt einnehmen. Tue ich aber nicht. Weil: Ich hab's begriffen," betont Niedecken im Interview.

Gegen tausende Hasskommentare

Während der Corona-Pandemie habe seine Band und ihn bei Facebook ein Shitstorm getroffen. Er hatte auf der Facebook-Seite von BAP ein Video von Corona-Leugnern gelöscht. Außerdem bat er darum, nichts auf der Facebook-Seite zu posten, das Propaganda sei für etwas, für das die Band nicht stehe. Darauf habe es 45.000 Kommentare gegeben. "Vor allem habe ich mich darüber geärgert, dass diese Leute nicht erkennen, mit wem sie sich da gemein machen", erzählt Niedecken im Interview. Und weiter: "Wenn du bei einer Demo jemanden fünf Meter entfernt von dir mit der Reichskriegsflagge siehst, dann muss dir doch aufgehen, da ist was nicht in Ordnung. Mit denen mache ich mich doch nicht gemein. Dann war ich auf einmal der Nazi, der die Meinungsfreiheit nicht anerkennt."

Hilfe habe er bei Facebook von der Gruppe #ichbinhier erhalten. Die seien gekommen wie die Kavallerie und hätten ihnen erzählt, wie man mit so einem Shitstorm umgehe. Das habe ihm gezeigt: "Du bist nicht allein. Da sind welche, die stehen hinter dir. Die helfen auch dabei zu enttarnen, dass so eine Bewegung, die Querdenker, nur ein Scheinriese ist." Das sei eben nichts Großes, ganz im Gegensatz zur Friedensbewegung.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR-Café | 18. Oktober 2020 | 12:05 Uhr