Yiddish Summer Susi Evans, Szilvia Csaranko und die Besonderheit des Klezmer

Die Musikerinnen Susi Evans und Szilvia Csaranko wollten diesen Sommer mit ihrem Klezmer-Programm auf großer Tour sein. Doch dann kam Corona. Weil Evans nicht mehr in die britische Heimat zurückkonnte, blieb sie kurzerhand bei Csaranko in Deutschland. Aus dieser Not heraus entstand ein neues Programm mit Liedern des legendären Klezmer-Klarinettisten Dave Tarras. Das präsentieren beide beim Yiddish Summer, bei dem sie auch die Klezmer-Workshops leiten.

Mehrer Menschen sitzen mit Instrumenten im Freien vor Notenständern und musizieren.
Susi Evans (M.) und Szilvia Csaranko unterrichten Klezmer beim Yiddish Summer. Bildrechte: MDR / Blanka Weber

Ein langer Workshop Tag liegt fast hinter ihnen: Susi Evans und Szilvia Csaranko blicken in den Kreis der Teilnehmer. Etwa 15 Personen sitzen mit ihren Instrumenten zusammen – auf Abstand – überdacht von einem weißen Zelt. Fast sieht es feierlich aus auf dem Beethovenplatz von Weimar. "Das klingt besser als ich dachte", sagt Evans. Sie überlegt kurz, denn es gibt viele Trompeten und zwei Saxophone in der Gruppe. Andere Instrumente fehlen im Workshop. "Wir wollen offen sein für alle Instrumente – Geigen, Cellos, Bass, usw. Aber ich denke, es klingt gut in der Kombination."

Von der Klassik zum Klezmer

Susi Evans unterrichtet Klezmer-Musik, genauso wie Szilvia Csaranko, die mit dem Akkordeon vertreten ist. Csaranko stammt aus einer klassischen Musikerfamilie und hat erst später den Zugang zum Klezmer gefunden, wie sie MDR KULTUR erzählt: "Wir stammen aus Ungarn, ich hab mein ganzes Leben lang klassische Musik gelernt, Pianistin."

Zwei junge Frauen sitzen in einem Park auf einer Bank.
Szilvia Csaranko (l.) und Susi Evans präsentieren beim Yiddish Summer Lieder des Klezmber-Klarinettisten Dave Tarras. Bildrechte: MDR / Blanka Weber

Erst spät habe sie die Sehnsucht nach den eigenen Wurzeln entdeckt und begonnen, sich mit ungarischer Volksmusik und auch anderen osteuropäischen Volksmusik-Stilen auseinanderzusetzen. "Ich bin dabei automatisch über Klezmer gestolpert und dabei geblieben, weil es mich so mitgerissen und so angesprochen hat. Es ist was ganz Besonderes."

Susi Evans ist eigentlich ausgebildete klassische Klarinettistin. Klezmer-Musik habe sie das erste Mal auf einer Reise in Ungarn gehört: "Ich hatte keine Ahnung davon, nie damit zu tun gehabt. Ich wusste nicht, dass dieses Instrument gleichzeitig singen, lachen und weinen kann – von da an, wollte ich mehr wissen", sagt Evans. Sie gründete mit anderen das "London Klezmer Quartett". Auch Szilvia Csaranko ist in einem großen Band-Projekt involviert: "Klez we can".

Neues Programm zur Eröffnung

Gemeinsam wollten die beiden Musikerinnen eigentlich auf Tournee sei – so war der Plan vor einem halben Jahr. Doch durch die Corona-Krise kam alles anders: Weil Susi Evans nicht mehr nach London zurückkehren konnte, wo sie lebt, blieb sie kurzerhand in Deutschland. Mit ihrer Musikerkollegin widmete sie sich einem neuen Programm, das beide erstmals vor Publikum zur Eröffnung des Yiddish Summer spielten, die dieses Jahr in Eisenach stattfand. Csaranko erklärt: "Unser Programm stammt aus dem Repertoire eines Klarinettisten, einer echten Legende. Sein Name ist Dave Tarras. Er immigrierte von Osteuropa in die USA. Und durch einen großen Zufall war er ausgerechnet in Erfurt."

Für seine Musik hätten sie sich entschlossen, weil sie so vielseitig sei, so die Musikerin weiter. "Er hatte so viele Stile des Klarinettenspiels parat: den griechischen, den ukrainischen, polnischen, Moldawischen. In den USA wurde er dann bekannt für jiddischen Swing."

Mit dessen Musik im Gepäck ist das Duo jetzt einige Tage in Thüringen zu Gast beim Yiddish Summer. Dort unterrichten sie Workshops, geben Konzerte –  und wollen das vermitteln, was ihnen so viel Freude macht: Klezmer-Musik.

Termine Klezmer aus der Neuen Welt mit
Susi Evans & Szilvia Csaranko

Bafüßerkirche, Erfurt
16. August, 20 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. August 2020 | 13:10 Uhr