"Kommissar Schneider" aus Halle Polizeiruf-Schauspieler Wolfgang Winkler ist tot

Schauspieler Wolfgang Winkler
Wolfgang Winkler drehte 1965 seinen ersten Film. Bildrechte: imago/Sven Simon

Der Schauspieler Wolfgang Winkler ist tot. Er starb im Alter von 76 Jahren nach einem Krebsleiden, wie der Intendant des Neuen Theaters Halle, Matthias Brenner, mitteilte. Winkler konnte auf eine lange Karriere als Schauspieler zurückblicken - die allerdings kurvenreich und steinig verlief. Erst der Polizeiruf machte ihn ab 1996 berühmt.

Kind der Oberlausitz

Winkler wurde 1943 in Görlitz geboren. Er wuchs bei seinen Großeltern auf, einfache Leute, die aber regelmäßig ins Theater gingen. Nach der Schule begann er eine Ausbildung zum Lokführer und gründete parallel das Kabarett "Die Zwecken". Schnell wurde klar, dass er sich auf der Bühne wohler fühlte als in der Eisenbahn: So bewarb Winkler sich an der Filmhochschule Babelsberg als Schauspielstudent.

Der Versuch klappte und führte zunächst auf die Erfolgsspur: Mit gerade mal 21 Jahren bekam Winkler seine erste tragende Rolle angeboten, Regisseur Kurt Maetzig drehte mit ihm "Das Kaninchen bin ich". Doch die Freude währte nicht lange, die Kulturbürokraten der SED verboten Maetzigs Film (erst 1989 erlebte Winkler die Uraufführung) und wenig später schasste ihn auch noch die Filmhochschule, weil er nebenbei ohne Genehmigung Rollen angenommen hatte.

Wolfgang Winkler in seinen Rollen

Im Gefängnis: Marie (Angelika Waller; vorne links) besucht mit Tante Hete (Ilse Voigt) ihren inhaftierten Bruder Dieter (Wolfgang Winkler, mitte links).
Der erste Film überhaupt: "Das Kaninchen bin ich" setzte sich kritisch mit der Strafjustiz der DDR auseinander und wurde verboten. Bildrechte: MDR/PROGRESS Film-Verleih
Im Gefängnis: Marie (Angelika Waller; vorne links) besucht mit Tante Hete (Ilse Voigt) ihren inhaftierten Bruder Dieter (Wolfgang Winkler, mitte links).
Der erste Film überhaupt: "Das Kaninchen bin ich" setzte sich kritisch mit der Strafjustiz der DDR auseinander und wurde verboten. Bildrechte: MDR/PROGRESS Film-Verleih
Christian Steyer (Dr. Mattsen) (1.v.l.), Viola Schweitzer (Monika Januschowitz) (2.v.l.), Wolfgang Winkler (Peter Januschowitz) (4.v.l.)
Schon 1979 spielte Winkler im Polizeiruf mit: allerdings nur in einer Folge mit dem Titel "Am Abgrund". Bildrechte: MDR/Deutsches Rundfunkarchiv/Siegfried Rieck
Sendungsbild
Erst ab 1996 war Winkler regelmäßig dabei: Als Kommissar Schneider spielte er an der Seite von Jaecki Schwarz. Bildrechte: MDR
Kommissar Schneider flirtet erfolgreich im Spielclub mit Gerti Dreews
Kommissar Schneider hält sich lieber an die Fakten, für unkonventionelle Methoden ist eher Kollege Schmücke zuständig. In der Polizeiruf-Folge "Der Spieler" aus dem Jahr 2002 versucht es Schneider mal anders: Er flirtet erfolgreich mit Gerti Dreews (Franziska Troegner), die ihm den Weg in einen illegalen Spielclub ebnet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Szene aus " Polizeiruf 110 : Rosentod"
In der Polizeiruf-Folge "Rosentod" aus dem Jahr 2004 gewährt Kommissar Schneider (Wolfgang Winkler) seinem heimatlosen Kollegen Schmücke (Jaecki Schwarz) Asyl. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Schmücke (Jaecki Schwarz) und Schneider (Wolfgang Winkler)
Der Genussmensch und der Pragmatiker: Während Kommissar Schmücke gutes Essen und edle Weine liebt, ist sein Freund Schneider (r.) auch mit "einer Bratwurst am Stand" zufrieden. (Szene aus dem Polizeiruf-Folge "Die Tote aus der Saale", 2005) Bildrechte: MDR/Sandor Domonkos
MDR-Kommissare geben Gastspiel in der Sachsenklinik: Wolfgang Winkler (l.) und Jaecki Schwarz spielen in Folge 335 "Geplatzte Träume" in der Serie "In aller Freundschaft" zwei Freunde.
Die MDR-Kommissare gaben 2006 ein Gastspiel in der Sachsenklinik: Wolfgang Winkler (l.) und Jaecki Schwarz spielten in Folge 335 "Geplatzte Träume" in der Serie "In aller Freundschaft" zwei Freunde. Bildrechte: MDR/Krajewsky
Szene aus "Tage des Sturms", 2003
In "Tage des Sturms" (2003), einem fiktivem Familiendrama vor dem Hintergrund des 17. Juni 1953 in der DDR, konnte Schaupieler Wolfgang Winkler mal wieder in seinem eigentlichen Beruf "arbeiten": Er spielte den Lokführer Max. Bildrechte: MDR/Krajewski
Szene aus "Tango im Schnee"
Im Fernsehfilm "Tango im Schnee" aus dem Jahr 2009 zeigte der Schaupieler seine romantische Seite. Mit Filmfrau Ella (Ursela Monn) wagte er einen Tango unter freiem Himmel. Bildrechte: MDR/Susan R. Skelton
Wolfgang Winkler als 'Kurt Masur' bei der MDR Hörspielproduktion 'Ratzel speist im 'Falco'' am 17.03.2009 in der MDR-Hörfunkzentrale in Halle.
Auch als Sprecher beim Hörfunk war Wolfgang Winkler gefragt. 2009 gab er den Gewandhausdirigenten Kurt Masur in der MDR-Produktion "Ratzel speist im 'Falco'". Bildrechte: MDR/Marco Prosch
Edwin, Günter und Vicky Adam
In "Die Rentnercops" wollte Winkler es an der Seite von Tilo Prückner noch einmal wissen: Er spielte ab 2015 den aus dem Ruhestand zurückgeholten Kommissar Günter Hoffmann. Bildrechte: MDR/ARD/Kai Schulz
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Winkler schlägt sich durch

Der Traum von der Filmkarriere war erst einmal geplatzt. Winkler musste umdenken: Er ging ans Theater, bekam dort aber nicht wie erhofft ein Engagement in Berlin, sondern in Görlitz und Zittau. 1967 dann der Sprung ans Hallesche Landestheater, ebenfalls kein großes Haus, das ihn aber in sehr vielfältigen Rollen einsetzte. Parallel dazu erhielt Winkler immer wieder kleine und mittlere Fernsehrollen, etwa in Inszenierungen des Fernsehtheaters Moritzburg und im Kinderfilm "Das Pferdemädchen". Der große Ruhm blieb aber aus.

Kompliziertes Verhältnis zu Peter Sodann

Als Intendant Horst Schönemann mit seinen Schauspielern nach Berlin ging, ließ er Winkler in Halle zurück, erneut ein herber Schlag. 1980 folgte Peter Sodann als Schauspieldirektor in Halle, doch Winkler tat sich schwer mit dem neuen Chef. Schließlich kündigte er im Jahr 1986, hoffte erneut auf eine Anstellung an einem Berliner Theater - doch wieder wurde nichts daraus. Aus finanziellen Gründen verschlug es ihn in den Nachwendewirren zurück an das "neue theater" in Halle, bis Schönemann sich doch wieder meldete und ihm Dresden anbot. So wurde Winkler mit 50 Jahren Staatsschauspieler in der sächsischen Landeshauptstadt.

Das Fernsehen ruft

Wolfgang Winkler und Jaecki Schwarz
Ein eingespieltes Team: Wolfgang Winkler und Jaecki Schwarz. Bildrechte: IMAGO

1995 ging die Karriere weiter bergauf: Winkler stieg in die SAT.1-Serie "Kurklinik Rosenau" ein. Nur wenige Monate später folgte dann der Zuschlag für die Rolle des Kommissar Schneider im Polizeiruf 110. Eine Rolle, in der immer viel von ihm selbst gesteckt hätte, wie Winkler es einmal umschrieb: "Er trifft den Ton, er ist immer normal, er ist nie artifiziell. Das ist 'ne große Kunst, so zu spielen."

Insgesamt 50 Folgen drehte das Gespann Jaecki Schwarz/Wolfgang Winkler alias Schmücke/Schneider mit dem Polizeiruf 110 aus Halle. Mit der Zeit wurde Winkler auf der Straße mit "Schneider" angesprochen. Nur ein Traum erfüllte sich nie: das Theaterengagement in Berlin.

Filme mit Wolfgang Winkler

Volker Esche (Henning Baum, rechts) schlägt Dr. Henning Wolff (Michael Roll) nieder.
Volker Esche (Henning Baum, rechts) rächt sich nach dem Tod seiner Frau bei Dr. Henning Wolff (Michael Roll). Bildrechte: MDR/Domonkos
Kommissar Schmücke (Jaecki Schwarz) steht hinter Karl Wolter (Oliver Stritzel, r.) und dessen Stieftochter Carola (Angela Sandritter), die beide in die Kamera blicken.
Kommissar Schmücke (Jaecki Schwarz) entgehen die Spannungen zwischen Karl Wolter (Oliver Stritzel, r.) und dessen Stieftochter Carola (Angela Sandritter) keineswegs. Bildrechte: MDR/S. Domonkos
 Anja (Cornelia Gröschel) und ein Jogger (Chris Lopatta).
Anja (Cornelia Gröschel) und ein Jogger (Chris Lopatta). Bildrechte: MDR/Domonkos
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Komissar Schmücke (Jaecki Schwarz, links) und Kommissar Schneider (Wolfgang Winkler), Exhumierung einer Leiche im Hintergrund.
Komissar Schmücke (Jaecki Schwarz, links) und Kommissar Schneider (Wolfgang Winkler) lassen für ihre Ermittlungen die Leiche von Jutta Esche exhumieren. Bildrechte: MDR/Domonkos

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Dezember 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Dezember 2019, 07:33 Uhr